Can-Am Renegade 800R Ein Quad mit Vorliebe fürs Grobe

Viele verbinden mit Mobilität auch Fahrspaß und Individualität. Zum Alltagsfahrzeug eignet sich ein Quad weniger, abseits der Straße hingegen ist jede Menge Spaß garantiert. Allerdings ist eine Fahrt mit dem Gerät nicht ganz ungefährlich.


Sie sehen oft martialisch aus, manchmal auch etwas pummelig. Und vor allem fallen Quads und All Terrain Vehicles (ATVs), wie die Fahrzeuge auch genannten werden, im alltäglichen Straßenverkehr auf. Ist man mit einem solchen Fahrzeug unterwegs, bleiben Passanten oft verwundert stehen und Kinder zeigen mit dem Finger auf einen - zumindest die oft begeistert.

Besonders oft bekommt man ein Quad jedoch nicht zu sehen, jedenfalls nicht auf asphaltierten Straßen. Ricki Sarin, Pressesprecher des kanadischen Herstellers Can-Am, schätzt, dass 2008 insgesamt rund 26.000 Quads zugelassen wurden. Die Spaßmobile sind entweder als vierrädrige Kfz zur Personenbeförderung mit maximal 20 PS oder - mit offener Motorleistung - als Zugmaschine zugelassen.

Das man Quads relativ selten im Alltag sieht, liegt vor allem daran, dass sie in erster Linie gar nicht für die Straße konzipiert sind, erst im Gelände zeigen sie ihre Stärken. Mühelos fräsen sich die großen Ballonreifen der Can-Am Renegade 800, mit der sich SPIEGEL ONLINE ins Gelände wagte, durch Sand und Schlamm und wuchten das 280 Kilogramm schwere Gerät steile Hügel hinauf und durch tiefe Furchen. Selbst wenn man denkt, nun ginge nichts mehr, hilft der zuschaltbare Allradantrieb und die Geländeuntersetzung im unwegsamen Terrain. Somit ist zumindest die Renegade 800 nicht nur ein Spielzeug, sondern ließe sich durchaus auch als Arbeitsgerät einsetzen.

Wer noch nie auf einem Quad unterwegs war und nun denkt, eine passende Aktion für das nächste Wochenende gefunden zu haben, sollte vorsichtig sein. Denn die Fahrt ist sehr ungewohnt. Auch wenn der Lenker aussieht wie bei einem Motorrad, gibt man nicht über einen Drehgriff Gas, sondern mit einem kleinen Hebel, den man mit dem rechten Daumen betätigt. Auch in einer Kurve verhält sich ein ATV ganz anders. Bei einem Krad wird die Richtungsänderung durch einen Lenkimpuls eingeleitet, und der Fahrer kann bequem durch eine Kurve fahren. Beim Quad geht das anders. Zwar muss man den Oberkörper - ähnlich wie beim Motorrad - auch in die Kurve legen, aber damit verhindert man ein Umstürzen durch die Fliehkräfte - und das ist für ungeübte Fahrer anstrengen und mitunter auch gefährlich.

Deshalb sollten sich potentielle Quad-Hasardeure nur nach einer gründlichen Einweisung auf dafür vorgesehene Offroad-Pisten trauen. "Wenn jemand bei uns ein Quad zur Probe fahren möchte, bekommt er zunächst eine umfassende praktische Einweisung in das Fahrzeug", sagt Lüder Eckhoff, Geschäftsführer des Can-Am-Händlers Scholly aus dem niedersächsischen Drakenburg.

Besonders vor der Fahrt mit der Renegade 800 macht das auch Sinn. Denn der 800-Kubikzentimeter-V2-Motor leistet 67 PS. Das hört sich im Vergleich zu Motorrädern, die durchaus über 150 PS leisten, recht bescheiden an. Doch drückt man den Daumen-Gashebel durch, katapultiert der brüllende Motor das Quad sehr flott nach vorn. Dabei sollte der Fahrer den digitalen Tacho im Blick behalten, denn die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist auch wegen des stufenlosen Automatikgetriebes schnell erreicht. Asphaltierte Kurven erweisen sich schnell als Feind eines Quads. Denn wie bereits erwähnt neigt ein ATV dann leicht zum Kippen.

