Fiat Grande Punto Sport Siegen lernen

Fiats Formkurve weist nach oben. Nach mehr als vier Jahren in der Verlustzone sind die Zahlen des italienischen Autobauers wieder schwarz. Wesentlichen Anteil daran hat der Grande Punto, von dem nun neue Varianten an den Start gehen.


"Sport" heißt das Stichwort, mit dem Fiat die Modellpalette fit machen möchte für einen langfristigen Aufschwung und dauerhaften Erfolg. Dies ist nach 17 Verlust-Quartalen auch bitter nötig. Die neue Sportlichkeit soll zunächst beim jüngsten und zugleich wichtigsten Modell der Marke eine Rolle spielen: dem Grande Punto. Neue Sport-Versionen der Baureihe stehen ab sofort bei den Händlern - am interessantesten ist jene mit einem komplett neuen Benzinmotor.

Das neue Aggregat, ein 1,4-Liter-Vierzylinder-Ottomotor, trägt den Namen "Star-Jet", wobei sich das Wort Star zusammensetzt aus den Anfangsbuchstaben des Ungetüms "Swirl Turbulence Air-Induction Reengineering. Dahinter verbergen sich die drei Hightech-Komponenten Kanalabschaltung, variable Ventilsteuerung und Abgasrückführung, die dem Triebwerk den Durst abgewöhnen und zugleich seine Muskeln schwellen lassen sollen. Der neue Motor leistet 95 PS (70 kW), beschleunigt den Grande Punto in 11,4 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und verbraucht im Schnitt 6,1 Litern je 100 Kilometer.

Bei ersten Testfahrten durchs Bergische Land gefiel der neue Motor durch einen ruhigen Lauf und spontante Gasannahme. Die Maschine passt gut zum Auto - allerdings ist der Motor kein Kracher. Überholvorgänge sollten also wohl geplant werden, andernfalls muss die Drehzahl hübsch in der Höhe bleiben, wobei das gut abgestufte Sechsgang-Schaltgetriebe hilft. Der Bordcomputer unseres Testautos meldete am Ende der großzügigen Schleife über Landstraßen und durch mehrere Kleinstädte ein Mittel von 7,5 Liter je 100 Kilometer.

Die Sport-Varianten des Grande Punto - es gibt noch die Version mit dem bereits bekannten 130-PS-Diesel (ohne Rußpartikelfilter) sowie ab Juli einen 90-PS-Diesel - fahren allesamt als Dreitürer mit vier Sitzplätzen. Äußerlich erkennbar sind die Autos an 17-Zoll-Leichtmetallrädern, Nebelscheinwerfern, Seitenschwellern und einem kleinen Dachspoiler über dem Heckfenster. Dazu kommen unter anderem ein um drei Zentimeter abgesenktes Sportfahrwerk, sechs Airbags, ABS und ESP.

Zur Serienausstattung der Sport-Modelle gehören auch eine Klimaanlage, ein höhenverstellbarer Fahrersitz, eine CD-MP3-Musikanlage, elektrische Servolenkung, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung. Als schlaues Extra bietet Fiat als erster Hersteller ein in Zusammenarbeit mit Microsoft entwickeltes System namens "Blue & Me" an, das die Steuerung von MP3-Musikdateien sowie von insgesamt fünf Mobiltelefonen über eine Bluetooth-Schnittstelle erlaubt. Und zwar entweder per Lenkradtasten oder per Sprachsteuerung, die bei ersten Versuchen prima funktionierte. 220 Euro Aufpreis kostet das System.

Mit den Varianten "Sport" möchte Fiat das Durchschnittsalter der Grande-Punto-Käufer von derzeit 39 Jahren weiter senken. Denn, so Marketingmann Basilio Scelza, "vor allem junge Käufer wollen Sportlichkeit, und zwar vor allem optisch. Die Performance steht nicht so sehr im Vordergrund." Neben der Verjüngung der Kundschaft erhofft sich Fiat auch eine "Vermännlichung". Denn während Klein- und Kompaktwagen überwiegend von Frauen gekauft werden, wendet sich das Verhältnis, sobald die Autos als besonders sportlich eingeschätzt werden.

Aktienkurs auf der Überholspur

Abgesehen von solchen Marketing-Überlegungen freut sich Fiat derzeit über jeden Käufer - ob jung oder alt, männlich oder weiblich. Im ersten Quartal 2006 war der Punto die meistverkaufte Modellreihe in Europa. In Deutschland kletterten in diesem Zeitraum die Verkaufszahlen auf 7562 Autos im Vergleich zu 2802 im Vorjahreszeitraum - eine Steigerung von 170 Prozent.

Auch andere Fiat-Modelle verkaufen sich wieder besser, so dass der neue Markenvorstand Manfred Kantner prognostiziert, insgesamt 65.000 Fiat-Fahrzeuge in diesem Jahr in Deutschland abzusetzen - was einem Plus von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspräche.

Die Italiener haben also offenbar die Kurve gekriegt, die Fiat-Aktie kletterte seit dem vergangenen April um rund 145 Prozent. Und nun soll weiter beschleunigt werden. Für die Modellreihe Grande Punto bedeutet das, dass im Herbst der neue 1,4-Liter-Benziner mit Turboaufladung und dann 150 PS auf den Markt kommt. Und für das Frühjahr 2007 ist eine "Abarth"-Variante mit einem 180-PS-Turboaggregat geplant. Außerdem mischen die kompakten Italiener in der neuen Rallye-Meisterschaft Super 2000 mit und treten mit drei Teams beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an. Fiat will wieder siegen lernen.



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