Autogramm: Dacia Jogger Billiger wird's nicht

Mehr Technik, mehr Zubehör und die Elektrifizierung – kein Wunder, dass Autos immer teurer werden. Mit dem neuen Jogger stemmt sich Dacia einmal mehr gegen diesen Trend. Funktioniert die Masche immer noch?
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Der erste Eindruck: Der Dacia Jogger ist ein Auto wie ein Ikea-Regal – viel Stauraum, nüchterner Charme.

Das sagt der Hersteller: Autofahren macht offenbar nur noch im SUV Spaß – zu dieser Überzeugung scheinen sie sogar bei Dacia gelangt zu sein. »Wir reagieren auf den anhaltenden SUV-Trend und haben deshalb auch den Jogger mit den Anleihen eines Geländewagens gezeichnet«, sagt Dacia-Stratege Christophe Lavauzelle. Im Grunde beinhalte das neue Modell gar drei Autotypen in einem. »Zum SUV-Design kommen die Abmessungen eines kompakten Kombi und dazu noch die Variabilität eines Vans.« Und weil der Dacia mal wieder billiger ist als alle anderen in diesem Segment, dürfte er schnell zum Favoriten vieler Familien werden.

Doch es wird auch für die rumänische Renault-Tochter schwerer, den niedrigen Preis zu halten. Behörden verschärfen die Anforderungen, die Ansprüche der Kunden wachsen. Dacia kann deshalb nicht mehr einfach die abgelegte Technik der Konzernmutter auftragen. »Wir nutzen für den Jogger die modernste Plattform, die der Konzern zu bieten hat«, sagt Lavauzelle.

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Dacia Jogger: Der aufgeblasene Kleinwagen

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Dacia

Dass der Dacia trotzdem kaum halb so viel kostet wie manche Konkurrenten, liegt an der Konstruktion, die auf möglichst niedrige Kosten ausgelegt ist. Das beginnt bei der Integration des Navigationssystems, setzt sich fort über die Montage der Türtafeln und reicht bis zur Position einzelner Schalter, die Kabelwege kurz hält. Zudem basiert der Jogger auf einer Kleinwagenarchitektur, obwohl er ein Auto der Kompaktklasse ist. Die Plattform sei daher um bis zu 300 Kilogramm leichter als bei ähnlich großen Wettbewerbern, erläutert Lavauzelle. Das sind 300 Kilo Stahl und Glas, die Dacia nicht bezahlen und die der Motor nicht bewegen muss. So tut es auch ein schwächerer Antrieb, der abermals weniger kostet und obendrein weniger verbraucht. Elektrifizierung ist aktuell nicht vorgesehen. »Einen Plug-in-Antrieb werden wir erst anbieten, wenn wir es gar nicht mehr vermeiden können«, sagt Lavauzelle erfrischend offen. Kein Dacia-Kunde könne und wolle sich diese Technik leisten.

Das ist uns aufgefallen: Dass er ein Sparmobil ist, sieht man dem Jogger kaum an. Die Materialien machen sich gut, die Konsolen haben hübsche Oberflächen, es gibt einen großen Touchscreen. Zumindest in der Topversion, die noch unter 20.000 Euro bleibt, gibt es ein paar Chromrähmchen um die Schalter. An den Fingern ist der Sparkurs aber zu spüren: Die Kunststoffe sind hart, die Kanten bisweilen scharf. Polstermatten oder Flockvelours gibt es nicht. Aber die hat selbst VW etwa beim ID.3 mittlerweile eingespart.

Hersteller:

Dacia

Typ:

Jogger

Karosserie:

Kombi

Motor:

Dreizylinder-Turbo-Benziner

Getriebe:

6-Gang-Schaltgetriebe

Antrieb:

Frontantrieb

Leistung:

81 kW / 110 PS

Drehmoment

200 Nm

Hubraum:

999 ccm

Von 0 auf 100:

10,5 Sek.

Höchstgeschwindigkeit:

183 km/h

Verbrauch:

5,6 Liter/100 km

CO₂-Ausstoß:

127 g/km

Gewicht:

1251 kg

Kofferraumvolumen:

160 l (umgebaut 1819 l)

Länge / Breite / Höhe (in mm):

4547 / 1784 / 1674

Preis:

13.990 Euro

Hübscher Nebeneffekt des Sparkurses: Es gibt viel Platz. Der Schnickschnack mancher Konkurrenten kostet Bauraum. Das gilt für die Armaturentafel genauso wie für die Sitze, die im Jogger dünner und schlanker sind. Der Komfort leidet darunter wenig.

Das großzügige Platzangebot nutzt Dacia für die Option auf eine dritte Sitzreihe. Dort können sogar Erwachsene halbwegs bequem sitzen. Indes ist etwas Gelenkigkeit gefordert, um sich in den Fond hineinzufalten. Wer nur zu fünft oder gar zu zweit unterwegs ist, kann die hinteren Sitze umklappen, aufstellen oder die Sitze in Reihe drei ausbauen. Das Gepäckvolumen beträgt im Siebensitzer allerdings lediglich 160 Liter, maximal sind in dem Wagen 1800 Liter Stauraum möglich.

360°-Ansicht

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Dacia Jogger mit unserem 360-Grad-Foto

Beim Fahren müssen Kunden des Jogger Abstriche machen. Dacia geht es einzig um den Transport von A nach B, nicht um den Spaß auf dem Weg. Der Dreizylinder schnattert mangels Dämpfung lauter als im Renault Clio. Lenkung, Federung, Dämpfung und die Bremsen machen ihren Job gut – aber eben kein bisschen besser. Der Jogger fühlt sich in jeder Kurve, auf jeder Bodenwelle nach Kleinwagen an. Auch bei den Assistenzsystemen ist das Knausern etwas deutlicher spürbar: Extras wie eine Abstandsregelung oder einen Lenkeingriff bei der Spurführung gibt es nicht. Bei anderen Herstellern ist das längst bis in die Kleinwagenklasse Standard.

Das muss man wissen: Dacia plant, noch im Frühjahr mit der Auslieferung des Joggers zu beginnen. Von Vorteil: Weil es weniger Firlefanz gibt, braucht der Jogger weniger Chips und soll deshalb trotz gestörter Lieferketten schnell verfügbar sein.

Die Preise starten bei 13.990 Euro für den Fünfsitzer und bei 14.790 Euro für die Version mit sieben Sitzen. Fürs Erste haben die Kunden nur zwei Motorvarianten zur Wahl. Beide sind Dreizylinder-Turbo mit einem Liter Hubraum. Wird der mit Benzin betrieben, leistet er 110 PS und schafft maximal 183 km/h. Wer die Autogas-Version bestellt, tankt billiger, hat aber lediglich 101 PS und erreicht höchstens 175 km/h. Das Automatikgetriebe spart sich Dacia, ebenso den Allradantrieb. Dafür gibt’s für den Jogger erstmals bei Dacia einen Hybridantrieb, wie er auch im Clio eingesetzt wird – allerdings erst in etwa einem Jahr.

Das werden wir nicht vergessen: Den Ernst, mit dem Dacia den Jogger zum Siebensitzer gemacht hat. Zwar mutet der Klappmechanismus billig an, das Aus- und wieder Einbauen ist zudem hakelig. Aber es gibt überraschend viel Platz und sogar Ausstellfenster für die Hinterbänkler.

Thomas Geiger ist freier Autor und wurde bei seiner Recherche von Dacia unterstützt. Die Berichterstattung erfolgt davon unabhängig.

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