Fotostrecke

Ratgeber Rad Brompton: Britisches Origami

Foto: Stefan Weißenborn

Brompton CHPT3  Ein Renner im Handtaschenformat

Das Brompton ist ein Klassiker unter den Falträdern und bei Pendlern sehr beliebt. Wer es eilig hat, konfiguriert es wie das Sondermodell CHPT3 sportlich - und nimmt dafür einen kleinen Nachteil in Kauf.

Der erste Eindruck: "Ist das kaputt?", lautete die Frage eines Kindes beim Anblick des zusammengefalteten Bromptons. Dem Rad sieht man einfach an, dass es speziell dafür konstruiert wurde, Mobilitätslücken zu schließen.

Das sagt der Hersteller: "Bromptons eignen sich perfekt für das Fahren in der Stadt", wirbt die britische Manufaktur. Seit über einem Vierteljahrhundert werden die Falträder in London in Handarbeit gelötet. Auf ein Packmaß von 58,5 mal 56,5 mal 27 Zentimetern zusammengelegt, könne das Rad bequem in öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Autokofferraum mitfahren. Weil das Faltrad sich auch in die Wohnung, das Büro oder in Kneipen mitnehmen lasse, hätten Diebe keine Chance: "Sie müssen Ihr Rad nie mehr draußen anschließen", wirbt Brompton. Im Stadtverkehr sei es wegen der kleinen Laufräder besonders wendig, jedes Schlagloch könne leicht umkurvt werden. Auf alltäglichen Wegen als praktischer Begleiter genutzt, werde das Brompton sogar zum Fitnessgerät - zumal wenn schmale Rennradreifen wie an unserem Testrad aufgezogen sind.

Fotostrecke

Ratgeber Rad Brompton: Britisches Origami

Foto: Stefan Weißenborn

Das ist uns aufgefallen: In der Regionalbahn verschwindet das komprimierte Zweirad nahezu in der für Gepäck konstruierten Fläche zwischen zwei Sitzbankrücken, nur der Sattel steht noch hervor. Am Zielbahnhof genügt nach ein bisschen Übung eine halbe Minute, um das Fahrrad auseinanderzuklappen. Zwar ist das Brompton mit seinen 16-Zoll-Laufrädern tatsächlich wendig, allerdings lenkt es sich dadurch auch nervös. Die leichten Rennreifen, die für die Fahrstabilität bei höheren Geschwindigkeiten auf acht Bar aufgepumpt sind, machen den Fahrkomfort brutal hart. Auch die Rahmenfederung steigert den Komfort kaum, zumal diese bei der Version CHPT3, dem laut Hersteller renntauglichsten Brompton, das je aufgelegt wurde, auch noch härter eingestellt ist. Kopfsteinpflaster wird so zur Qual. Selbst säuberlich verlegte Pflastersteine lösen Ruckeln aus, das direkt in die Gliedmaßen weitergeleitet wird. Am Rad rappelt nichts. Die Verarbeitung ist top, und es besteht kein Grund zur Sorge, wie bei manchem Klapprad aus den Siebzigerjahren, das Konstrukt könne einem unter dem Po wegbrechen. Dafür lässt sich das Sattelrohr einzeln versenken, sodass auch kleine Kinder behelfsweise mal aufsatteln können.

Das Tragen, der zweite Mobilitätsmodus des Brompton, erweist sich als etwas beschwerlicher als beschrieben. Zwar drohen keine dreckigen Hosenbeine, denn die Kette liegt im Innern des 9,8 Kilo leichten Origami-Werks. Doch trotz Titangabel und -hinterbau wird der Tragearm gefühlt immer länger. Abhilfe sollen zwei kleine Rollen leisten, die das Rad zum Rollkoffer machen. Doch das funktionierte nur bedingt. Dennoch bleibt das Brompton ein Meister der letzten Meile. Wer es auf längeren Reisen gut verpackt im ICE oder Flugzeug mitnehmen möchte, für den gibt es verschiedene Koffer-, Box- und Taschenlösungen im Zubehör. Am Rad selbst lassen sich verschiedene klickbare Taschen an der langen Lenkstange anbringen. Geht es auf Tour, empfehlen sich auch dickere Reifen, Gepäckträger und Schutzbleche.

Das muss man wissen: Einmal zusammengeklappt, ist das Brompton so kompakt wie kaum ein anderes Faltbike. Das Modell Birdy von Riese und Müller, einem der Hauptkonkurrenten, misst komprimiert 80 mal 62 mal 34 Zentimeter - und damit etwas mehr.

Brompton hat bei der Entwicklung des Klappmechanismus kaum etwas aus der Hand gegeben: Nahezu alle Komponenten kommen aus dem eigenen Haus, "weil sie am besten harmonieren", sagt Matilda Heidorn vom Importeur Voss Spezial-Rad im schleswig-holsteinischen Kaaks. Die sogenannte Fertigungstiefe sei hoch, weil Bauteile von der Stange schlechter in den platzsparenden Mechanismus einzufügen wären. Die Kehrseite der Perfektion: Soll es eine andere als die maximal sechsgängige Brompton-Schaltung sein, wird's kompliziert. Einige Händler bieten Umrüstungen mit Shimano-Komponenten und mehr Gängen an, aber das ist teuer und schmerzt bei einem Einstiegspreis von 1089 Euro für das Standard-Brompton. Auf urbanen Pendlerdistanzen im flachen Berlin genügte uns die recht hoch übersetzte Zweigangvariante. Das gefahrene CHPT3 (2288 Euro) ist auf 500 Stück limitiert und bereits vergriffen, eine zweite Serie wird voraussichtlich 2019 aufgelegt.

Interessenten können es sich - bis auf Farbgebung und Sattel - mit Titan-Extremitäten, S-Lenker und Rennbereifung nachkonfigurieren und geben sogar etwas weniger aus. Der Preis liegt dann bei etwa 2000 Euro. Wer sein Brompton im Sinne der Straßenverkehrszulassungsordnung verkehrssicher machen möchte, muss noch die Beleuchtung dazukaufen. Denn ab Werk kommt der Minimalist nur mit Reflektoren.

Das werden wir nicht vergessen: Das gute Gefühl beim Verlassen des Bahnhofes. Während die Masse der Pendler in den U-Bahn-Schächten verschwindet, um auf die nächste überfüllte U-Bahn zu warten, war das Brompton in wenigen Sekunden zur stressfreien Weiterfahrt bereit.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.