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Range Rover Evoque: Hipp und unbequem

Fahrbericht Range Rover Evoque Wer schön sein will, muss leiden

Mit dem Range Rover ins Gelände? Inzwischen fahren die Autos der britischen Offroad-Marke vor allem durch edle Großstadt-Vororte. Der neue Lifestyle-SUV Evoque ist die logische Konsequenz. Klein, fein - und trotzdem manchmal unbequem.

Nach einem Wochenende im Range Rover Evoque Coupé wünscht man sich, man hätte keine Kinder. Die machen das Ein- und Aussteigen nämlich zu einer echten Geduldsprobe. Erst klappt man, wie bei einem Zweitürer üblich, den Sitz vor. Doch weil dann lediglich ein sehr, sehr schmaler Schlitz zwischen Rückenlehne und Türrahmen entsteht, muss man den Sitz noch mal per Knopfdruck elektrisch nach vorne surren lassen. Und das dauert sehr, sehr lange. Wenn die Kinder schließlich eingestiegen sind, fährt der Sitz ebenso wieder zurück. Und zwar eine gefühlte Ewigkeit.

Naja, wenigstens gratulieren einem die Nachbarn zu dem Auto. Und ganz ehrlich: Der Evoque ist eh keine Familienkutsche, zumindest nicht das zweitürige Coupé. Er ist genau das, als was ihn Range Rover in seinem schicken Image-Werbespot bewirbt: Null nützlich, aber ein cooles Accessoire. Sozusagen das Gucci-Handtäschchen für Typen.

Hat die Brut auf der Rückbank die Gliedmaßen sortiert, macht sich sofort Entspannung breit. Denn so scharf der Landy für den Boulevard von außen aussieht, so gediegen gibt er sich von Innen. Feines Leder, stabile Kunststoffe, gute Druckpunkte bei den Knöpfen und Reglern: Hier wurde mit Liebe zum Detail gearbeitet. Extrem spektakulär ist auch, wie nach drücken des Startknopfes erst der große Drehknopf zum Wählen der Fahrstufe (bei Automatik) aus der Mittelkonsole herausfährt. Nur, dass es bei der Fahrt über Kopfsteinpflaster hier und dort mal klappert, dürfte bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse eigentlich nicht passieren.

Eine Rüstung auf vier Rädern

Womit man bei den armen Kreaturen im Fond, der eher eine sitzartig geformte Hutablage ist als eine echte Rückbank, punkten kann, ist die Panoramascheibe im Wagendach. Die ist fast so groß wie das Dach selbst und erlaubt einen freien Blick auf den Sternenhimmel (Nachts) oder Flugzeuge und Hubschrauber (interessant für Kinder).

Letztere kann man natürlich auch mit dem Multimediasystem inklusive TV begeistern, welches in Form eines großen Touchscreens in der Armaturenbrettmitte thront. Und weil natürlich vor allem die wohlhabende Generation iPhone im Evoque platz nehmen soll, klappt die Bluetoothverbindung inklusive Zugriff auf die MP3-Dateien vorbildlich.

Und so sitzt man dann da, rundum vernetzt und verwöhnt, wie in einer Burg. Oder in einem Neoprenanzug. Denn bei allem Komfort ist der Evoque verdammt eng. Das ist eh so eine Sache bei diesen neuen Autos. Sie sind so um einen herumgebaut und vermitteln das Gefühl von Schutz und Unverletzbarkeit, wie eine Rüstung. Leider bieten sie auch in etwa die Bewegungsfreiheit einer solchen.

Turnübungen im Parkhaus

Im Evoque ist das ganz extrem. Einer der Designkniffe, das, was den Wagen optisch so besonders macht, ist die sehr hohe und nach hinten steil ansteigende Fensterlinie. Das sieht von außen schick aus, führt aber dazu, dass man eigentlich nur durch die Windschutzscheibe und vielleicht noch Fahrer- und Beifahrerfenster vernünftig nach draußen gucken kann - alles andere fällt nur noch in die Kategorie Schießscharte. Ohne die Rückwärtskamera wäre man beim Einparken hoffnungslos verloren.

Die hohe Fensterlinie verlangt außerdem vorausschauendes Fahren, im Parkhaus nämlich. An den Ticketautomaten muss man so nah heranfahren, dass schon fast der Außenspiegel draufgeht. Wer das nicht macht, hat ein Problem. Einfach Arm rausstrecken ist dann nämlich nicht mehr, weil die Fensterunterkante ungefähr auf Kinnhöhe ist und man dann nur sinnlos in der Luft rumfuchtelt, wegen des Winkels. Aussteigen? Uncool, denkt man und versucht es damit, sich aus dem Fenster zu lehnen. Und dann hängt man da wie der Vater von Michel aus Lönneberga, als Michel ihn im Plumpsklo eingesperrt hat und er versucht, oben durch den Lüftungsschlitz zu entkommen und dann feststeckt.

Was gibt es sonst zu sagen? Der Motor steht, obwohl nur ein Vierzylinder, mit 240 PS gut im Futter. Natürlich wäre ein sonor blubbernder V8-Motor in diesem Auto irgendwie passender, der Klang des Zweilitermotors ist eher nüchtern. Aber gehen tut der kleine Landie ordentlich, auch wenn das elektronische Gaspedal zu seltsamer - aber wohl für diese Technik typischer - Fahrdynamik führt: Man tritt drauf - und es passiert erstmal nichts. Dann, nach einer gefühlten Sekunde, wird man plötzlich heftig in den Sitz gepresst, wenn die Elektronik dem Motor den Marschbefehl gibt. Beim ersten Schaltvorgang jedoch, der seltsam lange dauert, liegt man dann plötzlich fast auf dem Lenkrad, weil die Beschleunigung so abrupt endet - bevor man dann, wenn der zweite Gang drin ist, wieder rückwärts in den Sitz geworfen wird.

In diesen Momenten wünscht man sich die archaische Vergasertechnik zurück, bei der der Motor wirklich noch am Gas hängt und man nicht nur gegen einen Regler tritt. Zumal zumindest bei der Reichweite kein echter Vorteil der ganzen, neuen Technik zu verzeichnen ist. Denn bei normaler Stadtfahrt zeigt der Bordcomputer einen fast schon obszönen Verbrauch von 14,8 Litern auf 100 Kilometer an.

Aber so ist das eben: wer schön sein will, muss leiden. Das scheint ein bisschen das Motto des Evoque zu sein. Sei es im Parkhaus, an der Zapfsäule oder beim Ein- und Aussteigen mit den Kindern. Die übrigens würden den Wagen sofort kaufen.