Fahrbericht VW Eco Up Grüner wird's nicht

Er braucht kein ausgeflipptes Antriebskonzept, das Klima schont er trotzdem: Der VW Eco Up kann sauberer fahren als ein Elektroauto und ist so kompromisslos auf Nachhaltigkeit getrimmt, dass es manchmal anstrengend wird. Die Zahlen aber sprechen für den Erdgas-Knirps - außer einer.

Volkswagen

Bei Volkswagen hat man offenbar Humor. Anders ist es nicht zu erklären, warum das Steuer im VW Eco Up unten abgeflacht ist wie in einem Sportwagen. Denn mit Sportlichkeit hat der Eco Up wahrlich nichts zu tun, beim Tritt aufs Gaspedal geht es jedenfalls so schleppend voran, dass man reflexartig zur Handbremse greift und nachprüft, ob sie auch wirklich gelöst ist.

Abgesehen von dem Flachwitz mit dem Lenkrad ist die Innenausstattung im Eco Up so unaufgeregt wie sein Fahrverhalten. Alles, was man zum entspannten Vorankommen braucht, ist vorhanden und da, wo man es erwartet. Überhaupt macht es wenig Sinn, sich bei einem Test des Eco Up mit den sonst üblichen Parametern und Wertungskriterien aufzuhalten. Man kann all das in einem Satz zusammenfassen: der Eco Up ist, wie alle seine anderen Up-Brüder auch, ein reduziertes, vernünftiges, solides Auto.

Und gleichzeitig ist er viel mehr - nämlich das Versprechen, ohne ausgeflippte Antriebskonzepte maximale Umweltverträglichkeit herzustellen. Viel besser auch als ein Elektroauto, obwohl die ja gemeinhin als das Nonplusultra in Sachen automobiles grünes Gewissen gelten.

Vergessen Sie deshalb für einen Augenblick PS-Werte und Design-Fragen, jetzt werden die Taschenrechner aufgeklappt. Um zu verdeutlichen, wie sparsam und umweltbewusst der Eco Up ist, bedarf es einiger Zahlenspiele.

Billiger als Diesel

Die erste Rechnung geht schon an der Zapfsäule auf, der Eco Up lässt sich für schlanke zwölf Euro volltanken. Befüllt wird der Knirps mit CNG (Compressed Natural Gas), die elf Kilo, die der Tank des Eco Up fasst, reichen im Schnitt für eine Strecke von 275 Kilometern. Billiger kommt man selbst in einem sparsamen Dieselauto nicht davon.

Ab dem Jahr 2019 wird sich der Preisvorteil zwar verringern, weil dann die Energiesteuersubvention für Erdgas gekürzt wird und das Kilo damit etwa 28 Cent teurer wird. Dass die Preise für Benzin und Diesel bis dahin aber ebenfalls steigen, wird nicht mal die Mineralölwirtschaft bezweifeln.

Doch es geht ja hier nicht nur um den eigenen, finanziellen Vorteil - sondern vor allem darum, der Umwelt etwas Gutes zu tun. Und auch da glänzt der Eco Up, wie ein Vergleich mit dem Elektromodell E-Up zeigt, das im Herbst auf den Markt kommt: Wird der Eco Up mit reinem Biogas angetrieben, verursacht die Erdgas-Variante einen geringeren CO2-Ausstoß als das E-Mobil.

Mit Biogas grüner als im Elektroauto unterwegs

Der Vorteil ergibt sich bei der Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette, also von der Energiegewinnung über die Speicherung und den Transport bis zum Energieverbrauch (Well-to-Wheel). Dazu brauchen wir jetzt aber wieder den Taschenrechner.

Laut Angaben des Bundesumweltministeriums entstehen von der Produktion bis zur Bereitstellung pro Kilo CNG zwischen 702 und 1076 Gramm Kohlendioxid. Beim Strommix, der aus deutschen Steckdosen fließt, fallen pro Kilowattstunde 544 Gramm an. Beide Autos fahren praktisch emissionsfrei. Beim Eco Up gelangt nur soviel CO2 in die Atmosphäre, wie die bei der Herstellung des Biogases verwendeten Pflanzen durch Fotosynthese gebunden haben.

