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06. Oktober 2004, 11:56 Uhr

Fiat Panda 4x4

Das Jägermeisterlein

Von Jürgen Pander

Ob Stubai-, Lech- oder Etschtal - bis knapp über die Baumgrenze findet man im Alpenraum noch automobiles Leben. Vor allem die Arten Suzuki Jimny und Fiat Panda 4x4. Letzteres Modell startet nun komplett neu seine Kraxelkarriere.

Der 16. Oktober ist für den Fiat-Konzern ein besonderer Tag: Das Unternehmen kehrt an diesem Datum in den Kreis der Hersteller von Allradfahrzeugen zurück, und zwar mit seinem Kleinwagen Panda. Das Modell, das vor rund einem Jahr in der Standardversion debütierte und gleich den Titel "Auto des Jahres 2004" einheimste, ist das Erste in einer ganzen Reihe von künftigen Allradlern aus Italien. Folgen werden noch im November der Alfa Romeo Crosswagon Q4 und im nächsten Jahr der Alfa 147 Allrad.

Fiat Panda 4x4: Der Förster vom Vollgaswald

Fiat Panda 4x4: Der Förster vom Vollgaswald

Schon den alten Panda, die "tolle Kiste", gab es mit Vierradantrieb, in Deutschland wurden von dem Klettermäxchen zwischen 1983 und 2002 gut 7000 Exemplare verkauft. Klar, das ist nur ein Tropfen im Meer der Neuzulassungen dieses Zeitraums, und entsprechend hat Fiat mit dem neuen Modell ehrgeizigere Pläne. Noch in diesem Jahr sollen 500 Exemplare abgesetzt werden, im nächsten Jahr dann 800. Die Kundschaft für diesen Wagen lässt sich laut Fiat-Marketingleiter Basilio Scelza in zwei Gruppen unterteilen: "Es sind entweder freizeitaktive, jüngere Leute oder Menschen, die das Auto beruflich brauchen, etwa Forstwirte oder Jäger." Oder Almbauern oder Hüttenwirte, jedenfalls in den Alpen.

Fiat hat sein Angebot des Allrad-Panda danach ausgerichtet. Es gibt das Standardmodell ab 11.700 Euro, zu dem ab Werk zwei Airbags, ABS, Verstärkungen an den Türen, eine Dachreling und ein auf bis zu 855 Liter erweiterbarer Kofferraum gehören. Das Auto ist durchweg funktional konzipiert, wirkt dabei aber durch seine sorgfältige Gestaltung modern und durchaus wohnlich im Innenraum.

Panda 4x4: Stadtauto mit Abenteuer-Optik

Panda 4x4: Stadtauto mit Abenteuer-Optik

Für die Lifestyle-Kundschaft, die einen Kleinwagen mit Allradantrieb und "Abenteuer-Optik" cool, schräg, schrill oder gar endgeil finden, hat Fiat das Modell "Climbing" im Sortiment. Dieses Auto kostet ab 12.350 Euro, verfügt serienmäßig über vier Airbags, höhenverstellbaren Fahrersitz, Drehzahlmesser, eine geteilte und umklappbare Rücksitzlehne, Bordcomputer, Zentralverriegelung mit Fernbedienung und üppige Plastikplanken an Bug und Heck. Im Juni nächsten Jahres wird ein noch stärker auf Geländewagen getrimmtes Modell auf den Markt kommen, der Panda 4x4 SUV nämlich, eine Serienversion der beim Genfer Salon gezeigten Studie Simba.

Beide Panda-4x4-Versionen, ob nun mit oder ohne Gelände-Kosmetik, verfügen über 16 Zentimeter Bodenfreiheit, erklimmen bis zu 60 Prozent steile Gefällstrecken und schaffen bis zu 40 Zentimeter tiefe Wasserpassagen. Es geht also durchaus etwas im Gelände. Vorerst gibt es nur eine Motorvariante, nämlich einen 1,2-Liter-Benziner mit 60 PS (44 kW), der das Auto angemessen bewegt. Im nächsten Frühsommer wird ein 1,3-Liter-Dieselaggregat mit 70 PS (52 kW) das Angebot ergänzen. Den Allradantrieb entwickelte Fiat mit der englischen Firma GNK, er besteht aus einer Visco-Kupplung und zwei Differenzialen. Im normalen Fahrbetrieb auf griffigem Untergrund fährt das Auto mit Vorderradantrieb; wird es rutschig, schaltet sich der Allradantrieb automatisch zu und leitet bis zu 70 Prozent des Drehmoments an die Hinterräder.

Panda-Cockpit: Modern und wohnlich

Panda-Cockpit: Modern und wohnlich

Bei der Fahrvorstellung des Panda 4x4 in diesen Tagen in Mittelfranken und der Oberpfalz ging es auch einige Kilometer über schmierige Feldwege, Schottersträßchen, steil bergauf über feuchte Waldwege und sogar durch einen munter plätschernden Bach. Große Geländewagen hätten bei diesen Offroad-Parcours vermutlich nur müde mit dem Abblendlicht geflackert, doch für ein putzigen Kleinwagen wie den Panda ist es schon eine Leistung, unter solch ungewöhnlichen Bedingungen derart unbeeindruckt zu bleiben. Das Auto bietet trotz seiner vernünftig-bescheidenen Auslegung jede Menge Fahrspaß. Allerdings muss man auch einräumen, dass - von der oben erwähnten Ausnahme als Dienstwagen nach Förster-Art - ein Stadtwägelchen mit Allradantrieb eigentlich vollkommen überflüssig ist, wenn man nicht gerade im Gebirge wohnt. Aber es gibt eben auch Leute, die finden so was "kultig". Wir werden sie demnächst im Panda 4x4 Climbing vorfahren sehen.

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