Cabrio-Duell Smart - Fiat 500 C Knirpse an der frischen Luft

Tom Grünweg

2. Teil: 2. Teil: Cabrio-Duell - jetzt geht es um Platzangebot und Antrieb


Dass der Smart ein Zwei- und der Fiat formal ein Viersitzer ist, taugt als Argument nur für Theoretiker. Denn schon Kindergartenkinder empfinden die Rücksitze des italienischen Modells als Strafbank und müssen um die Gesundheit ihrer Kniescheiben fürchten. Deshalb nutzt man die beiden Plätze im Fond am besten nur im absoluten Notfall und sonst einfach als erweiterten Stauraum. Vorn dagegen ist das kleinere Auto das größere: Während der Fahrer im 3,55 Meter langen Fiat relativ beengt zwischen Sitz und Windschutzscheibe kauert, ist der 2,73 Meter lange Smart überraschend geräumig.

Unter der Haube werden die Unterschiede zwischen beiden Autos abermals größer: Der Smart als kleineres und leichteres Auto startet bereits mit 54 PS und wird mit insgesamt vier Motorisierungen bis zu einer Leistung von 98 PS angeboten. Beim Fiat 500 C beginnt das Angebot mit 69 PS und endet künftig erst beim offenen Sportmodell Abarth mit 135 PS. Fiat wiederum bietet für alle Varianten zum Aufpreis von 300 Euro eine Start-Stopp-Automatik für an; die Technik gibt es bei Smart lediglich für das Einstiegsmodell - dort aber serienmäßig.

Im Doppeltest von SPIEGEL ONLINE waren als Kandidaten der 100 PS starke Fiat 500 C 1.4 16V und das Smart Brabus Cabrio mit 98 PS unterwegs. Beide Motoren machen trotz ihres Hubraums von nur 1,0 (Smart) und 1,4 Litern (Fiat) ordentlich Krawall und haben ausreichend Kraft für flotte Sprints. So kommt der Dreizylinder des Smart mit maximal 140 Nm Drehmoment in 9,9 Sekunden auf Tempo 100. Der bis zu 131 Nm starke Vierzylinder des Fiat braucht für diese Disziplin eine gute Sekunde länger. Was den Verbrauch anlangt, liegen die offiziellen Werte für den Fiat bei 6,1 und für den Smart bei 5,4 Liter. In der Praxis jedoch schluckten beide Modelle rund zwei Liter mehr.

Außerhalb des Stadtverkehrs macht sich der Fiat auf und davon

Während die beiden Konkurrenten im Stadtverkehr ganz ähnliche Fahreindrücke hinterließen, fuhr der Fiat 500 C dem Smart jenseits des Ortschildes munter davon: Weil der ultrakurze Zweisitzer bei 155 km/h abregelt, hat der bis zu 182 km/h schnelle Fiat bei freier Strecke leichtes Spiel. Ein echtes Vergnügen ist die schnelle Landpartie mit dem kleinen Retro-Italiener jedoch nicht. Dafür sind der Motor zu laut, das Fahrwerk zu nervös und die Lenkung zu leichtgängig. Immerhin gibt es im Fiat ein normales Getriebe, so dass man sich nicht über die nervige Halbautomatik des Smart ärgern muss. Außerdem hoppelt der kürzere Smart noch unruhiger über Bodenwellen und motiviert mit dem strammen Brabus-Fahrwerk zum konsequenten Schlagloch-Slalom.

Was dem vergleichsweise hohen Smart an Straßenlage und Kurvenkunst fehlt, kompensiert er in der Stadt, wo die kleinen Cabrios ohnehin die meiste Zeit unterwegs sein dürften. Natürlich ist auch der Fiat ein handliches Auto, zumal die City-Taste auf der Mittelkonsole die Servounterstützung der Lenkung erhöht und so das Rangieren erleichtert. Doch bei der Parkplatzsuche ist und bleibt der Smart, der sich auch quer in Lücken abstellen lässt, einfach unschlagbar.

Endstand und Fazit

Unter dem Strich erweisen sich beide Cabrios als Stimmungsaufheller - solange man auf Kurzstrecken oder Einkaufsfahrten unterwegs ist. Wer den Sommer dagegen auf langen Touren genießen will, der sollte ein größeres Cabriolet kaufen - selbst wenn es für das gleiche Geld ein gebrauchtes Auto sein wird. Fiat 500 oder Smart? Die Entscheidung hängt weniger an Design oder Fahrkultur, sondern am Einsatzzweck. Singles und Paare aus der Großstadt fahren mit dem Smart besser. Der Fiat ist zwar nicht geräumiger, bietet aber immerhin zwei Notsitze und macht über Land etwas mehr Spaß. Echte Cabrios sind beide nicht - aber für einen Sonnenbrand hinterm Lenkrad reicht es allemal.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
coyote_de 18.05.2010
1. Querparken mit dem Smart...
Ist das Querparken mit dem Smart mittlerweile nicht eigentlich kein Thema mehr, nachdem er in der länge auf ~2,70m angewachsen ist? Hab ich da jetzt geschlafen oder der Autor des Artikels...?
MetalunaIV 18.05.2010
2. Presse als PR-Wasserträger
Diese verhunzten Falt- und Rolldachautos haben mit Cabrios in etwa soviel zu tun wie ein Segelflieger mit einem Kampfjet. Das eigentlich Schlimme daran ist allerdings, dass die Presse die Begrifflichkeiten der Werbeindustrie aufgreift und allenfalls - wie hier - leicht relativiert. So kann ... • ein Auto mit Falt- oder Rolldach und vorhandener B- und/oder C-Säule KEIN Cabrio sein • ein Auto mit 4 Türen (Passat CC) KEIN Coupé sein und • ein Auto ohne Allrad-Antrieb (VW Tiguan, BMX X1)kein Geländewagen sein. Auch wenn ich jetzt spießig und kleinkariert wirken mag: All diese Definitionen sind getroffen worden, um Fahrzeugklassen und Nischenmodelle eindeutig unterscheidbar zu machen. Da Cabrios, Geländewagen und Coupés aber für gewöhnlich recht teuer sind, werden einfach Billigmodelle von der PR ebenso bezeichnet, damit sich auch Niedriglohnempfänger als Straßenkönige fühlen können. So ich steige jetzt in meinem Pool (= Badewanne)...
danys86 18.05.2010
3. Fehlerteufel
Der Volvo S60 ist kein Cabrio. Herr Grünweg meint wohl den Volvo C70! Sollte man als Auto-Ressort-Autor wissen.
scorpione 18.05.2010
4. pffff
seit wann nennt man ein Auto mit Schiebedach Cabrio? Die 500C Studie damals, das war ein Cabrio. Aber das was Fiat da präsentiert...... Bloß gut, dass meine Barchetta noch fährt!
drsindelfaenger 19.05.2010
5. Smart - querparken
Zitat von coyote_deIst das Querparken mit dem Smart mittlerweile nicht eigentlich kein Thema mehr, nachdem er in der länge auf ~2,70m angewachsen ist? Hab ich da jetzt geschlafen oder der Autor des Artikels...?
Da hat nicht nur der Autor geschlafen sondern schon die Entwickler des ersten Smart, denn es spricht nicht gerade von Praxisnähe wenn man sich nach der Bauordnung richtet die zwar 2,50 Meter Breite für Parkplätze empfiehlt, aber mangels ausreichend Platz in kaum einer Innenstadt auch eingehalten werden kann.
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