Vergleicht man also die Herstellerangaben für den Kraftstoffverbrauch, kommt man beim E-Up auf einen CO-Ausstoß von 73 Gramm pro Kilometer - und beim Eco Up auf nur 20 bis 31 Gramm. Tankt man statt Biogas den üblichen Erdgasmix, steigt der Wert auf 94 Gramm je Kilometer. Der Eco Up kann dann mit Elektroautos zwar nicht mehr mithalten, ist im Vergleich zu diesel- oder benzinbetriebenen Fahrzeugen aber immer noch viel sauberer.

Ein bisschen leiden muss man schon

Auch gegenüber dem Kraftstoff Autogas (LPG - Liquified Petrol Gas) gilt dieser Vorteil. "Erdgas ist einfach zukunftsfähiger", sagt ein Sprecher von Volkswagen. Seine Begründung: Autogas wird aus Mineralöl gewonnen, das in geringeren Reserven vorhanden ist als Erdgas. Außerdem lässt es sich nicht aus regenerativen Quellen gewinnen.

Der Verzicht auf Dynamik zugunsten von Sparsamkeit und das Bekenntnis zu Erdgas sprechen für die Kompromisslosigkeit, mit der VW den Eco Up zu einem wild entschlossenen Vernunftauto getrimmt hat. Damit wird den Kunden aber auch eine gewisse Leidensfähigkeit abverlangt.

Denn jetzt kommt noch eine Zahl ins Spiel, und wir legen den Taschenrechner besser beiseite, weil er uns vor Schreck sonst aus den Händen fällt. 914! So wenig Erdgastankstellen gibt es derzeit laut Angaben des Verbands Erdgas-Mobil in Deutschland. Zum Vergleich: Benzin und Diesel kann man in Deutschland an mehr als 14.000 Stationen tanken, LPG an 6000.

Darüber kann man sich natürlich ärgern, andererseits zeugt die Entscheidung von Volkswagen pro CNG auch von einer bewundernswerten Kompromisslosigkeit. Es wäre sicher bequemer gewesen, den Eco Up LPG-kompatibel zu machen. Aber es wäre eben nicht so nachhaltig und umweltverträglich gewesen. Der Eco Up braucht Fahrer, die die Welt verbessern wollen und auch gewillt sind, dafür etwas Einsatz zu bringen.

Widerspenstiger Helfer

Dass dieser Einsatz manchmal deutlich anstrengender ausfällt, als eigentlich nötig wäre, liegt an einem Detail, das von VW hoffentlich noch nachgebessert wird. Das Detail hört auf den Namen "Navigations- und Infotainmentsystem maps + more", kostet als Sonderzubehör 360 Euro und unterstützt den Fahrer bei der Rettung der Welt leider nur ziemlich widerwillig.

Statt auf Anhieb zu verraten, wo die nächste Erdgas-Zapfsäule steht, zeigt das System sämtliche Tankstellen im Umkreis an. Nur mit viel Glück erscheint ein kleines Erdgas-Symbol hinter einer der aufgelisteten Optionen. Sich gezielt nur CNG-Tankstellen anzeigen zu lassen, ist nicht möglich - genauso ist das System unfähig, bei der Routenführung für lange Strecken die Verfügbarkeit von Erdgas-Tankstellen zu berücksichtigen. Nur wenn der Tankinhalt eine Reichweite von 80 Kilometern unterschreitet, meldet sich das Gerät von allein und führt den Fahrer zur nächsten CNG-Quelle.

Die Gefahr, liegen zu blieben, ist im Eco Up trotzdem gering. Schließlich steckt in dem Wagen noch ein zweiter Tank mit einer Reserveportion von zehn Litern Benzin. Bei unserem Test war das CNG mitten auf der Autobahn aufgebraucht, der Motor schaltete die Zufuhr bei Tempo 120 auf Sprit um. Zu spüren davon war: nichts. Das ist zwar einerseits faszinierend, gleichzeitig aber auch schlimm.

