Autogramm Cadillac XT4 Klein und gemein

Cadillac ist bekannt für den monströsen Escalade. Mit dem XT4 will die Nobelmarke von General Motors bescheidener auftreten. Das gelingt nur teilweise - das kleine SUV legt einen aggressiven Auftritt hin.

Cadillac

Von Fabian Hoberg


Der erste Eindruck:

Droht mir der Cadillac XT4? Die schmalen LED-Scheinwerfer wirken wie das Lichtschwert von Darth Vader. Sie lehnen sich optisch an den größeren XT5 an, dazwischen steckt ein mächtiger Kühlergrill, der fast senkrecht steht. Im Winter kann der bestimmt den Schnee zur Seite räumen. Ein scharfes Design wider den Einheitsbrei.

Das sagt der Hersteller:

Erstmals seit Jahren zeigt die Luxusmarke Cadillac ein neues Auto. Es ist eines der momentan beliebten kompakten SUV. Rund 20 Prozent aller Neuzulassungen fallen derzeit auf dieses Segment. Mit der Größe, einer Vollausstattung und einem neuen Diesel hofft Cadillac auf mehr Kunden. Zumal es günstiger ist als ein vergleichbares Auto deutscher Hersteller. Cadillac-Europachef Felix Weller gibt sich angriffslustig wie das Fahrzeug selbst. Der XT4 werde den Markt kräftig durcheinanderbringen. In Europa ist der Wagen allerdings erst ab Ende 2019 erhältlich.

Fotostrecke

11  Bilder
Cadillac XT4: Ein Ami schrumpft sich sportlich

Das ist uns aufgefallen:

Im Vergleich zum Cadillac-Flaggschiff Escalade sieht der XT4 zierlich aus: Er kommt auf 4,60 Meter Länge und 1,63 Meter Höhe. Die Dachlinie fällt am Heck ab, die hinteren Seitenscheiben verlaufen spitz, geben dem Auto eine Coupé-Form und machen es optisch sportlicher.

Sein neuer 2,0-Liter-Turbobenziner zeigt auf dem Datenblatt gut Werte: 237 PS und 350 Newtonmeter Drehmoment. Die liegen schon ab 1500 Touren an und beschleunigen das kompakte SUV in weniger als acht Sekunden auf Tempo 100. Allerdings klingt der Vierzylinder unter Volllast (Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h) angestrengt.

Das straffe Fahrwerk bügelt tiefe Löcher locker weg, hält aber noch ein Stück Restkomfort bereit. Optional regelt eine aktive Federung in der Sportausstattung kontinuierlich die Dämpfung des XT4. Ein Allradantrieb mit Doppelkupplung steuert die Kraft gegen Aufpreis (2500 Dollar in den USA) elektronisch zwischen den beiden Achsen.

Im Innenraum fühlen sich das lederbezogene Cockpit, die feinen Nähte, das Alu und der Kunststoff fühlen sich hochwertig an. In der Mittelkonsole verschwindet das Handy in einer speziellen Ablage, dahinter passt noch ein Tablet-Computer. Enttäuschend klein hingegen ist der Kofferraum. Er bietet mit umgeklappter Rückbank nur ein Fassungsvermögen von 1385 Litern und damit weniger als ein BMW X1 (1550 Liter) oder VW Tiguan (1655 Liter).

Der Wagen ist üppig ausgestattet, mit Klimaanlage, Lederausstattung, Automatikgetriebe, Navi und Bose-Entertainmentsystem. Es gibt beheizte und belüftete Massagesitze, Acht-Zoll-Touchscreen, Head-up-Display und kabelloses Handyladen. Assistenten helfen beim Einparken, Spurhalten und -wechseln sowie beim rechtzeitigen Abbremsen. Die genaue Zusammenstellung der Ausstattungspakete für Europa steht noch nicht fest.

