Chrysler 300 C CRD Der Kingsize-Diesel

Mehr als 70 Prozent aller gehobenen Mittelklassemodelle, die in Deutschland verkauft werden, haben einen Selbstzünder unter der Haube. So ein Motor fehlte dem Chrysler 300 C bislang, das wird jetzt anders. Die Amerikaner fahren die Dieselversion ihres Dickschiffs vor.

Auf der IAA, wo das Auto seine Publikumspremiere erlebt, wird der Chrysler 300 C CRD kaum auffallen, dazu gibt es zu viele andere, aufregendere Neuheiten. Für die US-Marke aber ist das Auto ein Meilenstein: nämlich der erste große Chrysler mit Dieselmotor und der erste mit serienmäßig eingebautem Rußpartikelfilter. "Unser 'Headturner' wird damit für viele Kunden in Europa erst richtig interessant", sagt Chrysler-Produktmanager Walter Scherg. Der Unterfranke Scherg lebt schon lange in den USA und streut gerne amerikanische Fachbegriffe in die Rede. Das passt gut zum Auto. Der Chrysler 300 C war, als er vor rund zwei Jahren auf den Markt kam, nach langer Durststrecke endlich mal wieder eine typisch amerikanische Limousine: groß, selbstbewusst, wuchtig. Ein Headturner eben.

Das Auto verkauft sich prächtig, allein in Deutschland, wo der 300 C seit dem vergangenen Sommer und das Kombimodell 300 C Touring seit letztem November angeboten werden, unterschrieben bislang mehr als 1800 Führerscheinbesitzer einen Kaufvertrag. Damit wurde das Auto auf Anhieb zum zweitbesten Importwagen in dieser Klasse - hinter dem Volvo V70, aber deutlich vor Saab 9-5, Peugeot 607 oder Jaguar S-Type. Mindestens ebenso wichtig wie der Umsatz aber ist etwas anderes: Der 300 C gab der Marke Chrysler ihren Stolz zurück.

Jetzt können die Amerikaner ganz lässig kommen und sozusagen eine Europaversion ihres Flaggschiffs anbieten, nämlich einen Diesel. Ab 18. November werden Limousine und Kombi auch als CRD angeboten. Das Kürzel bedeutet eigentlich Commonrail-Diesel, wurde aber von den Marketingleuten flugs in "Chrysler Runs on Diesel" umgedeutet. Dazu wird dem massigen Fünf-Meter-Schlitten der von Mercedes entwickelte 3-Liter-V6-Motor eingepflanzt. Das Aluminiumaggregat wiegt 208 Kilogramm, entwickelt 218 PS (160 kW) und setzt ein Drehmoment von bis zu 510 Newtonmeter frei. "Damit kommt er einem V8-Benziner sehr nahe", schwärmt Produktmanager Scherg. Mit Ausnahme des Verbrauchs, möchte man hinzufügen, denn nach unserer munteren Testfahrt durch Niederösterreich und das Burgenland meldete der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 8,8 Liter.

Die kolossale Karosse und der kraftvolle Motor passen gut zusammen. Die Maschine arbeitet leise, vibrationsarm und vor allem fleißig. Die Technik ist auf der Höhe der Zeit: Die Kraftstoffeinspritzungen erfolgen bis zu fünfmal pro Arbeitstakt und mit einem Druck von bis zu 1600 bar, die Schaufeln des Turboladers sind variabel, die Ladeluft wird stets so gekühlt, dass 95 Grad Celsius nicht überschritten werden. Der Fahrer bekommt davon Folgendes mit: Flottes Beschleunigen ist kein Problem, das rund zwei Tonnen schwere Auto ist mit dem V6-Diesel in allen Situationen ausreichend agil. Eine Fünfgang-Automatik übernimmt die Schaltarbeit, auch das lässt man sich gerne gefallen. Nicht so toll ist die Lenkung, da könnte etwas mehr Direktheit nicht schaden.

Hersteller:Chrysler
Typ:300 C CRD
Karosserie:Limousine
Motor:V6-Turbodiesel
Hubraum:2.987 ccm
Leistung PS:218 PS
Leistung kW:160 kW
Drehmoment:510 Nm
Von 0 auf 100:7,6 Sek.
Höchstgeschw.:230 km/h
Verbrauch (ECE):8,1 Liter
CO2-Ausstoß:215 g/km
Kraftstoff:Diesel
Kofferraum:504 Liter
Versicherung (HP):19 €
Versicherung (TK):23 €
Versicherung (VK):27 €
Preis:36.600 €

Der große Rest des Autos ist Geschmackssache. Zum Beispiel ist das Cockpit sehr übersichtlich, der Lenkstockhebel links, um den Blinker zu betätigen, sitzt aber ein paar Zentimeter zu tief. Dem linken Außenspiegel könnte ein asphärischer Schliff nicht schaden, die Sitze jedoch geben prima Halt. Das Ambiente ist angenehm, das Handschuhfach allerdings kläglich klein. Aber man kann sich schnell mit diesem Auto arrangieren - eben weil es anders ist als die anderen Typen in diesem Segment. Weil es zu seiner Größe steht; weil es keine Sportlichkeit vorgibt, wo keine ist; weil es ein tatsächlich cooler Wagen ist.

Chrysler selbst war offenbar überrascht, wie gut diese Mischung ankommt. Für den dicken V8-Benzinmotor etwa gibt es mehrere Monate Lieferzeit. Und weil der Nachschub aus den USA generell nicht ausreichte, wird der 300 C seit Mitte Juni auch bei Magna Steyr in Graz fabriziert, dort, wo bereits andere Modelle der Marken Chrysler und Jeep vom Band laufen. Mit einer Investitionssumme von 30 Millionen Euro wurden die Anlagen im Steirischen entsprechend umgestellt.

In den Dimensionen übertrifft das Auto die meisten Mitbewerber. Das ist dem Handling nicht unbedingt förderlich, dem Raumangebot drinnen allerdings sehr. Auf allen Plätzen im 300 C stellt sich das Gefühl von Großzügigkeit und Weite ein. Angenehm ist auch der Blick auf die Ausstattungsliste. Sechs Airbags, ESP, ABS, Xenon-Scheinwerfer, Regensensor, Einparkhilfe und 18-Zoll-Räder gehören zum Serienumfang. So bleibt die Anzahl der aufpreispflichtigen Extras erfreulich gering, wo sich Dinge finden wie Metallic-Lackierung (680 Euro), Lederausstattung (1700 Euro) oder ein Innenraumpaket mit Walnussholz-Zierteilen und Alcantara-Türverkleidungen (1550 Euro).

Als Limousine wird der Chrysler 300 C mit Dieselmotor ab 36.600 Euro kosten, als Kombi ab 39.000 Euro. In den USA wird das Diesel-Modell übrigens nicht angeboten. Schergs überraschende Erklärung: "Wer in den USA einen Diesel fährt, der möchte das auch hören und spüren. Und das ist bei unserem Auto ja nicht der Fall." Sonst wäre dieser Bericht auch deutlich anders ausgefallen.

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