Fiat 500 Abarth Der kleine Kugelblitz

Niedlich war gestern: Nachdem der Fiat 500 ein Jahr lang freundlich gelächelt hat, zeigt die Knutschkugel nun zum ersten Mal die Zähne. Der Turiner Haustuner Abarth macht den Charmebolzen mit einem 135-PS-Turbo zum kleinen Kugelblitz.

BMW hat die M GmbH, Mercedes die Kraftmeier von AMG und bei Mini wird gerade John Cooper Works reanimiert. In diesem illusteren Kreis will künftig auch Fiat wieder mitmischen und holt dafür einen Namen aus der Mottenkiste, der beiderseits der Alpen noch immer einen guten Klang hat: Abarth. Die vom Wiener Karl Abarth gegründete Renn- und Tuningschmiede hatten die Italiener 1971 übernommen, ein paar Jahre gepflegt, dann vergessen, zwischendurch lustlos Familienkutschen misshandeln lassen und nun erneut ausgegraben. In Italien prangt der Abarth-Skorpion bereits seit einem knappen Jahr an der Fassade einiger Fiat-Händler und auf der Haube ausgewählter Sportmodelle. Nun geht das sportliche Treiben auch bei uns wieder los.

Im Mittelpunkt steht dabei der Fiat 500, der im Geiste Abarths vom charmanten Sympathieträger zum kleinen Kugelblitz aufgerüstet wurde. Zwar gibt es auch schon einen Grande Punto im Zeichen des Skorpions. Doch gemessen an der neuen Rennsemmel wirkt der Punto zahnlos und bieder. Der Cinquecento dagegen ist so scharf, wie man es von einem Tuner erwartet, der zehn Weltrekorde, 133 internationale Rekorde und mehr als 10.000 Siege eingefahren hat. Zwar ist der Winzling mit 18.100 Euro hoffnungslos überteuert. Aber dafür spürt man beim Fahren jenes wundervolle Brennen, das man von einer feurigen Pasta Arrabiata gewöhnt ist.

Die Würze kommt von einem nur 1,4 Liter großen Vierzylinder, dem ein Turbolader mächtig Dampf macht: Mit ihm steigt die Leistung auf 135 PS, und das maximale Drehmoment klettert auf 180 Nm. Kurzfristig sind nach einem Druck auf die Sporttaste sogar 206 Nm möglich, die den Fiat 500 wie eine kleine Kanonenkugel über die Piste schießen lassen. Mit echten Sportwagen kann der Kraftzwerg zwar nicht mithalten. Doch für einen Cityflitzer ist ein Sprintwert von 7,9 Sekunden ziemlich respektabel. Und die Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h ist beinahe furchterregend.

Aber das hat bei Tuner mit dem giftigen Stachel bereits Tradition. Schließlich hat Abarth schon den ersten Fiat 500 getunt und dem Wirtschaftswunder-Wägelchen damals mächtig Beine gemacht: Statt 13 PS und 85 km/h standen plötzlich 36 PS und über 130 km/h im Fahrzeugschein. Ebenfalls gute Tradition sind die Tuning-Pakete: Auf Wunsch und gegen eine Aufzahlung von etwa 3500 Euro plus Montage gibt es deshalb auch diesmal wieder ein "Esseesse"-Kit, mit dem die Leistung auf 160 PS, der Sprintwert um zehn Prozent verkürzt und das Spitzentempo auf 210 km/h gesteigert wird.

Spoiler und Doppelauspuff inklusive

Natürlich wissen auch die Italiener, dass angesichts von Spritpreisexplosion und CO2-Ängsten nicht gerade das beste Klima für übermotorisierte Kleinwagen herrscht. Doch Produktmanager Frank-Thomas Dietz ficht das nicht an. Er verweist auf Statistiken, nach denen die Zulassungszahlen potenter Winzlinge in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind. Und er unterstreicht noch einmal, das Fiat in Europa die Marke mit dem geringsten CO2-Ausstoß sei. "Das muss auch für Abarth gelten", sagt Dietz und zeigt aufs Datenblatt: zumindest im Normbetrieb ist der 500er mit 6,5 Litern zufrieden.

Während viele andere Kleinwagen mit ähnlich hoher Leistung vor Kraft kaum laufen können, wirkt der 500er überraschend souverän und ausgewogen. Natürlich kommt auch er auf nasser Fahrbahn bei Vollgas ein wenig aus dem Tritt.

Aber mit ein bisschen Feingefühl im rechten Fuß lässt sich der Wagen prima um die Ecken treiben. Dabei hilft neben der ebenfalls über die Sporttaste auf Knopfdruck versteiften Lenkung, dem strammer abgestimmten Fahrwerk mit ein paar Millimetern weniger Bodenfreiheit und den bissigen, rot lackierten Bremsen vor allem ein elektronischer Kunstgriff in der ESP-Steuerung, den die Italiener "Torque Transfer Control" nennen. Wie eine elektronische Differentialsperre verteilt diese Regelung die Kraft in schnellen Kurven verstärkt auf das jeweils äußere Rad und bringt den Winzling so noch leichter um die Ecken. Damit kommt der Fiat 500 verdammt nah an das Gokart-Gefühl, das bislang vor allem dem Mini eigen war.

Weil Fahrspaß allein in Zeiten von Dauerstau und Tempolimit zu wenig ist, erfüllen die Italiener mit dem 500er auch die niederen Gelüste nach Prunksucht: So stärken eine etwas giftigere Frontpartie, die wuchtigeren Stoßfänger, der Dachspoiler und die beiden Auspuffstummel den Selbstdarsteller hinter dem Steuer.

Und ein paar elektronische Gimmicks befriedigen den Spieltrieb. Deshalb prangt neben dem Tacho eine riesige Ladedruckanzeige, in deren Mitte ein gelbes Blitzlicht zum optimalen Gangwechsel auffordert. Und wer tatsächlich ernste Ambitionen hat, der bekommt mit dem portablen Navigationssystem auch einen virtuellen Fahrlehrer für viele europäische Rennstrecken.

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