Dodge Caliber SRT-4 Rakete im Kompaktformat

Was AMG für Mercedes, das ist für Chrysler die Abteilung Street and Racing Technology, kurz SRT. Zuletzt wurden dort die Modelle Jeep Grand Cherokee und Chrysler 300C flott gemacht, nun ist der Dodge Caliber dran. Als SRT-4 ist er der "stärkste Fronttriebler der Welt".


Der leise Auftritt gehört nicht zu den Stärken von Dodge. Im Gegenteil: Gerade weil die Schwestermarke von Chrysler und Jeep etwas lauter und aufdringlicher ist als die vielen Leisetreter unter dem Importeuren in Deutschland, haben die Autos mit dem Widderkopf-Logo Erfolg. Und das besonders auf den Märkten außerhalb der USA. "Seitdem wir unsere Modelle weltweit verkaufen, haben wir im Export jedes Jahr Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich", sagt Thomas Hausch, der in Detroit für die Export-Märkte zuständig ist.

Um diese Dynamik aufrecht zu erhalten, sind neue Modelle wie die Großraumlimousine Journey und eventuell auch ein Kleinwagen in Kooperation mit einem chinesischen Hersteller geplant. Vor allem aber setzt Hausch auf einen neuen Imageträger. Um die Aufmerksamkeit auf die wichtigste Baureihe zu lenken, bringt Dodge im Sommer den Caliber als Sportmodell SRT-4 an den Start. Mit einem aufgeladenen Vierzylindermotor und den üblichen Insignien der PS-Fetischisten fährt er im prestigeträchtigen Rennen um die Krone in der Kompaktklasse gegen etablierte Typen wie den Golf GTI, den Astra OPC oder den Focus RS an, denen er zumindest auf dem Papier überlegen ist.

Schließlich haben die Ingenieure der Abteilung Street and Racing Technology dem Großkaliber nicht nur ihr Kürzel aufs Heck geschrieben, sondern dem auch bei Hyundai und Mitsubishi eingesetzten Weltmotor auch einen Turbo aufgepfropft und so die Leistung auf 295 PS gesteigert. "Das macht den Caliber zum stärksten Fronttriebler der Welt", sagt Entwicklungschef Erich Heuschle. Mindestens 20 Prozent Leistungsdifferenz trennen den getunten Caliber von seinen deutschen Mitbewerbern.

Von der theoretischen Überlegenheit büßt der Caliber in der Praxis allerdings Einiges ein. Zwar sind 363 Nm ein respektables Drehmoment , 6,7 Sekunden ein knackiger Sprintwert und 245 km/h eine satte Endgeschwindigkeit. Doch ist die "Pocket Rocket" (Hausch), also die Kompakt-Rakete, vor allem auf der Geraden schnell. In flotten Kurven dagegen wird das serienmäßige ESP früh zur Spaßbremse und raubt dem Cailber mehr Leistung als eigentlich nötig wäre. Keine Frage: Elektronisch eingebremst, kann man den Caliber auch ohne scharrende Hufen anfahren. Und bis in hohe Geschwindigkeiten bleibt das Auto - der Elektronik sei dank - sicher in der Spur. Doch flackert bei rasanter Fahrt die Kontrollleuchte des Schleuderschutzes wie das Gelblicht auf dem Dach eines Safety Cars.

Das Fahrwerk also dürfte etwas straffer sein. Obwohl Dodge dem hochbeinigen Fünftürer bereits mehr als zwei Zentimeter Bodenfreiheit genommen sowie neue Federn und Dämpfer eingebaut hat, wird der Sportler europäischen Autofahrern noch zu weich sein. Selbst den Bremsen, die Heuschles Team aus den verstärkten Polizei-Streifenwagen auf Basis des Dodge Charger übernommenen hat, fehlt der allerletzte Biss. Doch können die Entwickler damit gut leben: Schließlich soll man mit dem Auto nicht nur auf der Rundstrecke, sondern auch zum Einkaufen und zur Arbeit fahren, argumentiert Heuschle.

Gerade in den USA gehört zu starken Muskeln auch der richtige Trainingsanzug. Deshalb durften neben den Ingenieuren auch die Designer Hand anlegen. Sie haben den ohnehin schon großen Kühlergrill noch weiter geöffnet, die Motorhaube mit einer Hutze für die Frischluftzufuhr und zwei Kiemen für die heiße Abluft bestückt, einen größeren Spoiler aufs Dach geschraubt und die Heckschürze mit einem mächtigen Diffusor bestückt . Und weil selbst ein kleiner Motor nach der Fahrt durchs Fitnessstudio einen großen Auspuff braucht, haben sie eine Chromhülse vom Format eines Farbkübels über das Endrohr gestülpt.

Anzeige für Querbeschleunigung und Sprintwert

Im Innenraum vermeint man nun den Geruch der Boxengasse zu wittern. Die Sitze wurden stärker konturiert, die Pedale im Alu-Look tragen rutschfeste Noppen, und bei den neuen Instrumenten rückt der Drehzahmesser in die Mitte, wie es sich für einen Rennwagen gehört. Der Clou ist aber weder der Tacho mit einer Skala bis 300 km/h, noch die kleine Anzeige für den Ladedruck. Sondern das Highlight im Cockpit ist die unscheinbare Digitalanzeige, auf der Nachwuchsrennfahrer neben Längs- und Querbeschleunigung sowie Bremskraft auch ihren Rundenzeit und den Wert für den Sprint von 0 auf 100 Ablesen können. Nebenbei zeigt der Bordcomputer auch den Verbrauch. Doch ist der mit durchschnittlich 8,9 Litern vergleichsweise unspektakulär.

Mit dem SRT-4 kann man also flott vorankommen. Und dass man mit ihm mehr auffällt als mit dem schärfsten VW Golf oder dem heißesten Opel Astra liegt schon in den kleinen Zulassungszahlen begründet. Doch das beste Argument ist wie so oft bei einem amerikanischen Auto der Preis, der bei 29.890 Euro beginnt. Vielleicht seien andere Autos nominell etwas günstiger, räumen die Amerikaner ein. "Aber mehr PS pro Euro bietet sonst keiner."



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