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Autogramm e.Go Life First Edition Das etwas andere Elektroauto

Klein, leicht, günstig: Der e.Go Life soll das ideale E-Auto für Stadtbewohner sein. Das ist er auch, wenn man über ein paar Schwächen hinwegsieht - und schon immer von einem Sportwagen geträumt hat.

Der erste Eindruck: Ausparken statt Muckibude - wer den e.Go Life aus einer Parklücke bugsiert, spart sich das Hanteltraining. Die Lenkung des Flitzers ist sehr direkt, dafür beim Ein- und Ausparken sehr schwergängig.

Das sagt der Hersteller: "Unser Auto ist das bezahlbarste Fahrzeug überhaupt", sagt e.Go-Chef Günther Schuh. "Mit keinem anderen Auto ist der gefahrene Kilometer so günstig wie beim e.Go Life". Das liege an der Kombination aus dem relativ niedrigen Preis, den geringen Energiekosten und dem geringen Steuersatz.

Dafür habe man sich in der Entwicklung auf die Dinge konzentriert, die für den Kunden wirklich wichtig seien, so Schuh: "Und das ist nicht die Lederausstattung oder ein Sportsitz, sondern gute Funktionalität, Fahrspaß und gutes Aussehen." Dabei habe man sich an zwei Kleinwagen orientiert, dem Smart - und dem Mini. Denn zwei Sitze und ein kleiner Kofferraum wie beim Smart seien selbst für die meisten Menschen in der Stadt zu wenig Platz, sagt der e.Go-Chef.

Im elektrischen Stadtflitzer stecken zudem Designelemente eines Vorbilds, das man nicht erwartet hätte: dem Porsche 911. Der sei für die eingelassenen Scheinwerfer und die Krümmung des Kotflügels beim e.Go Life verantwortlich, so Schuh. Das unterstreiche auch die Ambitionen als Spaßfahrzeug: "Es ist ein Gokart in komfortabel, das tierisch Spaß macht, egal ob man Autofan ist oder nicht. Da kriegen sie am Anfang das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht."

Das ist uns aufgefallen: Der günstige Preis des e.Go Life muss irgendwo seinen Ursprung haben - und nach dem Einsteigen ist auch klar, wie er zustande kommt. Die Lenkstockhebel und der Zündschlüssel stammen aus dem Regal des PSA-Konzerns, der Wählhebel für die Fahrmodi erinnert an den des BMW-Automatikgetriebes - beziehungsweise eher an eine billige Kunststoffkopie des BMW-Hebels.

Das Spardiktat lässt sich im Innenraum weiterverfolgen. Die Kopfstützen der Sitze sind wie im Toyota Aygo in die Lehne integriert, die Oberflächen und Lüftungsdüsen könnten wertiger sein. Außerdem gibt es in der Standardausführung kein Display oder Radio. Insgesamt wirkt der Innenraum allerdings nicht billiger als der von Konkurrenzmodellen mit Verbrennermotor wie VW Up, Citroen C1 und Co.

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Autogramm e.Go Life First Edition: E-Flitzer aus Aachen

Foto: e.GO Mobile

Das muss man wissen: Der e.Go ist ein reines Stadtauto - eigentlich. Denn Reichweite und Höchstgeschwindigkeit sind auf klassische Pendlerstrecken bis zu 30 Kilometer ausgelegt. Zur innerstädtischen Nutzung passt das Innenraumkonzept, das sich an dem des Toyota iQ orientiert: Hinter den Vordersitzen kann man den Platz unterschiedlich nutzen: Entweder mit zwei weiteren Sitzplätzen und einem kleinen Kofferraum oder drei Plätzen und Platz für einen Wochenendeinkauf. Das Volumen des Gepäckabteils variiert dabei zwischen 140 und 640 Litern.

Eine unsichtbare Qualität versteckt sich in der Kunststoffhaut des Wagens. Die ist einerseits vergleichsweise elastisch. Vor allem aber sind die Kunststoffteile nicht lackiert, sondern durchgefärbt. Das macht die Fertigung im kleinen und flexiblen e.Go-Werk einfacher, außerdem ist die Hülle des Autos nicht so empfindlich gegen Schrammen oder kleine Parkrempler.

Alles sympathisch, freundlich, niedlich? Nicht die Bohne. Der elektrische Kleinwagen hat auch eine extrem sportliche Seite. Das Fahrwerk ist ungewöhnlich straff, die Lenkung beinahe zu direkt und die vorerst 53 kW, die der Bosch-Motor im Spitzenmodell leistet - nach Freischaltung des ESP stehen 60 kW zur Verfügung - arbeiten am richtigen Ende des Autos: hinten. Das macht den e.Go Life zu einem seltsamen, aber liebenswerten Zwitter aus flexiblem Kleinwagen und Mazda MX-5.

Dabei blieb der e.Go Life sparsamer als erwartet. Zwar verbraucht er laut Datenblatt im WLTP-Zyklus stolze 24,2 kWh auf 100 Kilometer - auf der Testfahrt lag der Wert trotz Autobahn und Landstraße jedoch "nur" bei 18 kWh. Nicht gerade wenig, aber immerhin unterhalb des exorbitanten WLTP-Werts.

Das werden wir nicht vergessen: Wie der e.Go Life auf der Landstraße zum GTI-Jäger mutierte. e.Go-Chef Schuh preist den Wagen aufgrund seiner guten Beschleunigung als den "Porscheschreck an der Ampel". Doch erstaunlicher ist die Haftung in Kurven durch die vergleichsweise breiten Reifen und den tiefen Schwerpunkt. Den Lastwechsel nimmt der e.Go Life müheloser als ein Porsche 911. "Man spürt einfach, wohin das Auto fährt", erklärte auch Ex-Rennfahrer Hans-Joachim Stuck bei der ersten Auslieferung. begeistert "Das ist das mit Abstand beste E-Auto, das ich je gefahren bin".