BMW M6 Cabrio Ran ans Guthaben

Darauf haben Besserverdiener noch gewartet: Wem das M6 Coupé nicht zugig und der offene 650i nicht rasant genug ist, für den hat BMW eine neue Kombination parat. Die Bayern pflanzen ihren V10-Motor nun auch ins Cabrio - und verlangen dafür einen horrenden Preis.

Es gibt offensichtlich nach wie vor Nischen im Automobilgeschäft, an denen die "Geiz ist Geil"-Mentalität spurlos vorbei geht. Je teurer ein Auto – das legt der Erfolg des Bentley Continental oder Lamborghini Gallardo nahe -, desto weiter steht es über konjunkturellen Schwankungen. Von diesem Phänomen lebt zu einem guten Teil auch BMW und insbesondere die M GmbH, deren Produkte weniger mit Vernunft als mit Faszination punkten und sich trotzdem gut verkaufen. "Am Geld mangelt es bei den Kunden nicht", sagt Carsten Pries. "Es kommt darauf an, mit dem richtigen Auto den Kaufreiz zu wecken und diese Guthaben zu aktivieren." Pries muss es wissen, er ist Produktmanager der BMW M GmbH und hat Erfahrung mit dem Wecken teurer Wünsche und deren anschließender Befriedigung.

Dazu nimmt die M GmbH nun einen weiteren Anlauf. Nachdem die Bayern im Sommer bereits den Z4 M Roadster und das baugleiche Coupé auf den Markt brachten, folgt Ende Oktober als dritter Muskelprotz des Jahres der offene M6. Er kostet zwar stolze 116.300 Euro und ist damit runde 30.000 Euro teurer als der auch nicht gerade schwachbrüstige 650i. Doch ist der hohe Preis nach Pries' Argumentationskette ja kein Problem, wenn es dafür ein attraktives, faszinierendes und neues Auto gibt. Und diese drei Kriterien erfüllt das M6 Cabrio durchaus.

Wie bei den Konkurrenzmodellen haben sich die M-Designer auch beim Muskel-Cabrio Zurückhaltung auferlegt. Man erkennt schon die Potenz des Wagens, sieht große Nüstern an der Frontpartie, mächtig breite 19-Zoll-Räder und das straffere, um fünf Zentimeter verlängerte Heck.

Doch das Cabrio wirkt insgesamt weniger protzig, als man es bei dieser PS-Zahl erwarten würde. Auch der Innenraum erfreut den Komfort suchenden Sportsmann. Der Schaltknüppel ist kurz und griffig, das Lenkrad liegt perfekt in der Hand, es gibt reichlich Leder und – teils gegen satte Aufpreise – viel Luxus und Komfort. Dazu zählt auch eine eingebaute Wettervorhersage. Damit man weiß, ob Schauer zu erwarten sind, haben die Bayern in ihrem mobilen Online-Portal einen meteorologischen Dienst integriert, der auf Knopfdruck Symbole für Sonnenschein oder Regenwolken auf den Bordminitor schickt.

Ein Druck auf die Sporttaste, und 507 PS stehen bereit

Im Zentrum des Interesses steht aber auch beim Cabrio der Fünfliter-Motor, der allein mit der Macht hoher Drehzahlen mehr Leistung aus seinen zehn Zylindern schüttelt, als man je brauchen wird. Wie in Limousine und Coupé fährt der Motor zunächst mit einer elektronischen Bremse und leistet so im Alltagsmodus 400 PS. Wer die Sporttaste drückt, kann plötzlich 507 PS abrufen und erleben, warum Marketing-Mann Pries das M6 Cabrio als "faszinierende Kombination aus Sportwagen und Gran Tourismo" beschreibt. Denn natürlich kann man auch mit dem M6 Cabrio in Nizza entspannt über die Promenade des Anglais bummeln oder auf der Corniche nach Monaco cruisen. Aber man kann eben auch auf den Spuren der Rallye Monte Carlo in die Seealpen abbiegen, rasant über die Pässe stürmen und wunderbar durch die Kurven jagen.

Dabei hat das Cabrio gleich zwei Vorzüge: Den freien Blick zum Himmel und den besseren Klang. Weil man den V10 und die vier Endrohre bei offenem Verdeck nun ungehindert hört, kann man den CD-Spiler getrost ausschalten. Gegen die PS-Fanfaren bei der Fahrt durch einen Tunnel oder ein tief eingeschnittenes Tal kommen selbst die Top 10 der persönlichen Hitparade nicht an.

Dass der offene M6 gut 200 Kilo mehr wiegt als das Coupé und auch deutlich schwerer ist als seine Konkurrenten, kann der Zweitonner trotz tollen Fahrwerks und der wunderbaren Lenkung nicht ganz verleugnen.

Aber weil der Motor Kraft im Überfluss bietet und 80 Prozent des maximalen Drehmoments von 520 Nm auf einem sehr breiten Drehzahlband zur Verfügung stehen, sind die kleinen Speckpolster dem flotten Fortkommen nicht hinderlich. Wer sich erst einmal über den im Alltag etwas lästigen Automatikmodus des SMG-Getriebes hinweg gesetzt hat und über die Paddles am Lenkrad seine eigene Scahltpartitur schreibt, sprintet mit dem Cabrio in 4,8 Sekunden auf Tempo 100. Beim Überholen schnellt der offene Viersitzer im vierten Gang in 4,7 Sekunden von 80 auf 120 km/h.

Übrigens: Mit der einstmals vereinbarten Tempo-Obergrenze von 250 km/h muss sich niemand mehr begnügen: Wer knapp 2500 Euro Aufpreis bezahlt und sich Zeit für ein Sicherheitstraining nimmt, dem öffnen die Bayern die Region bis 305 km/h. "Aber auch das ist eine elektronische Begrenzung", sagt Produktmanager Pries mit einem wissenden Lächeln, "denn die Kraft würde auch für deutlich mehr reichen."

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