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04. Dezember 2018, 04:10 Uhr

Autogramm Cupra Ateca

Mein lieber Freund und Kupferstecher

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Seat will cooler rüberkommen und hat deshalb die sportive Eigenmarke Cupra erfunden. Deren erstes Modell Ateca sieht zwar zum Fürchten aus - wirklich zittern muss die Konkurrenz vor dem SUV aber nicht.

Der erste Eindruck: Ein finsterer Geselle. Der Lack dunkel, die Anbauteile rauchschwarz. Dazu das kupferne Markenlogo wie eine Stammestätowierung - der erste Vertreter von Seats Sportmarke Cupra sieht ein bisschen zum Fürchten aus. Und damit jeder weiß, vor wem er da zittern soll, steht "Cupra" in großen Lettern noch mal im Kühlergrill.

Das sagt der Hersteller: Nachdem die Muttermarke VW schon länger nicht mehr nur volkstümliche Autos baut, träumt jetzt auch Seat-Chef Luca de Meo vom Aufstieg in höhere Preisregionen. Und weil er glaubt, dass für Seat der Spagat zwischen bezahlbaren und teuren Autos zu weit wird, lagert er die sportlichen Spitzenmodelle künftig in der Eigenmarke Cupra aus - mit eigenem Logo und eigenem Händlernetz. "So können wir auch Kunden erreichen, denen Seat selbst vielleicht ein bisschen zu profan ist", hofft de Meo.

Das ist uns aufgefallen: Der Cupra ist ein verkleideter Seat. Bei der Umgestaltung sind die Spanier recht gründlich vorgegangen. So trägt der Ateca das neue Logo nicht nur an Bug und Heck. Auch innen stößt man überall auf das eigenwillige, fast ein bisschen Furcht einflößende Cupra-Signet. Das geschwungene "S" von Seat sucht man vergebens.

Aber nur ein neues Logo und ein bisschen mehr Lack und Leder machen noch kein neues Auto. Das wissen sie auch bei Seat und haben deshalb den Motor ausgetauscht und das Fahrwerk überarbeitet. Wo bisher bei 190 PS Schluss war, gibt es nun eine 300 PS starke spezielle Cupra-Version des 2,0 Liter großen Turbo-Benzindirekteinspritzers. Der hat standardmäßig Doppelkupplung und Allrad, damit die 400 Nm Drehmoment tatsächlich für standesgemäßen Vortrieb sorgen. Damit schafft er den Sprint von 0 auf 100 km/h in 5,2 Sekunden und kommt mit 247 km/h zumindest verdammt nahe an die 250er-Grenze, die gern als Messlatte für Muskelmodelle gewählt wird.

Dass Seat diesen Cupra auf einer Rennstrecke vorgestellt hat, mag ein bisschen albern sein. Denn auch mit einem Zentimeter weniger Bodenfreiheit und adaptiven Dämpfern wird aus einem SUV kein Sportwagen, und auch vier Endrohre zaubern aus dem Standardvierzylinder des VW-Konzerns keinen verführerischen Sound. Aber die Spanier geben sich Mühe, dass der Spaß auch am Ende der Geraden weitergeht. Dazu gibt es nicht nur Fahrprofile von straff bis sehr straff, die den Wagen mit adaptiven Dämpfern sauber abstützen und das Wanken stark beschränken. Dazu kommen der etwas hecklastig ausgelegte Allradantrieb und eine Elektronik, die in Kurven das innere Rad abbremst, mehr Kraft nach außen lenkt und den Wagen so schneller ums Eck bringt. Spätestens dann wird klar, weshalb die Cupra-Sitze spürbar tiefer ausgeschnitten sind.

Zwar steht der Name Cupra für "Cup Racer" (Markenpokal-Rennwagen) und damit für Sportlichkeit. Doch gerade bei einem SUV soll der Alltagsnutzen nicht auf der Strecke bleiben. Seat-Deutschlandchef Bernhard Bauer legt deshalb Wert auf hohen Langstreckenkomfort im entspanntesten Fahrprofil, die Einbindung des Wagens in digitale Netzwerke, einen großen Touchscreen und ein üppiges Platzangebot, das sich im Vergleich zum bodenständigen Ateca der Marke Seat nicht ändert.

Das muss man wissen: Beim Blick auf den Preis wird einiges deutlich. Denn wo man den Ateca als Seat - mit 115 PS-Benziner, Frontantrieb und rudimentärer Ausstattung - schon ab 20.980 Euro bekommt und für das bislang teuerste Modell 32.150 Euro bezahlt, startet der Cupra erst bei 42.850 Euro. Dafür gibt es neben dem 300-PS-Motor, dem nachgeschärften Design und der sportlichen Abstimmung auch eine üppige Ausstattung. Zu der zählen LED-Scheinwerfer, Navigation und Rückfahrkamera sowie die gute Anbindung an Funknetz und Internet sowie die kabellose Ladeschale fürs Handy. Sämtliches Bling-Bling macht Seat seinen Kunden beim Händler konsequenterweise in einer eigenen Cupra-Corner schmackhaft, in der es etwas nobler zugeht als bei der Kernmarke. Ab Dezember ist der Wagen lieferbar.

Das werden wir nicht vergessen: Er ist stark, und er ist schnell. Und im Vergleich mit einem normalen Ateca ist er sicher auch ein bisschen strammer abgestimmt. Aber nur durch eine neue Marke und einen höheren Preis wird aus einem SUV noch kein Sportwagen.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, dass der Seat Ateca mit maximal 150 PS starken Motoren angeboten wird. Der richtige Wert lautet 190 PS. Wir haben den Fehler korrigiert.

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