Fiat Panda Panda Das Sparbüchslein

Billiger Fahren geht kaum: Zwar lässt sich Fiat seine Sparbüchse zunächst einmal teuer bezahlen. Doch sobald man hinter dem Steuer des Erdgas-Panda sitzt, sieht man den Tankwart nur noch selten. Kraftstoff für 50 Euro reicht dem kleinen Italiener für einen ganzen Monat.


Hybridantriebe sind aufwändig, den Batterien für Elektroautos mangelt es noch an Kapazität, und Dieselmotoren lohnen sich erst bei hoher Laufleistung. Angesichts dieser Fakten eignet sich nach derzeitigem Stand der Technik kein anderes Antriebskonzept besser für den Stadtverkehr als der Erdgasmotor - behauptet zumindest Fiat.

Und liefert auch ein paar schlüssige Argumente: So ist Erdgas (CNG) als Treibstoff - der Steuervergünstigung sei Dank - konkurrenzlos billig, die Kosten für die Umrüstung von Benzin auf Erdgas halten sich in vertretbaren Grenzen, das CNG-Tankstellennetz wird immer dichter und obendrein ist auch der CO2-Ausstoß geringer als bei Benzinern.

Deshalb bietet Fiat neben dem Transporter Doblo seit gut einem Jahr auch den Kleinwagen Panda mit Erdgasantrieb an. Weil dessen Motor Benzin und Gas verbrennt und das Modell damit quasi zwei Autos in einem ist, trägt er den wenig kreativen Namen Panda Panda und fährt aus der Klima- und der Kostendiskussion. Denn an der Tankstelle spart man gegenüber einem Benziner etwa 50 und gegenüber einem Diesel runde 30 Prozent. Und der CO2-Ausstoß ist zum Beispiel im Vergleich zum benzingetriebenen Panda 1.2 8V um rund ein Viertel niedriger.

Zur sauberen Sparbüchse wird der Panda durch einen kleinen Umbau am 1,2 Liter großen Vierzylinder, der danach mit Hilfe einer modifizierten Einspritzung automatisch oder auf Knopfdruck zwischen den Betriebsarten wechseln kann. Den Sprit bekommt die Maschine dabei aus zwei Gasflaschen im Unterboden, deren Fassungsvermögen von 13 Kilogramm im Normzyklus für mehr als 200 Kilometer reicht. Ist dann noch keine der rund 775 deutschen Erdgastankstellen in Sicht, saugt der Motor automatisch aus dem 30 Liter großen Benzintank Kraftstoff und kommt damit noch einmal fast 500 Kilometer weit.

Unterschiede zum konventionellen Panda sind kaum erkennbar: Weil die Italiener die Plattform des etwas höher gelegten Allrad-Panda nutzen, verschwinden die zwei crashsicheren Gastanks unsichtbar unter dem Wagenboden, so dass der Kofferraum nicht beeinträchtigt wird. Allerdings verbirgt sich hinter der Tankklappe nun ein zweiter Einfüllstutzen, und neben dem Lenkrad zeugen ein kleiner Schalter und einige Leuchtdioden als zweite Tankuhr vom Umbau.

Auch wenn man die Modifikationen kaum sieht, spürbar sind sie auf Anhieb. Denn die ohnehin nicht gerade üppige Leistung des Winzlings geht nach dem Druck auf die Erdgas-Taste um acht auf 52 PS zurück, und das maximale Drehmoment fällt um 14 auf 88 Nm. Das klingt nach Lapalien, führt aber etwa am Berg zu einer spürbaren Verzögerung. Und auch auf der Autobahn merkt man den Unterschied: Schafft der Panda mit Benzin immerhin 148 km/h, ist im Gasbetrieb bereits bei 140 Sachen Schluss.

Bis Tempo 100 vergehen fast 20 Sekunden

Außerdem muss man schon viel Geduld aufbringen, wenn der Sprint auf Tempo 100 geschlagene 19 Sekunden dauert. Aber auch wenn man beim Ampelstart das Nachsehen hat - spätestens an der Zapfsäule trägt der Panda-Panda-Fahrer wieder das Lächeln eines Siegers. Während man im benzingetriebenen Panda 1.2 8V für 100 Kilometer mit Spritkosten von etwa acht Euro rechnen muss und im schwächsten Panda-Dieselmodell runde sechs Euro anfallen, ist der Panda Panda mit weniger als vier Euro zufrieden.

Damit Fahren und Sparen einhergehen, muss man allerdings erst einmal tiefer in die Tasche greifen: Mit 13.570 Euro ist der Erdgas-Panda gute 2000 Euro teuerer als der vergleichbare Benziner und auch dem Diesel um 1000 Euro voraus. Doch haben die Lobbyisten der Voll-Erdgasfraktion einen schönen Trost. Viele Kommunen und Energieversorger fördern den Kauf von CNG-Fahrzeugen entweder direkt mit einem Kostenzuschuss oder indirekt mit großzügigen Tankgutscheinen. Außerdem behält der Panda Panda seinen Kostenvorteil nach Berechnungen von Fiat auch dann, wenn man über die Quittung an der Tankstelle hinaus schaut.

Sparen bei den Unterhaltskosten

Dafür haben die Italiener ihre Sparbüsche mit besonders genügsamen Dieselmodellen der Baureihen VW Fox, Renault Twingo und Citroen C1 verglichen und eine Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern zu Grunde gelegt: Inklusive Sprit, Unterhalt und Wertverlust kostet der Panda Panda in dieser Rechnung innerhalb von drei Jahren 11.840 Euro, der C1 11.921 Euro, der Twingo 12.137 Euro und der Fox 13.607 Euro. 80 Euro Gewinn gegenüber dem Citroen kann man wahrscheinlich durch das Fahrverhahten wettmachen. Doch schon der Twingo kostet 296 Euro und der Fox sogar 1767 Euro mehr, rechnet Fiat vor.

Was Auto und Antrieb jetzt noch fehlt, ist neben einem vernünftigen Namen vor allem das richtige Image. Denn nach wie vor umgibt Erdgasfahrzeuge der Ruf des Risikos. Zwar wurde bereits dutzendfach bewiesen, dass die Gastanks genauso sicher sind wie die fürs Benzin. Doch so richtig geheuer ist vielen Kunden die Technik nicht. Insbesondere Frauen, und das ist kein Chauvinismus, sondern erlebte Realität, schrecken vor den sauberen Sparern zurück. Selbst wenn man beim Fahren kaum einen Unterschied spürt, ist zumindest das von ungewöhnlichen Pfeif- und Zischtönen begleitete Tanken Männersache. Aber das hat ja auch etwas Gutes. Wo sonst kann mann sich so leicht als kühner Kavalier beweisen.



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