Autogramm BMW M 235i Rückkehr zur alten Stärke

Mit dem M 235i feierte BMW auf der Autoshow in Detroit das Comeback der ultimativen, kompakten Fahrmaschine. Der 326 PS starke 235i knüpft endlich wieder an den legendären 2002ti aus den sechziger Jahren an - ein 02 im Zeitalter von 2.0.

BMW

Der erste Eindruck: Kurz und knackig! Das neue BMW 2er Coupé hat kein Fitzelchen Blech zu viel und wirkt so gespannt und konzentriert wie ein Bodybuilder, dessen Muskulatur sich direkt unter der Haut abzeichnet. Jede Linie sitzt, es gibt keinerlei Gedöns und selbst die Anbauteile der M GmbH finden die richtige Balance zwischen auffallen und angeben.

Das sagt der Hersteller: BMW feiert den 2er als ganz besonderes Auto. Schließlich sei der Wagen das einzige kompakte Stufenheckmodell mit Hinterradantrieb auf dem Markt, argumentiert Vertriebsvorstand Ian Robertson. "Dieses Segment haben wir vor sieben Jahren mit dem 1er Coupé begründet und bislang 150.000 Autos verkauft. Jetzt knüpfen wir mit dem 2er an diese Erfolgsgeschichte an." Im Grunde sei die Idee aber noch etwas älter, sagt Robertson und erinnert an den legendären BMW 02 aus den Sechzigern. Einige Designdetails des 02 dürfen im neuen Modell weiterleben. Obwohl das frische Topmodell der 2er-Baureihe als sogenanntes M-Performance-Modell verkauft wird, würde Friedrich Nitschke, der Chef der BMW M GmbH in Garching gerne noch etwas weiter gehen. "Wir könnten uns neben dem M 235i auch einen reinrassigen M2 vorstellen." Noch fehlt für so ein Auto jedoch das grüne Licht des Vorstands.

Das ist uns aufgefallen: Gas, Gas, Gas! Der M 235i macht aus dem defensivsten Fahrer einen Heizer. Denn wenn erst einmal der raue Klang des Reihensechszylindermotors die enge, dunkle Kabine erfüllt und die Nadel des Drehzahlmessers durchs Blickfeld zuckt, ist es da: das Gefühl in einer kleinen Rakete zu sitzen. Mit einem weit abgesenkten Schwerpunkt und ausgeglichener Gewichtsverteilung, einer sehr direkten Lenkung, bissigen Bremsen und einem knochenschüttelnden Fahrwerk lässt sich dieses Auto jederzeit sicher und extrem präzise bewegen. Klar, man kann den so genannten Fahrerlebnisschalter auch auf "Komfort" oder "Eco" stellen - aber dann kann man auch gleich den Bus nehmen. Denn in diesem Fall hat man den Reiz dieses Autos nicht verstanden, das viel näher am originalen Verständnis von BMW und der Fahrfreude eines Hecktrieblers positioniert ist als etwa der aktuelle 3er oder der neue M3.

Allerdings könnte der Fahrspaß im M 235i das zu einem ziemlich einsamen Vergnügen werden. Denn auch wenn das Auto etwas größer wurde, ist es ein reiner Ego-Shooter, den man besser mit niemandem teilt. Dafür ist der Platz im Fond zu knapp bemessen und das Fahrwerk zu stramm.

Das muss man wissen: Der M 235i ist vorläufige das Top-Modell der neuen 2er Baureihe, die ab 1. März beim Händler stehen wird. Technisch eng verwandt mit dem 1er, ist der Wagen allerdings elf Zentimeter länger, ein wenig flacher und vor allem breiter. Und wie immer bei Coupés natürlich auch teurer: Rund 3000 Euro schlagen die Bayern auf. Damit kostet das billigste Modell, der 218d mit 143 PS, 29.800 Euro. Als weitere Selbstzünder gibt es Varianten mit 184 und 218 PS. Einziger Benziner neben dem M 235i ist vorerst der 220i mit 184 PS, der 29.950 Euro kostet. Trotz der leicht gewachsenen Karosserie wurde der 2er im Vergleich zum 1er nicht schwerer. Eine Start-Stopp-Automatik gehört zur Serienausstattung; das sparsamste Modell tritt mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,2 Liter je 100 Kilometer an.

Für den M 235i verlangt BMW mindestens 43.750 Euro, inklusive Automatikgetriebe werden 46.000 Euro fällig. Und wer hier und da noch ein paar Kreuzchen macht, ist schnell bei 60.000 Euro. Dafür gibt es dann aber auch nicht nur Extras wie ein umfangreiches Infotainment-Programm und jede Menge Assistenzsysteme, sondern auch Fahrleistungen auf Sportwagen-Niveau: Der drei Liter große Turbo schaufelt bis zu 450 Nm zur Hinterachse und den Sprint von 0 auf 100 absolviert der Feger in 4,8 Sekunden. Und dass als Höchstgeschwindigkeit 250 km/h möglich sind (elektronisch begrenzt), ist bei einem Auto dieser Machart eh klar.

Das werden wir nicht vergessen: Wie gut man den 2er beherrschen kann. Das Lenkrad ist dick und fest wie der Griff eines Profi-Werkzeuges und die mechanische Handbremse ein vertrauenerweckender Gruß aus der Vergangenheit. Nur der Beifahrer muss sehen, woran er sich klammern kann. Denn für ihn gibt es bei der Kurvenhatz keinen Haltegriff - ein Auto für Egoisten eben.

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insgesamt 97 Beiträge
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Seite 1
j.w.pepper 20.01.2014
1. Nettes Auto...
...aber ich warte erstmal den ADAC-Test ab.
akmsu74 20.01.2014
2. Testsieger...
Der wird bestimmt wieder super Testnoten erhalten und massig Vergleichstests gewinnen - besonders beim ADAC...
Jupp-Heidi 20.01.2014
3. gefällt mir
Auch wenn ich mir eigentlich nicht viel aus Autos mache und übermotorisierte Egoshooter für anachronistisch und für die Allgemeinheit gefährlich halte, muss ich gestehen, dass mir das Wägelchen tatsächlich gefällt. Als Carsharer fahre ich häufiger den 1er, der mir schon sehr gut gefällt. Ich kann mir vorstellen, dass der 2er daneben noch besser aussieht.
argonaut-10 20.01.2014
4. ein schönes Zeichen
in Zeiten, wo über Fremdsteuerung und Vollautomatisierung nachgedacht wird. Eine Frage bleibt dennoch: wo kann man das ausfahren?
dennis_89 20.01.2014
5. German Engineering
Für mich ein Traumauto. Außen wie innen ein Augenschmaus. Damit würde ich mich nach erfolgreichem Studium und gefundener Arbeit gerne belohnen :)
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