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Cadillac CTS Sport Wagon: Einladender Exot

Foto: Tom Grünweg

Cadillac CTS Sport Wagon Einladender Exot

Cadillac versucht in Europa einen Neustart - neben dem Geländegänger SRX soll vor allem das Modell CTS Kunden ködern. Den E-Klasse-Gegner gibt es, für einen Ami ungewöhnlich, sogar als Kombi. SPIEGEL ONLINE war bereits mit dem einladenden Exoten unterwegs.

Kombis haben in Amerika keinen sonderlich guten Ruf. Wer in den USA etwas transportieren will, der lädt seine Kisten lieber in einen Geländewagen. Kein Wunder also, dass US-Hersteller beim Thema Kombi eher die Klappe halten und das ohnehin magere Geschäft Europa-Importen von Volvo, Mercedes oder BMW überlassen.

Cadillac

ist da eine Ausnahme. Die noble GM-Tochter ist die einzige amerikanische Marke, die einen echten Kombi im Programm hat: Seit gut einem Jahr verkauft sie ihren CTS auch als sogenannten Sport Wagon. Bislang macht der einladende Exot allerdings nur einen bescheidenen Anteil der Verkäufe aus, räumt Sprecher David Caldwell ein: "Derzeit ist lediglich jeder zehnte CTS ein Kombi," sagt er.

Dennoch könnte sich der Exot demnächst anderswo als Absatzschlager erweisen. Nach der GM-Pleite wagt Cadillac den Neustart in Europa. Und neben dem Geländewagen SRX ist es vor allem der CTS, auf dem dabei die Hoffnungen ruhen. Im Format von Mercedes E-Klasse, Audi A6 und Fünfer BMW gehalten, tritt er in einem Segment an, in dem bei uns etwa jedes zweite Auto als Kombi gekauft wird.

Bevor die ersten Autos nach Europa kommen, war SPIEGEL ONLINE jetzt mit dem CTS Sport Wagon in Florida unterwegs und hat den Wagen als angenehmen Dauerläufer erlebt. Das Auto fasst 720, bei umgelegter Rückbank sogar 1523 Liter; das kantige Design steht dem Kombi besser als der Limousine. Das Fahrwerk ist für ein US-Modell ausgesprochen stramm und sportlich, die Bremsen haben einen festen Biss, und die Lenkung ist überraschend präzise - viel Abstimmungsarbeit auf dem Weg nach Europa ist da nicht mehr nötig.

Durch die träge Automatik bleibt viel Fahrfreude auf der Strecke

Ernüchternd ist hingegen der Blick auf den Antrieb. Der 3,6 Liter große V6-Motor - immerhin schon mit Direkteinspritzung ausgerüstet - ist mit 304 PS, 370 Nm und serienmäßigem Allrad-Antrieb zwar ein solides Kraftwerk. Doch die sechsstufige Automatik ist so träge und teigig, dass viel Fahrfreude auf der Strecke bleibt. Man muss schon kräftig zutreten, wenn man tatsächlich in weniger als sieben Sekunden auf Tempo 100 sprinten oder einmal die Höchstgeschwindigkeit von rund 240 km/h ausprobieren möchte.

Den Blick auf den Bordcomputer sollte man dabei vermeiden: Mit einem Normverbrauch von 10,6 Litern ohnehin schon kein Kostverächter, schnellt der Wert dann locker um fünf, sechs Zähler nach oben. Nach über 800 zumeist gemütlich gefahrenen Kilometern steht deshalb am Ende ein Durchschnittsverbrauch von stolzen 14 Liter auf der Uhr. Vielleicht braucht es in Europa einen sparsamen Diesel, damit der Wagen eine Chance hat.

Sonst nämlich sieht die Sache gar nicht so schlecht aus: Natürlich sind Materialauswahl und Verarbeitungsgüte nicht auf dem Niveau deutscher Nobelmarken. Doch die Zeiten lustloser Landschaften aus tristem Plastik sind auch bei Caddy vorbei: Das Interieur ist liebevoll geformt, man sieht viel Lack und Chrom. Und wo man den CTS anfasst, fühlt er sich ordentlich an.

Was ihm in Sachen Wertigkeit im Vergleich mit der europäischen Konkurrenz noch fehlen mag, macht er mit anderen Qualitäten wett. Die Ausstattung zum Beispiel ist sehr großzügig. Bestellt man den Wagen mit dem "Premium-Paket", dann reist man auf klimatisierten und fein belederten Sportsitzen, die Klimaautomatik kühlt selbst in Florida auf Alaska-Niveau. Durch das Panorama-Schiebedach scheint großflächig die Sonne, die Navigation kommt von der Festplatte und für alle Handgriffe gibt es einen elektrischen Helfer - von der Heckklappe über die Sitzverstellung bis hin zum Türverschluss.

Zwar treibt das den US-Preis von (beinahe lachhaften) 38.265 auf immerhin 50.565 Dollar. Doch gemessen an europäischen Tarifen ist der CTS damit für umgerechnet kaum 39.000 Euro noch immer ein Schnäppchen. Das Kombimodell der E-Klasse gibt es erst ab 42.500 Euro - und ist dann in Sachen Ausstattung noch vergleichweise nackt. Selbst wenn sich dieser Preis des CTS nicht eins zu eins nach Europa übertragen lässt, wird der Sonderling bei uns wohl dennoch zu den Sonderangeboten zählen.

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