Cadillac CTS-V Mit ICE-Tempo auf der linken Spur

649 PS, 320 km/h schnell - dieser Cadillac will die Autobahn regieren. Das ist absurd. Trotzdem wirkt der Wagen in einem Punkt ganz helle.

Cadillac

Der erste Eindruck: Showtime! Wenn eine Business-Limousine den großen Auftritt beherrscht, dann der neue Cadillac CTS-V. Vor allem bei Dunkelheit setzt sich der kantig-markante Wagen mit einer Lichtinszenierung bis zur Türgriffbeleuchtung imposant in Szene.

Das sagt der Hersteller: "Der erste CTS-V war ein Versuchsballon, von dem wir nicht wussten, ob er fliegen würde; mit dem zweiten haben wir einen Achtungserfolg erzielt. Und an die neue, dritte Generation sind die Erwartungen jetzt so hoch, dass wir uns mächtig ins Zeug gelegt haben", sagte Tony Roma, bei Cadillac verantwortlich für die besonders leistungsstarken Varianten. Die Sport-Limousine soll mit Modellen wie dem Mercedes E 63 AMG oder dem BMW M5 konkurrieren.

Damit der Wagen besonders dynamisch wird, hat der US-Hersteller Bauteile aus der Sportwagenikone Corvette Z06 übernommen, darunter den 6,2-Liter-Motor mit 649 PS. Getestet wurde die Technik dann auf dem Milford Proving Ground in Michigan und dem Testzentrum in Meuspath am Nürburgring. Die Feinarbeit hat sich gelohnt, etwa weil die elektromagnetisch gesteuerten Dämpfer jetzt so schnell reagieren, dass sie sich bei Tempo 100 tatsächlich auf jede Unebenheit in der Fahrbahn individuell einstellen können. Und in jedem der speziellen Michelin-Reifen stecken drei unterschiedliche Gummimischungen, damit die Innenseite anders reagiert als die Außenseite oder die eigentliche Lauffläche - so steigt die Laufruhe weiter.

Das ist uns aufgefallen: Hinter dem Lenkrad sollte man einen kühlen Kopf bewahren. Denn es braucht nur einen unbedachten Tritt und ein paar Sekunden Achtlosigkeit, dann wird man mit diesem Cadillac zum Gesetzesbrecher. Nach weniger als vier Sekunden meldet der Tacho gut 100 km/h und wer jetzt nicht schnell den Fuß lupft, rast kurz darauf mit mehr als 250 km/h dahin. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei absurden 320 km/h. So schnell ist kaum ein anderes Autos dieser Klasse.

Einerseits ist es faszinierend, wie leicht und mühelos sich der Wagen beschleunigen lässt. Und gemessen an dem Kraftakt, den der V8-Kompressor-Motor mit 6,2-Litern Hubraum vollbringt, klingt er fast noch zahm und züchtig. Andererseits ist der Temporausch erschreckend, weil man das Gefühl für die Geschwindigkeit verliert und erst weit jenseits von 250 km/h am Rauschen des Windes merkt, dass man längst so schnell fährt wie ein ICE.

Nur gut, dass die vorderen Bremsscheiben größer sind als das Lenkrad. Und dass der CTS-V nicht nur der stärkste, sondern auch der leichteste Sportler in seiner Liga ist. Deshalb wird die Fuhre auch bei flotter Fahrt nicht zur Furie und lässt sich selbst auf einer engen Landstraße im Zaum halten und kontrolliert durch die Kurven führen.

Das muss man wissen: In Nordamerika ist Cadillac eine vornehme Massenmarke, in Europa ein Nischenhersteller in der Nische. Mehr als 200 Autos wird das gute Dutzend Händler in Deutschland in diesem Jahr nicht verkaufen, räumt Cadillac-Sprecher Vijay Iyer ein; in ganz Europa sind es weniger als 900. Im nächsten Jahr soll Cadillac allerdings die Tausender-Marke knacken. Die GM-Tochter setzt dabei nicht zuletzt auf den CTS-V, der ab Anfang 2016 verkauft werden soll und mindestens 98.500 Euro kosten wird.

Zwar ist der CTS-V gemessen an Konkurrenten wie dem Audi RS6, dem BMW M5 und dem Mercedes E 63 AMG ein Schnäppchen, denn die deutsche Konkurrenz ruft Preise weit jenseits von 100.000 Euro auf. Doch die Summe ist natürlich happig. Wem sie zu hoch ist, dem macht Cadillac noch ein zweites Angebot: Parallel zum CTS-V startet die V-Version des kleineren ATS. Unter dessen Haube werkelt ein 470 PS starkes V6-Triebwerk mit 3,6 Liter Hubraum, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 305 km/h und der Preis bei 69.900 Euro (Limousine) oder 72.500 Euro (Coupé).

Das werden wir nicht vergessen: Der Motor ist mitreißend, die Fahrleistungen sind faszinierend, und das Design fällt gewiss auf. Aber womit sich der CTS-V in die Erinnerung brennt, ist der "Performance Data Recorder". Eine fest installierte Kamera zeichnet die Fahrt auf, dazu werden bis zu 150 Telemetriedaten gespeichert. Profis können damit an ihrer Bestzeit feilen, alle anderen ziehen die SD-Karte aus dem Handschuhfach und genießen die Fahrt am Laptop noch einmal - wenn das Auto längst wieder in der Garage steht.

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insgesamt 121 Beiträge
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harleyfahn 25.10.2015
1. Ein geiles Teil!
Ein klares Bekenntnis der Amis zum klassischen Automobil, ohne diese beknackten Elektromotore oder die lächerlichen Hybridhampeleien.
extremchen 25.10.2015
2.
"SD- Karte raus und am Laptop gucken was für'n Geiler man doch ist!", oder so ähnlich. Solche Autos sind DAS Argument warum wir dringend 130Km/h Höchstgeschwindigkeit auf den Autobahnen einführen müssen. Und Streckenüberwachung statt sekundäre Blitzanlagen... Sowas ist echt schon krankhaft, und für sowas machen Sie ernsthaft Reklame?
gpkneo 25.10.2015
3. Wo
Wo soll der Schwachsinn ausgefahrenen werden, auf der A 61?
patrick6 25.10.2015
4. Das ist doch gar nicht erlaubt...
"Eine fest installierte Kamera zeichnet die Fahrt auf". oder?
noalk 25.10.2015
5. Cadillac darf?
Dashcams sind doch ferboten. Warum darf Cadiilac vilmen? Weil die Kamera fest installiert ist? --- Bezeichnenderweise keine Angaben zum Spritverbrauch. Wahrscheinlich so wenig, dass es nicht der Rede wert ist.
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