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Citroën DS4: Kompaktwagen mal anders

Citroën DS4 Die Rückkehr der Avantgarde

Anders sein. Dieses Erfolgsrezept hat bei Citroën früher bestens funktioniert - und wurde irgendwann über Bord geworfen. Doch mit den DS-Modellen kehrt die Avantgarde zurück. Der Kleinwagen DS3 ist ein Erfolg, der DS4 will es ihm jetzt in der Kompaktklasse nachmachen.

Als Citroën vor rund zwei Jahren das Comeback des Kürzels DS verkündete, war die PS-Branche skeptisch: Welches neue Auto sollte es geben, das mit der legendären Göttin, jenem futuristisch-exaltierten Citroën DS, der von 1955 bis 1975 gebaut wurde, auch nur annährend mithalten kann? Und warum braucht ausgerechnet eine Marke wie Citroën neben dem Standardsortiment eine Parallel-Modellreihe mit eigener Bezeichnung, eigenem Design und höherem Anspruch?

Auch Citroën-Sprecher Stephan Lützenkirchen empfand den Namen zunächst als Bürde, weil die alten Kunden wohl nie zufrieden sein und die neuen das Kürzel ohnehin nicht kennen würden. Doch die Idee von einer Modellfamilie innerhalb der Modellfamilie zündete. Den DS3, mit dem das Projekt vor 18 Monaten an den Start ging, nennt Lützenkirchen inzwischen ein "weltweites Erfolgsmodell". Das Auto ist technisch identisch mit dem C3, jedoch deutlich besser ausgestattet und teurer; es wurde in Europa bislang rund 90.000 Mal verkauft. Das Beste daran: Der Erfolg geht nicht zu Lasten anderer Citroën-Modelle. "Über die Hälfte der Kunden haben wir von der Konkurrenz erobert", sagt Lützenkirchen. "Im vergangenen Jahr wurden in Europa mehr DS3 verkauft als Mini."

Selbstbewusst übertragen die Franzosen das Konzept nun mit dem DS4 in die Kompaktklasse. Der Wagen basiert auf dem erst im vergangenen Jahr eingeführten Modell C4 und ist mit einem Grundpreis von 20.700 Euro knapp zehn Prozent teurer als das Basisauto. Dafür gibt es ein eigenwilliges Fahrzeugkonzept, für das die Designer das Modewort "Crossover" strapazieren - wegen der unterschiedlichen Konzepte, die in dem Wagen kombiniert seien, wie sie sagen. Der 4,27 Meter lange DS4 soll sportlich sein wie ein Coupé, fährt mit Schrägheck vor und versteckt die Griffe der Fondtüren im hinteren Dreiecksfenster. Außerdem soll er bullig wirken wie ein Geländewagen, hat deshalb etwas mehr Bodenfreiheit und bietet eine höhere Sitzposition. Schließlich soll das Auto so komfortabel und nobel sein wie eine Limousine, weshalb etwa die hinteren Türen nicht zur Disposition standen.

Nur wer vorne sitzt, kann das Auto genießen - der Fond ist viel zu eng

Von außen geht das Konzept auf. Der DS4 ist extravagant und zieht bei der Testfahrt die Blicke auf sich. Der Innenraum allerdings erfordert Kompromissbereitschaft. Zunächst das Positive: Die Einstiegshöhe ist prima, von den Vordersitzen gibt es einen guten Ausblick und die weit ins Dach gezogene Panorama-Scheibe sorgt für ein gutes Raumgefühl. Außerdem erfreut das unkonventionelle Cockpit. Die Innenraumbeleuchtung ist variabel, die Warntöne können selbst komponiert werden und das Muster der Sitzpolster erinnert an das Gliederarmband sportlicher Uhren. Die Kehrseite der Opulenz wird im Fond deutlich: Wer hinten sitzt, muss sich durch enge Türöffnungen zwängen, muss eine geringere Kopffreiheit in Kauf nehmen und kann nicht einmal die Fenster öffnen. Ein Jammer, denn mit 385 Liter Kofferraumvolumen hätte der DS4 das Zeug zur alltagstauglichen Familienkutsche.

So auffällig der DS4 gestaltet ist, so unauffällig gibt sich der Wagen in technischer Hinsicht. Kreuzbrav, gemütlich und solide ist er abgestimmt, die Lenkung arbeitet präzise aber nicht knackig und das Getriebe lässt sich leicht und ausreichend präzise schalten. So fährt man kommod über Land, fühlt sich auf der Autobahn gut aufgehoben und quittiert auch holprige Wegstrecken mit einem Lächeln. Nur beim Parken wird es mühsam, weil die Karosserie nicht sehr übersichtlich ist. Aber da befindet sich der DS4 in bester Gesellschaft.

Dass der Testwagen trotz der bodenständigen Technik zum Pulsbeschleuniger taugt, verdankt er dem Motor: Anders als den C4 gibt es den DS4 auch mit einem 1,6 Liter großen Turbo-Benziner. Das treibt den Preis zwar auf stattliche 28.400 Euro, doch stehen dann 200 PS und 275 Nm zur Verfügung. Unterstützt von einem sonoren Sound, reicht die Kraft für einen Beschleunigungswert von 0 auf 100 in 7,9 Sekunden und ein Spitzentempo von 235 km/h. Selbst der Verbrauchswert liegt mit durchschnittlich 6,4 Litern noch im akzeptablen Bereich.

Den kleinsten Dieselmotor gibt es mit Start-Stopp-Automatik

Wer den Citroën DS4 als Sparvariante erwerben möchte, sollte zu einem der schwächeren Motoren greifen. Es gibt zwei weitere 1,6-Liter-Benziner mit 120 oder 156 PS, sowie zwei Diesel; einen 1,6-Liter-Motor mit 112 PS und ein 2-Liter Aggregat mit 163 PS. Den kleineren Selbstzünder bietet Citroën auch als eHdi, was bedeutet, dass eine Start-Stopp-Automatik an Bord ist, was den Durchschnittsverbrauch auf 4,4 Liter drücken soll.

In den nächsten Monaten wird die DS-Palette weiter ausgedehnt. Im Herbst startet als drittes, größtes, teuerstes und dank eines Diesel-Hybridantriebs auch fortschrittlichstes Nobelmodell der DS5. Außerdem wird in der Firmenzentrale in Paris bereits über einen DS2 und einen DS6 nachgedacht. Die entsprechenden Vorlagen dafür gibt es bereits, nämlich die Studie Revolte im Stile einer Retro-Ente und das Luxusmodell Metropolis. Was an den Gerüchten dran ist, will Citroën-Sprecher Lützenkirchen nicht sagen. Sattdessen zitiert er Jean-Marc Gales, den PSA-Markenchef für Citroën und Peugeot: "In der DS-Familie gibt es nach oben und unten noch Raum für Erweiterungen."

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