Cadillac CTS-V Wo zum Teufel liegt Affalterbach?

Mit der Corvette ZR1 hat GM bewiesen, dass gute Sportwagen auch aus den USA stammen können. Vielen Kunden ist das Image des Brachialcoupés dennoch zu halbseiden. Um eine seriöse Alternative zu schaffen, haben die Amerikaner den 564 PS starken Motor nun in den kreuzbraven Cadillac CTS verpflanzt.


7:59,32 Minuten - auf diese Kennziffer ist der neue Cadillac-Chef Bryan Nesbitt besonders stolz. Denn diese Zeitspanne ist die bislang kürzeste, in der eine Serienlimousine die Nordschleife des Nürburgrings umrundet hat. Und sehr zur Freude des Amerikaners hält diesen Rekord der Cadillac CTS. Seit die Rennabteilung des Autokonzerns den kantig gestylten Viertürer in den Fingern hatte, ist die brave Cadillac-Limousine ein Berserker - der ähnlich gepolte Konkurrenten von deutschen Vollgas-Labeln wie Mercedes-AMG aus Affalterbach, BMW M aus München einfach hinter sich lässt.

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Die Pole-Position verdankt der 4,87 Meter lange und knapp zwei Tonnen schwere Cadillac CTS-V der Organspende aus der Corvette ZR1. Deren Achtzylindermotor wurde von der GM Performance Division unter die Haube der Limousine gequetscht - so entstand ohne großen Aufwand der stärkste Serien-Cadillac aller Zeiten. 564 PS und 747 Nm lauten die zentralen Werte des Triebwerks. SPIEGEL ONLINE konnte das Auto während der Testfahrt auf einer Küstenstraße südlich von Los Angeles nicht ausfahren, wurde aber trotz penibler Beachtung der Geschwindigkeitsbegrenzung von der Polizei angehalten - der Officer wollte dem Brachial-Cadillac allerdings nur einmal unter die Motorhaube schauen.

Dabei hätte der Sergeant durchaus Grund zur kritischen Nachfrage gehabt. Denn schon das Leerlaufbollern aus den mächtigen Endrohren klingt wie etwas Verbotenes. Und kaum senkt sich der Fuß auf das Gaspedal, beginnt der Kompressor zu fauchen und das Getöse wird noch lauter. Wer jetzt nicht behutsam agiert, der riskiert die Fahrerlaubnis. Ruckzuck ist die lokal erlaubte Höchstgeschwindigkeit erreicht. Kurz, nur ganz kurz flackert die Idee auf, dem Streifenwagen einfach davonzufahren, doch die Vernunft ist zum Glück stärker.

Die kurze Idee, eine Verfolgungsjagd anzuzetteln

Für eine filmreife Szene hätte es allemal gereicht: Denn bei 4,4 Sekunden für die Beschleunigung aus dem Stand bis Tempo 100, 13,2 Sekunden bis Tempo 200 und einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 300 km/h müsste der Polizist schon etwas mehr als einen Ford Crown Victoria fahren, um dran bleiben zu können. Hinter der ersten Kurve wäre der Cadillac dann endgültig auf und davon, denn im CTS-V steckt ein variables Fahrwerk, das mit Elektromagneten statt konventionellen Ventilen gesteuert wird und sich laut Cadillac schneller den Gegebenheiten anpasst als jedes andere System. So gelangen Antriebs- und Lenkkräfte überaus präzise an die 19 Zoll großen Räder. Die Lenkung freilich könnte etwas direkter sein, und ein bisschen mehr Biss beim Bremsen wäre auch nicht schlecht.

Wir üben uns also in Zurückhaltung und kreuzen entspannt über den Pacific Coast Highway. Auch wenn das 6,2 Liter große Kraftwerk unter der Caddy-Haube verborgen ist - in der Corvette gibt es ein Schaufenster im Motorraumdeckel - erregt der Wagen einiges Aufsehen. Das verchromte Gitter im Kühlergrill glänzt, die Motorhaube protzt mit einem Buckel, unter dem der Kompressor Platz findet, und die Kotflügel schmiegen sich eng über die Breitreifen.

Cadillac fehlt in Europa das nötige Prestige

In Europa allerdings ist das Renommee von Cadillac nach wie vor bescheiden. Und wohl kaum ein Kunde von Mercedes-AMG, BMW M oder Audi Quattro käme angesichts des US-Bodybuilders ernsthaft ins Grübeln. Vielleicht ein Fehler, denn ein Blick auf den Preis macht nachdenklich. Während der 525 PS starke Mercedes E 63 AMG mindestens 108.409 Euro kostet, ein BMW M5 mit 507 PS zuletzt für 93.500 Euro in der Liste stand und der Audi RS6 mit 580 PS ab 108.400 Euro verkauft wird, bietet Cadillac den CTS-V für 63.000 Dollar oder umgerechnet 45.000 Euro an - in den USA zumindest.

