Deutsche Muskelspiele Konkurrenz für Ferrari und Co.

Schluss mit bieder und vernünftig: In den Entwicklungsabteilungen der deutschen Autobauer wird kräftig an automobilen Geschossen jenseits der 500-PS-Grenze gearbeitet.


Die bundesdeutschen Hersteller planen den Sturm auf eine der letzten Nischen des Automarkts, die sie bislang nicht besetzt haben: die absoluten Supersportwagen. Spätestens in drei Jahren will das deutsche Trio Mercedes, Audi und Porsche Berichten der Fachpresse zufolge zur Konkurrenz für die "Platzhirsche" Ferrari und Lamborghini werden und selbst ein Angebot auf dem kleinen, aber feinen Markt der automobilen Eiligkeiten machen.

Serienstart im Jahr 2003: Der Mercedes SLR soll Spekulationen zufolge nicht der einzige Supersportwagen aus deutschen Landen bleiben
GMS

Serienstart im Jahr 2003: Der Mercedes SLR soll Spekulationen zufolge nicht der einzige Supersportwagen aus deutschen Landen bleiben

Offiziell bestätigt ist dieses Ansinnen bislang allerdings nur von Mercedes, wo man gemeinsam mit dem Formel-Eins-Partner McLaren für 2003 die Serienproduktion des SLR vorbereitet. Der Sportwagen kombiniert die Züge der aktuellen Silberpfeile mit den Designlinien der Nachkriegszeit und soll zum Preis von etwa 500.000 Mark an eine handverlesene Kundschaft ausgeliefert werden. Angetrieben wird er laut Mercedes-Presseabteilung von einem bei AMG getunten Achtzylinder mit 5,5 Litern Hubraum, der 410 kW/557 PS leisten und das Coupé bis auf deutlich über 300 km/h beschleunigen soll.

Vom positiven Echo auf den SLR aufgeschreckt, arbeitet nach Berichten der Fachpresse auch Audi parallel zu den Aktivitäten der Firmentochter Lamborghini an einem kräftigen Sportler für den elitären 300-km/h-Club. Genährt wird diese Spekulation von einem Ausstellungsstück im Audi-Pavillon der Wolfsburger Autostadt, das einen stilistischen Ausblick auf einen stattlichen Zweisitzer gibt. Als Antrieb wird ein in Mittellage hinter den Passagieren montierter 16-Zylinder-Motor in W-Form gehandelt, der auf 500 PS taxiert wird und seine 800 Newtonmeter Drehmoment an alle vier Räder abgeben soll.

Als Dritter im Bund der schnellen Deutschen wird derzeit Porsche gehandelt. Zwar dementiert der Sportwagenhersteller eifrig alle Gerüchte, doch die in Stuttgart erscheinende Fachzeitschrift "Auto, Motor und Sport" berichtet überraschend detailliert über ein Coupé, das als Baureihe 980 im Frühjahr 2001 auf der Detroit-Motor-Show gezeigt und im Jahr 2003 für etwa 750.000 Mark in reiner Handarbeit produziert werden soll. Technisch greifen die Schwaben bei dem Kohlefaser-Renner angeblich auf ihre LeMans-Fahrzeuge zurück. Der Motor aber soll vom neuen Geländewagen Cayenne kommen.

Die vor der Hinterachse montierte Achtzylinder-Maschine wird auf 5,4 Liter Hubraum geschätzt und soll angeblich mit zwei Turboladern rund 700 PS Leistung entwickeln. Damit könnte der 980 binnen vier Sekunden auf Tempo 100 sprinten, nach zehn Sekunden die 200er-Marke durchbrechen und danach bis etwa 360 km/h weiter beschleunigen - ein Passagierflugzeug hebt bei dieser Geschwindigkeit längst ab.

Porsche, Mercedes und Audi könnten noch einen weiteren deutsche Konkurrenten bekommen. Denn auch bei VW in Wolfsburg hat man - zumindest bis zur Übernahme von Bentley und Bugatti - an einem Supersportwagen gearbeitet, der mit seinem neuartigen Zwölfzylinder ursprünglich für eine Kleinserie vorgesehen war. Dessen Zukunft scheint aber angesichts der VW-Pläne für ein neues Bugatti-Modell mehr als unklar.

Thomas Geiger



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