Angemessen wären nämlich eine heulende Sirene und wild blinkende Symbole auf dem Touchscreen. Schließlich gehen mit der Umstellung von Erdgas auf Benzin auf einen Schlag alle Vorteile verloren, die den Eco Up so attraktiv machen. Das sieht man übrigens auch in Wolfsburg so: "Jeder vernünftige Mensch", so ein Konzernsprecher, "wird dieses Auto nur im Erdgas-Modus fahren."



insgesamt 149 Beiträge
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sliasthorp 03.05.2013
1. Zu wenig Reichweite, Quälerei beim Spurwechsel
Bei meinem 50 PS-Lupo erinnere ich mich noch sehr gut an das nervige Einscheren auf der Autobahn, weil man jeden LKW auf der rechten Spur abwarten musste. Außerdem ging je nach Fahrweise nach 370-400 km die Benzinlampe an. Jetzt fahre ich einen Aygo mit 68 PS. Der ist kein Rennwagen, aber die Beschleunigung ist um Welten besser, so dass man viel lockerer die Spur wechseln kann. Außerdem kann man mit einer Tankfüllung über 600 km schaffen, weil er mit knapp 5 l/100 km im Alltag auskommt. Wenn ich nun beim Up von 275 km Reichweite des CNG-Tanks und schleppender Beschleunigung lese, denke ich: "Nein Danke, alles schon gehabt." Manchmal ist der bessere Weg zum Sparen eben nicht High-Tech, sondern ein einfacher Kleinwagen mit flottem Motörchen.
michaelkaloff 03.05.2013
2. Warum so sarkastisch?
Erdgas ist ökonomisch und hat langfristig eine gute Preisprognose. Alarmlampen zur Weltrettung sind also überflüssig, auch wenn das Auto mal auf Benzin umschaltet. So ein Kleinstwagen ist ohnehin für den regionalen Einsatz gedacht, wenn man weiter fährt, muss man eben etwas planen. Schnell genug ist das Auto sowieso. In der ostfriesischen Kleinstadt, in der ich lebe, kenne ich zwei CNG-Tankstellen. Erdgasautos sind hier so alltäglich wie Regen im Sommer :-) Für mich wäre das Auto durchaus eine Option, wenn mein oller Smart nicht mehr will. Da muss ich aber wohl erst die Maschine ausbauen und totschlagen.... Erstaunlich, dass die CNG-Infrastruktur flächendeckend nicht in die Gänge kommt. Ein Schelm, der böses dabei denkt.
regnirps 03.05.2013
3. Peanuts...
Nichts als peanuts und komplett abgehobener Ökounfug. Jede alte auf LPG umgerüstete Karre hat mehr Platz, mehr Komfort und, weil dafür nicht so ein überteurerter Ökozwerg mit Langweiltechnik gekauft wird, bestimmt dieselbe Umweltbilanz. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Bei diesen "Technikhighlights" aus unseren Autoschmieden kommt bei mir der Verdacht der bewussten Veralberung der Käufer auf.
monza 03.05.2013
4. Liefertermine
Ja, schönes Auto, wenn man es denn kaufen könnte. Ich bestellte im Februar den Skoda Citigo mit Erdgas, angeblich auf Lager und Liefertermin sofort. Nach mehreren Nachfragen konnte mir ein fester Termin für Mitte April immernoch nicht verbindlich zugesagt werden, so dass ich die Bestellung schließlich stornierte. Mein Händler erklärte dazu, dass große deutsche Energielieferanten mit VW und Skoda eine verzögerte Auslieferung der Erdgasfahrzeuge vereinbart hätten, damit die teils hohen Prämien, die Energielieferanten ihren Kunden beim Erwerb eines Erdgasfahrzeuges zuschießen, nicht mehr gezahlt werden müßten, da diese zu Mitte März deutlich gekürzt wurden.
MonacoMartino 03.05.2013
5. Bildunterschrift "autsch"
nicht "Whell-to-Weel" sondern "Well-to-Wheel"
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