Hierzulande gibt es den Wagen bis zum geplanten Wiederaufbau des Vertriebsnetzes im Sommer nur bei freien Importeuren, die Preise um 75.000 Euro aufrufen. Dann allerdings sind fast alle Extras, für die man bei den deutschen Modellen meist Aufpreis zahlen muss, schon inklusive. Das gesparte Geld können passionierte Schnellfahrer gut gebrauchen - für den Sprit und die wohl unvermeidlichen Strafzettel.

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
Alois, 05.04.2010
1. Not bad
Zitat von sysopMit der Corvette ZR1 hat GM bewiesen, dass gute Sportwagen auch aus den USA stammen können. Vielen Kunden ist das Image des Brachialcoupés dennoch zu halbseiden. Um eine seriöse Alternative zu schaffen, haben die Amerikaner den 564 PS starken Motor nun in den kreuzbraven Cadillac CTS verpflanzt. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,686486,00.html
Die Zeiten auf der Nordschleife sind nur vergleichbar , wenn unter vergleichbaren Bedingungen gefahren wird, (Tag , Reifen ,Fahrer , Verkehr etc.) Hier wird jedoch deutlich , dass die Kompressoraufladung Vorteile hat ; denn ich vermute , dass der Drehmomentverlauf "untenrum" so gut ist , dass eine etwas längere Übersetzung gefahren werden kann , was dazu führt , dass die Traktion aus Kurvwn heraus besser ist . (weniger Schlupf) Sehr interessant ist der Preis. Man sollte allerdings aufhören Dollar in € umzurechnen ; denn der Us-Bürger zahlt eben in $, in € umrechnen geht nur wenn er € besitzt.
ergoprox 05.04.2010
2. Preise
Zitat von AloisDie Zeiten auf der Nordschleife sind nur vergleichbar , wenn unter vergleichbaren Bedingungen gefahren wird, (Tag , Reifen ,Fahrer , Verkehr etc.) Hier wird jedoch deutlich , dass die Kompressoraufladung Vorteile hat ; denn ich vermute , dass der Drehmomentverlauf "untenrum" so gut ist , dass eine etwas längere Übersetzung gefahren werden kann , was dazu führt , dass die Traktion aus Kurvwn heraus besser ist . (weniger Schlupf) Sehr interessant ist der Preis. Man sollte allerdings aufhören Dollar in € umzurechnen ; denn der Us-Bürger zahlt eben in $, in € umrechnen geht nur wenn er € besitzt.
Ohne Frage sehr interessant das Fahrzeug. Sogar einschlägige Tester sind sehr begeistert (SportAuto) über das Preis-/Leistungsverhältnis. Keineswegs sollte man mit dieser Art des Gegenreichnens aufhören. Besonders bei deutschen Herstellern (oder die es früher waren) zeigt sich, welche Kunden die Gewinne der Firmen durch exorbitante Preise nachhaltig sichern. Es sind die deutschen Kunden. Von denen wird so richtig abgezockt.
plasmopompas 05.04.2010
3. Diese Werbefläche können Sie mieten!
Mal ernsthaft: Wer braucht ein Auto mit 564 PS?
W. Robert 05.04.2010
4. Desaster
Irgendwie passt der Motor nicht zu dieser seltsamen Karosse. Wenn sich GM entschließt, den Motor in ein optisch gelungenes Fahrzeug zu transplantieren sind die Marktchancen deutlich höher;) http://wallpapers-diq.org/wallpapers/17/Cadillac_Eldorado_Brougham_1957.jpg
felyxorez 05.04.2010
5. geschmacksache
Zitat von W. RobertIrgendwie passt der Motor nicht zu dieser seltsamen Karosse. Wenn sich GM entschließt, den Motor in ein optisch gelungenes Fahrzeug zu transplantieren sind die Marktchancen deutlich höher;) http://wallpapers-diq.org/wallpapers/17/Cadillac_Eldorado_Brougham_1957.jpg
Pure Geschmacksache, ich find den Scharf, schärfer als jeder S4, S6 oder RS6, weil er so originel ist. Aber von der Verarbeitung kann er einfach nicht mit unserem Premiumsegment konkurieren. Trotzdem: Geile Karrre Jeder mensch der daran spass hat und das Geld dafür hat. Wir leben schliesslich nicht im Ostblock. Wenn wir alles nur nach nutzen bewerten würden, könnten wir uns in Höhlen verziehen. aber wer es sich sowieso nicht leisten kann, braucht auch nicht nach dem Nutzen zu fragen :-)
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