Cadillac CTS Kanten schleifen

Seit im Jahre 1948 der Cadillac-Designer Harley Earl der Autowelt die Heckflosse bescherte, kamen kaum noch stilistische Anstöße von der US-Nobelmarke. Nun allerdings wollen die Amerikaner wieder im Luxussegment mitmischen und kreierten dazu eine ungewöhnliche Formensprache.

Von Jürgen Pander


Soll die größte Produktoffensive in der Cadillac-Geschichte einleiten: Cadillac CTS

Soll die größte Produktoffensive in der Cadillac-Geschichte einleiten: Cadillac CTS

Mercedes und BMW, Audi, Jaguar und Lexus, Rolls-Royce und Bentley und Maybach sowieso - das sind im Wesentlichen die Luxusmarken auf dem US-Automarkt, dem größten der Welt. Und Cadillac? So richtig dazu zum illustren Kreis gehört die Edelmarke aus dem General-Motors-Konzern nicht mehr. Die Zeiten, in denen Cadillac mit Neuerungen (1912 elektrischer Anlasser, 1954 Servolenkung, 1964 Klimaautomatik) für Furore sorgte, sind lange vorbei.

Doch mit dem Schwelgen in der glorreichen Vergangenheit, das im vergangenen Jahr zum 100-jährigen Jubiläum der Marke seinen Höhepunkt erreichte, ist auch der Eifer und Elan für einen Neustart erwacht. Cadillac will wieder zurück in die Spitze der Autoproduzenten. Signale dafür fanden sich bei den letzten Automessen, etwa die Roadster-Studie Evoq oder zuletzt die Studie Sixteen, ein Luxusschlitten mit 16-Zylinder-Motor und 1000 PS.

Innenraum des Cadillac CTS: Vor lauter Design kamen Standards zu kurz

Innenraum des Cadillac CTS: Vor lauter Design kamen Standards zu kurz

Etwas weniger spektakulär, dafür weitaus wichtiger für die Marke, sind jene Modelle, die tatsächlich auf die Straße kommen und die Renaissance von Cadillac herbeiführen sollen. Zum Beispiel die Limousine CTS, die nach Auskunft des Unternehmens "die größte Produktoffensive in der Cadillac-Geschichte" einleitet, gefolgt im kommenden Jahr vom zweisitzigen Roadster XLR und der Limousine SRX.

Man erkennt die neuen Autos auf Anhieb. Der CTS sieht zum Beispiel aus, als hätten die Designer die Kanten und Knicke der Karosserie extra scharf geschliffen. Front und Heck sind pfeilförmig gestaltet, dazu kommen vorn und hinten Scheinwerfer im Hochformat. "Technologie orientiert" nennt Cadillac die neue Stilrichtung, und tatsächlich wirkt der Wagen sehr technisch, sachlich und nüchtern. Fast ein bisschen steril, auf jeden Fall aber anders als sämtliche Konkurrenzmodelle.

Fahrzeugschein
Hersteller: Cadillac
Typ: CTS
Karosserie: Limousine
Motor: V6-Benziner
Hubraum: 3.175 ccm
Leistung: 218 PS (160 kW)
Drehmoment: 200 Nm
Von 0 auf 100: 7,7 s
Höchstgeschw.: 230 km/h
Verbrauch (ECE): 11,7 Liter
CO2-Ausstoß: 277 g/km
Kofferraum: 420 Liter
Versicherung: 19 (HP) / 34 (TK) / 25 (VK)
Preis: 38.500 EUR
Auch im Innenraum kehren Design-Grundelemente wieder, etwa bei den hochformatigen Lüftungsdüsen oder der Armaturentafel im DIN-A3-Format. Vor lauter Design kamen aber offenbar einige Standards zu kurz: Das Handschuhfach ist mickrig, die Ablagefächer in den Türen zu flach und auch die Kopffreiheit lässt für eine Limousine dieser Dimension zu wünschen übrig. Und wenn sich die für Materialien und Oberflächen zuständigen Interieur-Entwickler mal in einem europäischen Fabrikat dieser Preisklasse umgesehen hätten, wäre das auch kein Schaden gewesen. Manche Verkleidungsteile im CTS sehen einfach zu sehr nach Plastik aus.

Technisch lässt Cadillac dagegen nichts anbrennen. Es geht typisch amerikanisch zu, will heißen: großvolumig und kraftvoll. Zwei Sechszylindermotoren mit 2,6 oder 3,2 Liter Hubraum stehen zur Wahl. Die kleinere Maschine leistet 181 PS (133 kW), die größere 218 PS (160 kW). Beim Verbrauch liegen beide klar über zehn Liter je hundert Kilometer, bei der Höchstgeschwindigkeit deutlich über 200 km/h. Im Herbst soll es eine noch stärkere Version des Wagens mit 5,7-Liter-V8-Motor und 350 PS (260 kW) geben.

Typisch amerikanisch: Die angebotenen Motoren sind großvolumig und kraftvoll

Typisch amerikanisch: Die angebotenen Motoren sind großvolumig und kraftvoll

In Fahrt, zeigt der CTS ein Janusgesicht. Die Servolenkung vermittelt ein leicht indifferentes Gefühl und arbeitet also typisch amerikanisch, das Fahrwerk jedoch wurde "speziell für die europäischen Märkte" abgestimmt - und zwar bei Testfahrten auf dem Nürburgring. Entsprechend straff rollt der Wagen ab. Außerdem bekommen die europäischen Modelle eine hydraulische Niveauregulierung an der Hinterachse.

Seinem Ruf als Luxushersteller wird Cadillac im Falle des CTS bei der Ausstattung gerecht. Ab Werk gehören ABS, sechs Airbags, Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Tempomat, Zentralverriegelung mit Fernbedienung und eine Bose-Musikanlage mit Sechsfach-CD-Wechsler. Und in einem 3100 Euro teuren "Luxus-Sport-Paket" sind zusätzliche Annehmlichkeiten wie Ledersitze, Zebranoholz-Dekoreinlagen, Xenon-Scheinwerfer, 17-Zoll-Aluminiumräder und das ESP-System namens Stabili-Trak zusammengefasst.

Mit 500 pro Jahr angepeilten CTS-Verkäufen wird der neue Cadillac in Deutschland eine Auto-Orchidee bleiben. Manche Kunden werden gerade dies schätzen.

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