BMW 6er Cabrio Fit für den Frühling

Noch ist es draußen kalt und grau, doch BMW weckt schon mal die Vorfreude auf den Frühling: mit dem neuen 6er Cabrio. Der offene Luxus-Gleiter ist schöner geworden, stärker und sparsamer - aber auch teurer. Und ein paar Extras für die erste Ausfahrt fehlen trotzdem.


Es gibt ein paar ungeschriebene Gesetze in der Autobranche. Eines davon lautet, dass ein neues Modell zunächst mit festem Dach auf den Markt kommt. Erst im Anschluss folgt - bei Bedarf - eine offene Version. BMW dreht diese Reihenfolge frech um. "Ja, das ist ungewöhnlich", gibt Markus Braunsberger zu, der bei dem bayerischen Autobauer für die 6er-Baureihe zuständig ist. Der Grund dafür ist allerdings extrem einleuchtend: der Frühling steht vor der Tür - auch wenn es sich derzeit gar nicht so anfühlt. "Wir wollten mit dem Cabrio pünktlich zur Open-Air-Saison an den Start gehen." Deshalb lanciert BMW ab März erst einmal das 6er Cabrio für Preise ab 83.300 Euro.

Als automobiler Frühlingsbote ist der neue offene 6er eine wuchtige Besetzung. Mit einer neuen Linie pflegt das Auto einen sozialverträglicheren Auftritt als das Vorgängermodell. Optisch wirkt der nun 4,89 Meter lange Wagen wesentlich gestreckter und deutlich breiter. Eine Straßenyacht, gemacht für die Uferstraßen und Strandpromenaden der mondänen Küstengegenden.

Dort rollt er als großer Gleiter gelassen durch den Verkehr und lässt sich auch von einer Horde quengeliger Kleinwagen nicht aus der Ruhe bringen. Wer den 6er fährt, segelt selbst auf ruppigem Untergrund und mit flotter Gangart souverän dahin. Dabei bügelt das Fahrwerk jede Bodenwelle glatt, der Motor säuselt ruhig unter der Haube und die Lenkung vermittelt dem Fahrer den Eindruck, als steuere er den kleineren und leichteren 1er.

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Wechselt man von der Küste in die Berge und - mittels der Schaltwippe auf dem Mitteltunnel - vom Komfort- in den Sportmodus, zeigt der 6er sein zweites Gesicht. Die elektrische Servolenkung fordert eine kräftigere Hand, die auf Wunsch (und gegen Aufpreis) mitlenkende Hinterachse schlägt schärfer ein, der Motor spielt sich vernehmlich in den Vordergrund, die sonst kaum wahrnehmbare Achtgang-Automatik duldet höhere Drehzahlen, und das Fahrwerk zeigt plötzlich deutlich mehr Biss. Schnell und sportlich schneidet das Cabrio dann durch die Kurven, wird regelrecht zum Gipfelstürmer und bleibt dabei selbst in engen Kehren verlässlich auf Kurs. Gleichzeitig gibt der Wagen aber auch viel mehr Informationen über die Verwerfungen der Straße weiter.

Überraschend ist jedoch, wie gut der Bursche seine Fettleibigkeit kaschiert: Der 6er wiegt immerhin knapp zwei Tonnen. Trotz des Leichtbaus, von dem Baureihenleiter Braunsberger immer wieder spricht, von Hauben aus Aluminium und Klappen aus Kunststoff. Andererseits aber mussten allein aufgrund verschärfter Crashanforderungen 70 Kilogramm Extramaterial ins Auto eingebracht werden.

Für den Zweitonner gibt es extrastarke Motoren

Dass das hohe Gewicht kaum zu spüren ist, liegt nicht zuletzt an den potenten Motoren. So arbeitet im 650i ein 4,4 Liter großer Achtzylinder mit 407 PS und 600 Nm, mit deren Macht die Kilos scheinbar schwerelos werden. Fünf Sekunden von 0 auf Tempo 100 sind für das Cabrio eine leichte Übung, und die 250 km/h Höchstgeschwindigkeit kaum mehr als eine Formalität. Nur der Blick auf den Durchschnittsverbrauch trübt die Freude: 10,7 Liter sind noch immer zu viel - und in der Praxis ohnehin nicht zu schaffen. Kaum ein Testfahrer kam bei den Probefahrten unter 15 Litern ins Ziel.

Die vernünftigere Alternative dürfte deshalb der neue Sechszylindermotor im Modell 640i sein. Das Auto ist dann nicht nur 11.000 Euro billiger, sondern hat serienmäßig auch eine Start-Stopp-Automatik und kommt nominell mit 7,9 Litern aus. Auch ohne Testfahrt glaubt man Braunsberger, dass bei 320 PS, 450 Nm und einem Sprintwert von 5,7 Sekunden der Spaß nicht auf der Strecke bleibt.

Im neuen 6er gibt es mit einem Dutzend Assistenzsystemen aus der 5er- und 7er-Baureihe sowie jeder Menge Lack und Leder fast alles, was gut und teuer ist. Preise weit im sechsstelligen Bereich sind deshalb schnell erreicht. Mit Blick auf die Sonnenstunden haben die Ingenieure zudem an viele Details gedacht: Das Verdeck lässt sich auch per Fernbedienung betätigen, das Leder ist mit einer Reflexfarbe beschichtet und heizt sich daher nicht so stark auf, der Online-Dienst liefert eine Cabrio-Wettervorhersage, und bei offenem Verdeck dreht automatisch die Klimaanlage weiter auf.

Dem BMW fehlt eine Nackenheizung - und Platz in Reihe zwei

Anderes jedoch haben die Bayern vergessen. Eine Nackenheizung, mit deren Hilfe etwa Mercedes im SLK oder Peugeot im viel billigeren Modell 308 CC die Open-Air-Saison verlängern, ist ebenso wenig erhältlich wie ein Luftleitblech am Scheibenrahmen, wie es etwa beim Mercedes E-Klasse-Cabrio zum Einsatz kommt. BMW-Kunden müssen stattdessen zum fummelig zu montierenden Windschott über der Rückbank greifen und eine kleine Scheibe hinter den Fondkopfstützen per Knopfdruck ausfahren.

Ein weiteres Manko ist das Platzangebot in Reihe zwei. Hier geht es trotz Längenwachstum der Karosserie ähnlich eng zu wie im bisherigen Modell. Das Problem kennt auch Baureihenchef Braunsberger. "Im Fond muss man schon ein paar Kompromisse machen." Allerdings sei Abhilfe ins Sicht, sagt der Entwickler. Denn 2012 wird der 6er im Stil von Mercedes CLS und Audi A7 als viertüriges Coupé auf den Markt kommen. Mit festem Dach - dafür aber mit mehr Platz im Fond.

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