Chrysler Crossfire Roadster "Bocksteifes Auto"

Das Crossfire-Coupé ist kaum sieben Monate auf dem Markt, da legt Chrysler schon die offene Variante nach. Bewährte Mercedes-Technik, entschlossenes Design und ein halbautomatisches Stoffverdeck machen den Crossfire Roadster zu einem extrovertierten Sportwagen.

Von Jürgen Pander


Chrysler Crossfire Roadster: Die meisten Anforderungen für den Roadster wurden schon im Basismodell umgesetzt

Chrysler Crossfire Roadster: Die meisten Anforderungen für den Roadster wurden schon im Basismodell umgesetzt

"Von der Stunde null an", berichtet Dietmar Guré, "wurden beide Crossfire-Varianten, also Coupé und Roadster, parallel entwickelt." Eben von dieser Stunde null an gehörte auch Ingenieur Guré zum Entwicklungsteam des Autozwillings. Die Simultanentwicklung bot den Vorteil, dass die meisten Anforderungen für den Roadster gleich schon im Basismodell umgesetzt wurden. So kommt es, dass der offene Crossfire lediglich 36 Kilogramm mehr wiegt als die Coupé-Version. Und dass der Roadster "ein bocksteifes Auto geworden ist", wie Guré versichert. Die Karosseriesteifigkeit - ein Qualitätsmaß besonders für offene Autos - beträgt 9880 Nm/Grad. Zum Vergleich: Beim BMW Z4 sind es 14.500 Nm/Grad, beim Vorgänger Z3 waren es 5600 Nm/Grad.

Innenraum: Serienmäßig dabei sind beispielsweise ABS, ESP, vier Airbags, beheizbare Ledersitze, Lederlenkrad

Innenraum: Serienmäßig dabei sind beispielsweise ABS, ESP, vier Airbags, beheizbare Ledersitze, Lederlenkrad

Der Crossfire markiert also nicht ganz die Spitze in dieser Kategorie, gehört aber dennoch zu den außerordentlich verwindungsfesten offenen Modellen. Spürbar wird das vor allem bei sportlicher Fahrweise. Das Auto zieht auch in schnellen Kurven und durch ruppige Serpentinen einen sauberen Strich. Die Lenkung ist sehr präzise und die bei weniger robust fabrizierten Cabrios typischen Knistergeräusche treten gar nicht erst auf.

Wie der geschlossene Crossfire, von dem Chrysler seit dem Verkaufsstart im Oktober letzten Jahres rund 1200 Exemplare in Deutschland verkaufte, wird auch die Version mit dem Faltdach bei Karmann in Osnabrück gefertigt. Das Verdeck funktioniert halbautomatisch. Das bedeutet: Entriegeln oder Verriegeln muss man das Dach an einem zentral angebrachten Hebel von Hand, danach genügt ein Knopfdruck. Eine Elektrohydraulik faltet und verstaut das Textilverdeck binnen 22 Sekunden unter der Kofferraumklappe. Die Glasheckscheibe im Stoffdach ist übrigens elektrisch beheizbar.

Schluckspecht: Der 3,2-Liter-V6-Benziner verbraucht im Schnitt elf Liter

Schluckspecht: Der 3,2-Liter-V6-Benziner verbraucht im Schnitt elf Liter

Was auffällt ist, wie gut der Crossfire Roadster auch mit geschlossenem Dach aussieht. Der schwarze Stoffhut nimmt dem Wagen nichts von seiner optischen Rasanz. Selbst von innen wurde das Dach sorgfältig bearbeitet - es gibt keine sichtbaren Spriegel oder Stangen. Die Zeiten, in denen Cabrios aus Insassensicht so wirkten wie wackelige Zweimannzelte, sind endgültig vorbei.

Fahrzeugschein
Hersteller: Chrysler
Typ: Crossfire Roadster
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: V6-Benziner
Hubraum: 3.200 ccm
Leistung: 218 PS (160 kW)
Drehmoment: 310 Nm
Von 0 auf 100: 6,9 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 10,4 Liter
CO2-Ausstoß: 246 g/km
Kofferraum: 104 Liter
umgebaut: 184 Liter
Versicherung: 14 (HP) / 23 (TK) / 26 (VK)
Preis: 38.400 EUR
Auf der Antriebsseite sind beide Crossfire-Varianten identisch, es gibt ja ohnehin nur eine Motorversion. Der 3,2-Liter-V6-Benziner läuft unspektakulär und druckvoll. Er macht den Wagen schnell, er röhrt bei höheren Drehzahlen ein wenig, und er braucht reichlich Brennstoff. Unter elf Liter lässt sich das Auto kaum bewegen. Ein happiger Wert für einen Zweisitzer, der zwar sehr sportlich ist, aber nun auch kein Allesüberholer.

Eine Maßnahme zur Spritdisziplin könnte sein, das Auto so oft wie möglich mit zusammengeklapptem Verdeck zu bewegen. Denn der beste, entspannteste und angenehmste Geschwindigkeitsbereich zum Offenfahren liegt um 100 km/h, und bei diesem Tempo bleibt der Verbrauch vergleichsweise niedrig.

Geschlossener Roadster: Auch mit Stoffmütze optisch rasant

Geschlossener Roadster: Auch mit Stoffmütze optisch rasant

Eine lobenswerte Eigenheit von Chrysler ist es, die Autos durchweg üppig auszustatten. So ist es auch beim Crossfire Roadster. Serienmäßig gibt es ABS, ESP, Traktionskontrolle, vier Airbags, Isofix-Verankerungspunkte, beheizbare Ledersitze, elektrische Fensterheber, Lederlenkrad, Tempomat, CD-Musikanlage, Klimaanlage und Zentralverriegelung. Mehr braucht man eigentlich nicht.

Vielleicht noch, um auch wirklich aufzufallen, die Lackierung im Farbton "Classic Yellow" mit einer Innenausstattung in der Colorierung "Cool Vanilla". Im silbrig-schwarzen Auto-Einerlei unserer Straßen ist dieser Crossfire Roadster ein bunter Farbklecks. Der jedoch ein stabiles Ego des Fahrers verlangt. Selbst Entwickler Guré spottet mild über diese Farbkombination: "Wir nennen sie nur 'unsere Banane'."



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