So modern Technik und Design ausfallen, die Anzeige im Cockpit sieht altbacken aus: Zwischen den beiden analogen Rundinstrumenten klafft ein schwarzes Display-Loch, das mit groben Zeichen und Buchstaben bespielt wird - schön ist anders. Die Landkarte findet sich nur im acht Zoll großen Touchscreen im Armaturenbrett.

Das muss man wissen:

Cadillac galt lange als vernachlässigte Luxusmarke im GM-Konzern. Seit 2002 kommen aber wieder neue Ideen: Damals stellte Cadillac ein adaptives Fahrwerk vor, 2015 eine LTE-Internetverbindung, dieses Jahr eine Rückspiegel-Kamera und einen weit fortgeschrittenen Selbstfahrassistenten, der wirklich funktioniert und in den USA zugelassen ist.

Bisher verkauften die Amis neben dem Riesen-SUV Escalade vor allem Limousinen und Coupés mit starken Benzinmotoren. Ein Produktportfolio, das in Europa nicht gerade gefragt ist. Der XT4 ist wichtig für den geplanten Wachstumskurs. Die Plattform teilt er sich mit Buick Envision, Chevrolet Equinox und GMC Terrain. Der Wagen ist damit das derzeit kleinste SUV der Marke.

Einen genauen Preis nennt Cadillac noch nicht, gibt aber für Benziner und Diesel grob 35.000 Euro an. Mit neuen Verkaufsräumen und Mietangeboten geht Cadillac dann ungewohnte Wege: Beim Flottenangebot "Book", das in Deutschland in München läuft, können Kunden für monatlich 1700 Euro Autos von Cadillac, Camaro und Corvette beliebig oft wechseln.

Das werden wir nicht vergessen:

Es sind Details, die den neuen Cadillac ausmachen: So stellt die Cadillac-Rückspiegel-Kamera den rückwärtigen Verkehr komplett dar. Der tote Winkel wird dadurch auf ein Minimum reduziert. So sehr der XT4 auf andere auch bedrohlich wirkt - den Insassen vermittelt er viel Sicherheit.

Fahrzeugschein
Hersteller: Cadillac
Typ: XT4 AWD
Karosserie: SUV
Motor: 2,0-Liter-Turbo-Benziner
Getriebe: Neungang-Automatik
Antrieb: Allrad
Leistung: 237 PS (177 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 7,9 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 8,7 Liter
Kofferraum: 637 Liter
umgebaut: 1.385 Liter
Gewicht: 1.660 kg
Maße: 4600 / 1881 / 1627
Preis: 35.000 EUR


insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
Speedwing 17.09.2018
1. Mmhhh
4,60m Länge mit winzigem Kofferraum, nicht zu gebrauchen, viel Glück beim Suchen einer Parklücke am Strassenrand, na ja Luftgefedert, voll klimatisiert mit Bose Sound macht das Kurven um den Block erträglich...
willhelm.schmitz 17.09.2018
2. Schon OK.....
Schon der XT5 ist ein gut und modern ausgestattetes Auto, allerdings nur mit dem "dicken" 3.6 Liter Benziner erhältlich. Dieser XT4 wirkt nochmals passender, vor allem wenn man die Ausstattung und den Preis in Relation zu deutschen "SUVs" stellt. Und bevor jetzt jemand mit billigem amerikanischem Design und Verarbeitung kommt.... liebe Leute, fahrt erstmal einen modernen amerikanischen Wagen. Die fahren sich beileibe nicht schlecht, vor allem nicht auf den immer miserabler werdenden deutschen Strassen. Und vor allem nicht vergessen, diese Fahrzeuge werden von Firmen hergestellt, die offensichtlich ihre Kunden nicht "bescheiXXen" . Wenn das mal nicht ein wirklich dicker Zusatzpunkt ist.....
sierra_hotel 17.09.2018
3. Schick
Da könnte man als SUV Fan in Versuchung kommen... Exoten wie Cadillac, Jeep etc. mit neuerdings europatauglichen (Benzin-) Motoren werden grundsätzlich immer interessanter, weil die das A und O des SUV Konzepts noch nicht gänzlich verlassen haben wie die europäischen Marken: Bodenfreiheit. Bis Höhe Seitenschweller betrachtet ist heutzutage ein BMW X1 in diesem Merkmal kaum von einer 3er Limousine o.ä. zu unterscheiden. Wo solche Modelle im Autohaus direkt nebeneinander stehen, kann man sich davon überzeugen. Neben den immer teurer werdenden Preis deutscher Fahrzeuge, Abgas-Beschiss und letztendlich insbesondere wegen diesem speziellen Aspekt der noch brauchbaren Bodenfreiheit wenn's wirklich mal über Stock und Stein geht, habe ich mich nach jahrelanger Treue zu einer Marke aus Deutschland für ein solches alternatives Fabrikat entschieden und bin sehr zufrieden. Natürlich fährt man mit einem SUV nicht jeden Tag den Yukon hoch und runter, aber wenn ich schon so ein Auto habe, will ich im Gelände nicht jedem Steinchen und jeder Baumwurzel ausweichen müssen oder mir ständig die Frontschürze ramponieren. Und glaubt mir: Gute Autos bauen mittlerweile fast alle Hersteller.
DerBlicker 17.09.2018
4. der war gut
Zitat von willhelm.schmitzSchon der XT5 ist ein gut und modern ausgestattetes Auto, allerdings nur mit dem "dicken" 3.6 Liter Benziner erhältlich. Dieser XT4 wirkt nochmals passender, vor allem wenn man die Ausstattung und den Preis in Relation zu deutschen "SUVs" stellt. Und bevor jetzt jemand mit billigem amerikanischem Design und Verarbeitung kommt.... liebe Leute, fahrt erstmal einen modernen amerikanischen Wagen. Die fahren sich beileibe nicht schlecht, vor allem nicht auf den immer miserabler werdenden deutschen Strassen. Und vor allem nicht vergessen, diese Fahrzeuge werden von Firmen hergestellt, die offensichtlich ihre Kunden nicht "bescheiXXen" . Wenn das mal nicht ein wirklich dicker Zusatzpunkt ist.....
GM war bis vor kurzem die Mutter von Opel, das waren doch die , welche den Zafira wegen illegaler Abschalteinrichtungen zurückrufen mussten wegen winzigem Thermofenster. Sie sollten sich besser informieren.
flohzirkusdirektor 17.09.2018
5. Nicht nur für SUV-Fans.
Zitat von sierra_hotelDa könnte man als SUV Fan in Versuchung kommen... Exoten wie Cadillac, Jeep etc. mit neuerdings europatauglichen (Benzin-) Motoren werden grundsätzlich immer interessanter, weil die das A und O des SUV Konzepts noch nicht gänzlich verlassen haben wie die europäischen Marken: Bodenfreiheit. Bis Höhe Seitenschweller betrachtet ist heutzutage ein BMW X1 in diesem Merkmal kaum von einer 3er Limousine o.ä. zu unterscheiden. Wo solche Modelle im Autohaus direkt nebeneinander stehen, kann man sich davon überzeugen. Neben den immer teurer werdenden Preis deutscher Fahrzeuge, Abgas-Beschiss und letztendlich insbesondere wegen diesem speziellen Aspekt der noch brauchbaren Bodenfreiheit wenn's wirklich mal über Stock und Stein geht, habe ich mich nach jahrelanger Treue zu einer Marke aus Deutschland für ein solches alternatives Fabrikat entschieden und bin sehr zufrieden. Natürlich fährt man mit einem SUV nicht jeden Tag den Yukon hoch und runter, aber wenn ich schon so ein Auto habe, will ich im Gelände nicht jedem Steinchen und jeder Baumwurzel ausweichen müssen oder mir ständig die Frontschürze ramponieren. Und glaubt mir: Gute Autos bauen mittlerweile fast alle Hersteller.
Eigentlich mag ich keine SUVs, aber dieser Cadillac gefällt mir wirklich gut ...
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