Citroën C3 Fahren im Glasauto

In der Kleinwagenklasse wimmelt es vor Modellen, und wer sich Aufmerksamkeit verschaffen möchte, braucht eine gute Idee. Citroën hat beim neuen C3 über die Windschutzscheibe nachgedacht. Die gibt es jetzt als Riesenfenster, was dem Fahren einen ganz neuen Reiz gibt.


Der C3 ist für die französische Marke Citroën nicht nur einfach ein Kleinwagen, sondern ein Auto mit Symbolcharakter. Mit der ersten Generation des Typs, die vor sieben Jahren auf den Markt kam, startete das Unternehmen seine Runderneuerung nach Jahren des Herumlavierens. Vom C3 wurden seither europaweit mehr als zwei Millionen Modelle verkauft. Jetzt steht die zweite Generation in den Startlöchern, deren Verkauf in Deutschland am 22. Januar beginnt, und wieder soll das Auto die Marke einen entscheidenden Schritt vorwärtsbringen.

"Citroën erfindet sich gerade neu", sagt Peter Weis, als Chef der Firma in Deutschland erst wenige Tage im Amt. "Der C3 markiert in diesem Prozess die nächste Stufe unserer Qualitätsoffensive. Wir wollen uns künftig an den Besten im Markt orientieren." Nach der ersten Bekanntschaft mit dem Auto, das geringfügig gewachsen ist, aber mit 3,94 Meter Länge noch immer zu den wendigen Kleinwagen gehört, stellt man fest, dass dieser Anspruch keineswegs abwegig ist. Der Wagen scheint prima gelungen.

Äußerlich hat der C3 das Putzig-Verspielte abgelegt, zugleich aber die rundlich-bulligen Proportionen behalten. Mehr Zierteile aus Chrom, einige neue Kanten im Blech, eine schwungvolle Seitenfenstergrafik sowie seriös wirkende Heckleuchten lassen den C3 jetzt ernsthafter und erwachsener erscheinen. Dieser Eindruck setzt sich im Innenraum fort, wo sich gut studieren lässt, wie elegant Kunststoffoberflächen heute gestaltet werden können.

An der Bedientafel glänzt scheinbar Klavierlack, das Armaturenbrett schimmert metallisch, und das unten abgeflachte Lenkrad trägt, zumindest in der gehobenen Ausstattungsversion, vorgeblich Aluminiumschmuck. Klar ist das alles nach wie vor aus Plastik, aber trotzdem sieht es richtig gut aus, und die Passgenauigkeit und Verarbeitungspräzision fällt ebenfalls auf - auch dann, wenn man nicht Produktionstechnik studiert hat.

Was an dem Auto ist eigentlich "Créative Technologie"?

Für einen Citroën-Kleinwagen mag das ein großer Schritt nach vorn sein - insgesamt aber folgt das Auto damit einem Trend, der nahezu alle Wettbewerber in diesem Segment erfasst hat. Weil sich die französische Marke nicht nur eine Qualitätsoffensive verschrieben, sondern auch einen neuen Slogan gegeben hat, der "Créative Technologie" lautet, sollte allerdings noch ein wenig mehr geboten werden als aufgehübschte Oberflächen.

Dieses Mehr ist beim C3 eine sogenannte Zenith-Windschutzscheibe. Opel bot beim Modell Astra schon mal ein derartiges Panoramafenster an. Doch Citroën will das rollende Glashaus nicht als exquisites Nischenangebot verstanden wissen, sondern als mehrheitsfähige Option. "Wir planen eine Einbaurate von 50 Prozent", sagt Citroën-Sprecher Thomas Albrecht. Die 1,35 Meter lange Riesenscheibe, die bis über den Scheitel der vorne Sitzenden reicht und von der Firma St.-Gobain-Sekurit zugeliefert wird, eröffnet eine neue Perspektive und verändert das Fahrgefühl angenehm - sofern nicht die Sonne von vorn aufs Auto knallt.

Wenn die Tönung der Scheibe nicht mehr hilft, hilft die Jalousie

Für diesen Fall gibt es eine Jalousie, die vor den oberen Teil der Scheibe gezogen werden kann. Normale Klapp-Sonnenblenden sind obendrein vorhanden. So lässt sich die Transparenz der Frontpartie auf das gewohnte Maß reduzieren, doch damit verliert das Auto den Reiz des anderen. Im höchsten der drei verfügbaren Ausstattungsniveaus gehört die Zenith-Scheibe zum Serienumfang, in der mittleren Stufe kostet sie im Paket mit einigen anderen Extras 400 Euro Aufpreis.

Daneben wiegt das mächtige Glasteil 15 Kilogramm mehr als eine herkömmliche Scheibe, doch die spart das neue Auto an der neu konstruierten Hinterachse (minus 13 Kilogramm) und am nun gerade gestalteten Armaturenträger (minus zwei Kilogramm) wieder ein. Insgesamt rühmt sich Citroën, den C3 größer und komfortabler gemacht, das Gewicht des Vorgängermodells jedoch gehalten zu haben.

Vier Benziner (60 bis 120 PS) sowie zwei Dieselmotoren (92 oder 112 PS) wird die Motorenpalette anfangs umfassen. Für die ersten Fahrtests stand auf der Ottomotorenseite lediglich das Top-Aggregat aus der Kooperation des PSA-Konzerns mit BMW zur Verfügung. Dass der 120-PS-Vierzylinder das Auto ordentlich in Schwung bringt, wundert nicht. Der offizielle Durchschnittsverbrauch für die Variante mit Fünfgang-Schaltgetriebe liegt bei 6,0 Liter - sparsam ist zwar was anderes, akzeptabel ist der Wert dennoch.

Das ökologisch korrekte Modell folgt im nächsten Jahr

Wer das Auto so umweltfreundlich wie möglich bewegen möchte, muss auf das aerodynamisch optimierte Modell mit dem 92-PS-Dieselmotor warten, das im kommenden Jahr nachgereicht wird und mit 3,8 Liter Durchschnittsverbrauch und 99 Gramm CO2-Ausstoß die Öko-Bestmarke der Baureihe setzen soll. Ebenfalls für 2010 hat Citroën bereits die zweite Generation der Start-Stopp-Automatik sowie neue, automatisierte Getriebe für den C3 angekündigt.

Und alle jene, denen der fünftürige C3 auch als Glaspalast zu bieder ist, möchte Citroën im nächsten Frühling mit dem dreitürigen Modell DS3 beglücken. Auch das ein Schritt hin zu einer neuen Interpretation des ehemals gerühmten Avantgarde-Potentials der Marke.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.