Fiat Barchetta Riviera Roadster für Romantiker

Mit der Barchetta will Fiat an die gute alte Zeit, als die Italiener noch echte Spider bauten, anknüpfen. Das gelingt - allerdings nur äußerlich. SPIEGEL ONLINE hat den Schönling getestet.

Von Alexander Stirn


Eigentlich ist es ja gar nicht so schwer, Frischluftfanatiker glücklich zu machen: zwei Sportsitze unter freiem Himmel, eine wohlgeformte Karosserie und ausreichend Pferdestärken unter der Haube. Eigentlich - wenn da nur nicht der Name wäre: Fiat.

Frauenliebling: Der Fiat Barchetta
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Frauenliebling: Der Fiat Barchetta

Denn die Autobauer aus Turin, werden - obwohl Italiener - eher mit winzig-praktischen Autos (Seicento) oder extrovertiert-unförmigen Wagen (Multipla) in Verbindung gebracht. Doch halt: Seit 1995 macht Fiat mit der Barchetta, dem "kleinen Boot", auch auf Roadster.

Gerade einmal 1,26 Meter hoch ist der Frauenliebling, der vor allem durch seine traumhafte Linienführung überzeugen kann. Angefangen beim langen Bug mit den dominanten Doppelscheinwerfern - hinter Plexiglas, versteht sich - zieht sich die Karosserie in einer leichten Wellenform bis zum Heck. Ohne Ecken, ohne Kanten.

Zum Schluss, auf Höhe der Hinterachse ein letztes Aufbäumen, um dann abrupt abzufallen. Selbst die neu spendierte dritte Rückleuchte stört nicht, sitzt eher keck, wie eine kleine Flosse auf dem wohlgeformten Heck.

Runde Formen, fließende Übergänge: Beim Cockpit hat Fiat viel Wert auf Design gelegt
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Runde Formen, fließende Übergänge: Beim Cockpit hat Fiat viel Wert auf Design gelegt

Das klassische Spider-Design fordert seinen Tribut: Die schmalen Türgriffe, die sich erst auf Knopfdruck aus den Türen erheben, sind zwar schön anzuschauen, aber nicht wirklich praktisch. Bei Fiat folgt, ganz entgegen dem allgemeinen Trend, die Funktion der Form. Das gefällt.

Was das Äußere verspricht, können die inneren Werte allerdings nicht halten. Der 1,8-Liter-Motor grummelt nur beim Anlassen und auf den ersten Metern deutlich, verhält sich dann aber sehr zurückhaltend - fast schon zu kultiviert für einen Sportwagen. Die 131 PS hinter dem tief gezogenen Kühlergrill könnten sich ruhig deutlicher - und auch kraftvoller - zu Wort melden. Das Fahrwerk dagegen ist sportlich straff abgestimmt und verleiht dem Fronttriebler standesgemäße Fahreigenschaften.

Fahrzeugschein
Hersteller: Fiat
Typ: Barchetta Riviera
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: Vierzylinder-Benziner
Hubraum: 1.747 ccm
Leistung: 131 PS (96 kW)
Drehmoment: 164 Nm
Von 0 auf 100: 8,9 s
Höchstgeschw.: 200 km/h
Verbrauch (ECE): 8,5 Liter
CO2-Ausstoß: 201 g/km
Kraftstoff: Super Bleifrei
Kofferraum: 165 Liter
Versicherung: 15 (HP) / 34 (TK) / 29 (VK)
Preis: 20.242 EUR
Wer beim Namen Fiat an langweilige Innenräume denkt, wird im Barchetta, ganz besonders aber beim Sondermodell Riviera, angenehm überrascht. Schwarzes Leder und rote Nähte finden sich allerorten: am griffigen Lederlenkrad, an den guten Sportsitze, an der Türverkleidung oder an der mitunter etwas hakeligen Schaltung. Die Rundinstrumente, ganz traditionell mit dem Drehzahlmesser in der Mitte, sind klar gegliedert und aluminiumfarben eingefasst. Nur die Unterteilung des Tachos ist etwas zu klein geraten.

Schmerzhaft kann mitunter der Kontakt mit den Verdeckstreben sein. Zwar ist das Gestänge im Innenraum bereits mit Gummi gepolstert, von hektischen Kopfbewegungen oder allzu extremen Kurvenpositionen sollten Barchetta-Fahrer dennoch Abstand nehmen.

Und sie sollten keinen Wert auf Ablagemöglichkeiten legen. Denn die sind im Fiat äußerst dünn gesät. Das Handschuhfach ist dem Beifahrerairbag gewichen, an die Türen wurden zwei kleine Taschen gepinnt, und die mittlere Armlehne beherbergt ein kleines, abschließbares Fach. Dazu noch zwei Taschen hinter den Sitzen - das war's. Die Barchetta ist nun einmal kein Smart. Und mal ehrlich: Würden Dosenhalter zu einem italienischen Sportwagen passen? Na also...

Zeitlose Formen haben ihren Vorteil: Auch im Jahr fünf auf deutschen Straßen ist die Barchetta noch immer ein Hingucker
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Zeitlose Formen haben ihren Vorteil: Auch im Jahr fünf auf deutschen Straßen ist die Barchetta noch immer ein Hingucker

Fahrten ohne Verdeck sind im Fiat nur bedingt ein Vergnügen. Bereits bei 80 km/h macht sich der Wind deutlich bemerkbar, bei 100 km/h fängt er gewaltig an zu nerven. Das Windschott hilft - zumindest bis zur Richtgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen. Viel mehr sollten Barchetta-Fahrer dem eigenen Kopf nicht zumuten. Also Fuß vom Gas. Oder Scheiben rauf.

Ist die Betriebsanleitung erst einmal dechiffriert, lässt sich das PVC-Verdeck mit wenigen Handgriffen schließen - allerdings erst nach einem Gang ums Auto. Offen verschwindet die schwarze Haube elegant unter einer Klappe im Heck, geschlossen bietet sie eine durchaus passable Sicht nach hinten. Die Plastikheckscheibe macht allerdings den Eindruck, als könnte sie beim Falten schnell Knicke bekommen.

Doch wer will sich im Fiat schon unter einem Verdeck verstecken: Vielleicht ist es ja die Ähnlichkeit zum Porsche Boxster, denn auch im fünften Jahr auf Deutschlands Straßen zieht die Barchetta noch immer Blicke auf sich. Schlipsträger drehen sich im Straßencafé um, Jungen zerren an der Ärmeln ihres Vaters und ehemalige Barchetta-Fahrer, familienbedingt zum Kombi-Piloten degradiert, erzählen auf Parkplätzen mit wehmütigem Blick von früher. Minderwertigkeitskomplexe, weil es für einen BMW Z3 oder einen Audi TT Roadster vielleicht nicht gereicht hat, kommen im Romantik-Roadster garantiert nicht auf.

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