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Fahrbericht Hyundai Veloster Turbo: Wie ein guter Witz

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Fahrbericht Hyundai Veloster Turbo Herzscherz

Der Hyundai Veloster ist der Clown unter den sportlichen Kompaktwagen. Jetzt gibt es den Koreaner auch mit einem Turbo-Aggregat - doch genau das ist eigentlich überflüssig.

Komisch. Warum sind in der Armlehne des Hyundai Veloster nur drei Knöpfe für die Fensterheber untergebracht? Zwei für vorne, nur einer für hinten? Wenn man sich im Vorfeld nicht über Hyundais eigenwilliges Coupé informiert, sondern sich einfach reinsetzt, stellt sich diese Frage früher oder später.

Dann drückt man neugierig den einzelnen Knopf und stellt fest, dass damit das hintere Fenster auf der Beifahrerseite herunterfährt. Man verrenkt den Hals, um zu schauen, warum es auf der Fahrerseite kein Fenster gibt, das sich öffnen lässt, und… Moment mal: Hat dieses Auto tatsächlich auf der Fahrerseite nur eine Tür, aber auf der Beifahrerseite zwei? Tatsache. Unglaublich!

Spätestens in diesem Moment schließt man den Hyundai Veloster tief in sein Herz. Drei Türen - wie durchgeknallt ist das denn bitte? Und dann fängt man an, darüber nachzudenken, was sich die Designer dabei wohl gedacht haben. Und irgendwann steht da die Erkenntnis, dass das nicht einfach nur verschroben, sondern im Gegenteil total sinnvoll ist.

In diesem Auto muss man grinsen

Denn: Für den Fahrer ist ein Zweitürer immer angenehmer als ein Viertürer, weil er die größere Seitenscheibe hat und die deutlich weiter hinten positionierte B-Säule, die bei Viertürern sonst links neben dem Kopf sitzt und den Schulterblick versperrt. Andererseits ist das Herumgeklappe und Geschiebe mit dem Fahrersitz, wenn man Kinder oder Transportgut auf der Rückseite verstauen will, extrem nervig, da wünscht man sich dann wieder eine Hintertür. Genau deswegen ist dieses 2+1-Türenkonzept so genial.

Und so sitzt man im Veloster und grinst. Und das Grinsen geht nicht weg. Denn es gibt noch andere Dinge, die das Herz erfreuen. Der Ausblick nach hinten, beispielsweise. Die gigantische Heckscheibe ist zweigeteilt. Es gibt einen kleinen, eher senkrecht stehenden Teil. Der wird durch einen Spoiler getrennt vom eher flachen, viel größeren Teil. Der zieht sich bis weit ins Dach hinein - was zur Folge hat, dass es trotz der weit hochgezogenen Seitenscheiben immer hell ist im hinteren Abteil und außerdem die Passagiere auf der Rückbank einen freien Blick in den Himmel haben. Damit hebt sich der Veloster deutlich ab vom gängigen Designtrend, der mit den extrem kleinen Seitenscheiben hinten den Fond in eine dunkle Höhle verwandelt.

Grinsen muss man aber auch, weil einen ständig Leute anlachen, den erhobenen Daumen zeigen oder zu dem Auto gratulieren. Man erfährt in diesem Auto Zuspruch, als säße man in einem Ferrari, nur dass dieser Ferrari aus Korea kommt und nicht aus Maranello - und auch nur einen Bruchteil kostet.

Keine Mätzchen unterm Blech

Es liegt wohl an dem ungewöhnlichen Design des Autos - welches in dem mülltütengrauen Farbton unseres Testwagens noch krasser zur Geltung kommt. Der Wagen sticht aus dem Einerlei der zurzeit gängigen Gestaltung heraus wie der rote Iro eines Punk aus einem Heer von Seitenscheiteln. Und das nicht etwa übertrieben krawallig oder anstrengend bemüht, sondern einfach anders, mit einem Augenzwinkern. Bis auf das etwas seltsam heruntergezogene und glubschig geratene Heck sieht der Wagen wirklich schick aus.

Man muss diese Extravaganz natürlich mögen, sonst wird man mit dem Veloster wohl nicht warm. Aber wer einen Sinn hat für das Abwegige, kommt hier voll auf seine Kosten - ohne sich dabei aber eine zickige Diva ins Haus zu holen.

Denn der Charme des Veloster besteht darin, dass unter der aufreizenden Hülle vollkommen unkapriziöse Technik steckt. Interieur, Ausstattung, Qualitätsanmutung - alles in der inzwischen von Hyundai gewohnten Qualität. Überall zeugen kleine Details davon, dass die Ära des klapprigen Hartplastikinterieurs endgültig vorbei ist: Es gibt eine Pedalerie aus gebürstetem Edelstahl, unterschäumte Kunststoffe und gut gearbeitete Ledersitze.

Der Motor ist eine Enttäuschung

Gleichzeitig beugt sich der kecke Koreaner auch im Innenraum nicht bedingungslos dem Interieur-Mainstream, sondern hat mit eigenwillig gestalteten, großen, Science-Fiction-artigen Haltegriffen in den Türen, einem winzigen Cockpit und der V-förmigen Mittelkonsole durchaus eine eigene Designphilosophie im Angebot.

Einzige Enttäuschung beim Veloster Turbo ist der Motor. Der Benzindirekteinspritzer wirkt unentschlossen. Weder hat er wirklich überzeugenden Durchzug, noch ist er so schlaff, dass man sich sportliche Ambitionen gleich abschminkt. Und so malträtiert man ständig das Gaspedal in der Hoffnung auf den Kick - und peitscht damit aber nicht den Adrenalinpegel in die Höhe, sondern nur den Verbrauch auf einen Realdurchschnitt von gut zehn Litern.

Das ist schade, und vor allem total überflüssig. Denn die Freude entsteht beim Veloster eh nicht durch ungemein agiles Fahren. Sondern vor allem durch das Gefühl, in einem Charaktertypen Platz zu nehmen.

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