BMW Z3 Roadster 3.0 Kontrollierter Frevel

Ein Roadster mit Automatikgetriebe? Gibt's nicht? Gibt's doch! Zumindest im Fuhrpark von BMW. SPIEGEL ONLINE hat den Z3 mit dem neuen, starken Drei-Liter-Triebwerk getestet.

Von Alexander Stirn


Roadster-Puristen werden die Nase rümpfen - und wahrscheinlich nicht nur die. Ein offener Zweisitzer, noch dazu mit der klassischen Linienführung des Z3, verspricht Fahrspaß pur. Fahrspaß, der beim Motor beginnt, über das Fahrwerk geht und nicht zuletzt beim Wühlen im Getriebe endet. Und dann stattet BMW ein derartiges Gefährt doch tatsächlich mit einem Automatikgetriebe aus. Frevel, Häresie, der Untergang des motorisierten Abendlandes!

Gediegenes Kraftpaket: Der BMW Z3 Roadster 3.0

Gediegenes Kraftpaket: Der BMW Z3 Roadster 3.0

Alles halb so schlimm. Hartgesottene Getriebequäler werden sich zwar um einen Teil des Spaßes beraubt fühlen, Fahrer, die gern den Schalthebel durchreißen und das Kupplungspedal hart kommen lassen, werden das kalkulierte Ruckeln vermissen, alle anderen fahren auch ohne Kupplung ganz gut.

Einen wesentlichen Anteil daran trägt die gute sequenzielle Fünf-Gang-Automatik, von BMW "Steptronic" getauft. Die Automatik schaltet in der Regel zum passenden Zeitpunkt und legt die Gänge fast nicht merkbar ein - was angesichts des enormen Drehmoments des Drei-Liter-Motors normalerweise einen sehr sensiblen Kupplungsfuß benötigen würde.

Wer die Kontrolle nicht ganz aus der Hand geben will, kann mit Hilfe der Steptronic auch selbst eingreifen: Der Schalthebel liegt gut in der Hand, eine Wippe am Lenkrad wäre aber noch komfortabler - doch dann würde wohl auch das letzte Gefühl, beim Schalten körperlich aktiv zu werden, verloren gehen.

Übersichtlich aber einfallslos: Der Z3 besticht durch klare Armaturen

Übersichtlich aber einfallslos: Der Z3 besticht durch klare Armaturen

Beim Z3 trägt weniger das Getriebe, vielmehr aber das leicht nostalgische, oft zu Unrecht auf die Kiemen in den Kotflügeln reduzierte Design zum Fahrspaß bei. An erster Stelle steht aber der neue Reihensechszylinder. Der Nachfolger des hochgelobten 2,8-Liter-Aggregats, unter einer deutlichen Beule in der Motorhaube versteckt, passt ideal in den sportlichen Roadster. Durchzugsstark, kräftig, im Sound satt und ein klein wenig rau, beschleunigt das 231 PS starke Triebwerk den 1400 Kilogramm schweren Roadster in 6,3 Sekunden auf 100 km/h - und meldet sich dabei in angemessener Lautstärke zu Wort.

Das Fahrwerk kann bei diesen Leistungen nicht ganz mithalten. Nicht ganz so straff abgestimmt wie die Konkurrenz, reagiert der Wagen bei hohem Tempo etwas nervös. Im Gegensatz zum Geradeauslauf ist an der Kurvenlage dagegen nichts auszusetzen.

Fahrzeugschein
Hersteller: BMW
Typ: Z3 Roadster 3.0
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: Sechszylinder-Benziner
Hubraum: 2.979 ccm
Leistung: 231 PS (170 kW)
Drehmoment: 300 Nm
Von 0 auf 100: 6,3 s
Höchstgeschw.: 236 km/h
Verbrauch (ECE): 10,1 Liter
CO2-Ausstoß: 239 g/km
Kofferraum: 165 Liter
Preis: 35.509 EUR
Der Innenraum des Z3 macht einen hochwertigen, seriösen, mitunter leicht langweiligen Eindruck. Die klassischen Instrumente mit großem Tacho und Drehzahlmesser glänzen vielmehr durch ihre Übersichtlichkeit. Das griffige Dreispeichen-Lederlenkrad liegt gut in der Hand.

Gut auch die Sitze, die einen festen Halt und eine ausreichende Unterstützung der Lendenwirbelsäule bieten. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Sitzposition. Der Fahrer sitzt sehr weit hinten, fast schon über der Hinterachse, und schaut über den opulenten Bug des Z3. Aufgrund der niedrigen Gürtellinie kommt im BMW echtes Roadster-Feeling auf.

Das bedeutet aber auch Winde, die eine leichte Brise schnell übersteigen können. Bereits bei 100 km/h bläst der Fahrtwind relativ stark und wird bei geschlossenen Scheiben sogar noch schlimmer.

Abhilfe schafft das pfiffige Windschott des Z3, ein dünnes Netz, das mit je zwei Reiß- und Klettverschlüssen zwischen den beiden Überrollbügeln montiert wird - nicht so elegant wie die Glasscheibe im Audi TT, aber genauso effektiv: Selbst bei Tempo 220 weht der Wind nicht sonderlich unangenehm.

Luftig: Dank der niedrigen Gürtellinie kommt im Z3 echtes Roadster-Feeling auf

Luftig: Dank der niedrigen Gürtellinie kommt im Z3 echtes Roadster-Feeling auf

Soll das Verdeck geschlossen werden, sind echte Sportwagenfahrer gefragt, Piloten, die auch einmal zupacken können. Die Verriegelung des Verdecks zu öffnen erfordert etwas Kraftaufwand, dann aber gleitet die Kapuze sanft in den Verdeckkasten. So weit, so gut.

Weniger bequem ist da schon der Umgang mit der Persenning. Um dem Verdeckkasten den letzen Schliff zu geben, sind viel Übung, ausreichend Kraft und kurze Fingernägel notwendig.

Womit wir wieder bei den Vorteilen der Automatik wären: Vom Hantieren mit der Abdeckung zerschundene Hände können sich - ohne den ständigen Griff zum Schaltknüppel - halbwegs erholen. Zumindest so lange, bis das Verdeck wieder geschlossen werden muss.

Bildergalerie: Kiemen, Kurven, Kleinigkeiten
Hörprobe: Bayerische Urgewalten (Quicktime)
Stenogramm: Der Z3-Test auf einen Blick




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