Im Gelände ist dieses Problem für geübte Fahrer nicht so groß. Der Hamburger Quad-Experte Dirk Papenhagen, Leiter des Forums Q-Team-Nord, demonstriert dies im Stil eines Motocrossfahrers und driftet mit seinem Gefährt um die Kurven. Besonders auf unwegsamen Strecken profitiert der Fahrer einer Renegade von der nach Herstellerangaben einzigartigen Hinterradaufhängung. Weil die Räder dank der so genannten Trailing-Torsion-Independent-Aufhängung (TTI) beim Einfedern immer exakt parallel zu einander bleiben, hält das Quad auch bei unebener Fahrbahn die Spur. Außerdem versprechen die Kanadier eine längere Lebensdauer, da das System aus 75 Prozent weniger beweglichen Einzelteilen besteht.

Vielen Naturfreunden sind Quads ein Dorn im Auge. Sie sind oft recht laut und zumindest die Renegade 800 ist in Sachen Spritverbrauch alles andere als ein Sparfuchs. Der im Vergleich zu anderen ATVs große Motor mit entsprechend üppiger Leistung, das hohe Gewicht und das Automatikgetriebe sorgten bei der SPIEGEL-ONLINE-Testfahrt für einen Durchschnittsverbrauch von mehr als 12 Litern. Allerdings schwankt der Spritdurst extrem und ist stark abhängig vom Fahrbahnuntergrund. Can-Am-Händler Eckhoff: "Wer mit der Renegade 800 auf der Straße und zurückhaltend fährt, kann auch einen Durchschnittsverbrauch von rund sieben Litern erzielen". Doch auch damit verdient das Quad der Nord-Amerikaner noch kein grünes Lorbeerblatt. Und der Kaufpreis ist mit rund 13.500 Euro für die Version mit Straßenzulassung als Zugmaschine recht happig.



insgesamt 2 Beiträge
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kradist 25.06.2009
1. Vergleich
Zur Handhabung eines Motorrades: Um einen Richtungswechsel beim Motorrad einzuleiten, verlagert man nicht das Gewicht, sondern drückt oder zieht den Lenker in die entgegengesetzte Richtung, in die man fahren möchte (Lenkimpuls). Je nach Fahrwerk und Typ bleibt das Motorrad dann auf der eingeschlagenen Linie. Bequem aufrecht sitzen und die Fahrt geniesen, ohne sich zu verrenken, ist also kein Problem. Natürlich kann man sich "in die Kurve legen" um eine höhere Kurvengeschwindikeit zu erziehlen, aber notwendig ist das nicht. Zum Thema: Die sogenannten Quads vereinen meiner Meinung nach sämtliche Nachteile von Auto und Motorrad in einer Konstruktion. Sie sind instabil in Kurven, man fällt also schlimmstenfalls einfach um, wird naß wenn es regent und hat, im Vergleich zum PKW, keinen Vorteil, was das Leistungsgewicht angeht. Sie sind zu breit um sich schneller als ein PKW im Stadtverkehr zu bewegen und sogar das Verletzungsrisiko ist höher als beim Motorrad. Quads auf öffentlichen Straßen sind für alle Beteiligten ein Risiko, weil sie meist nichtmal 100 Km/h erreichen. Wer Motorrad und Quad verglichen hat, fragt sich wie um himmelswillen jemand 13k € für ein solches Vehikel ausgeben kann. mfg Kradist
gummiball2 28.07.2009
2. Wissen ist Macht
Der vorherige Eintrag strotzt nur so von Vorurteilen und Unwissenheit. Typisch intoleranter Motorradfahrer.
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