Ford AF, Baujahr 1929 Ein Auto wie ein ganzes Leben

Die Lebenszeit der meisten Autos lässt sich an maximal vier Händen abzählen. Einige aber sind schon so viele Jahre im Einsatz, dass sie nicht nur Geschichtszeugnisse geworden sind, sondern ihren Besitzern auch echte Freunde – wie der Ford AF von SPIEGEL-ONLINE-Leser Tilo Sickinger.


Das Durchschnittsalter der rund 46 Millionen Autos in Deutschland liegt bei knapp acht Jahren - aber einige von ihnen sind noch viel, viel älter. SPIEGEL ONLINE testet mit Hilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal berichtet Tilo Sickinger aus Bantzenheim im Elsass über seinen Ford AF Standard Roadster aus dem Baujahr 1929.

Tilo Sickinger:
Im Wintersemester 1961 studierte ich als gebürtiger Freiburger mit 21 Jahren in Karlsruhe und war oft bei meinen Eltern in Herbolzheim, 30 Kilometer nördlich von Freiburg. Der Traum eines jeden Studenten war damals ein Fortbewegungsmittel, das über ein Fahrrad hinausging. An der Uni bewunderte ich zwei Dixies, ein paar Standard-Käfer, Maicos und andere vierrädrige Mini-Fortbewegungsmittel der Wirtschaftswunderzeit.

Meine Studentenbude hatte ich bei Emil Reichert, einem Lehrer, der in Sammlerkreisen von Karlsruhe wohlbekannt war. Sein Bruder besaß das heute noch existierende Oldtimermuseum in Marxzell, zwischen den Brüdern tobte ein "Oldtimer-Sammelkampf", wobei der Begriff "Oldtimer" damals eigentlich noch nicht so bekannt war. Emil war ein Eigenbrötler, der damals schon Oldies sammelte und mit einem Mercedes-Holzvergaser und einer Mauser-Einspur herumfuhr. Sein Motorenöl filterte er durch zwei alte Matratzen aus Altöl, sein Hof (seine "Werkstatt") war tabu für alle und jeden.

"Spinnst du? So ein Schrotthaufen!"

Als ich meinen Vater einmal auf ein Auto ansprach, sagte er: "Ich kauf dir keins, kauf dir selber eins." Und das wurde mein Glück! Ich suchte ein Auto, also alles, was vier Räder hatte und für mich noch bezahlbar war (ein Seilzugkäfer aus siebter Hand war mit 1200 Mark noch zu teuer). Das erzählte ich auch dem Mechaniker, der den Opel meines Vaters wartete. Der Mann kam im Winter 1961 zu mir und sagte, da stehe auf dem Schrottplatz beim Tennisplatz ein Auto, das ich billig kaufen könne.

Nachts ging ich hin, um dem Besitzer des Schrottplatzes nicht vorher mein Interesse zu verraten. Das Auto, das ich dort sah, stammte nach meiner Einschätzung aus der Vorkriegszeit: ein Cabriolet mit Traktorreifen und über den Kotflügeln abgeschnittenem Heck (da musste wohl eine Holzpritsche drauf gewesen sein). Der Mechaniker verkaufte mir das abgemeldete Vehikel ohne Nummer für 350 Mark und fuhr es auf unseren Parkplatz vor dem Haus meiner Eltern. "Spinnst du? So ein Schrotthaufen, unmöglich!", das war die erste Reaktion meiner Eltern. Aber der Ford war da! Und er war ein echtes Auto.

Die Originalpolster lagen im Heu

Der Ford AF Standard Roadster war im Januar 1929 in Berlin montiert worden und kostete damals 3400 Reichsmark. Er hatte nun etwa 60.000 Kilometer auf dem Tacho und besaß einen Zwei-Liter-AF-Motor (ein hubraumsteuerlicher Wahnsinn für einen Studenten) mit 28 PS. Der Wagen war komplett bis auf das fehlende Heck und hatte nur einen Vorbesitzer, einen Oberlehrer aus Burkheim am Kaiserstuhl. Dieser hatte den Ford zu einem landwirtschaftlichen Fahrzeug mit vier Traktorreifen und Holzpritsche umgebaut. Und so begann meine "Oldtimerfaszination".

Zuerst ging ich zu dem Erstbesitzer, einem mehr als 80 Jahre alten Mann in Burkheim. Er empfing mich etwas ungläubig, ging aber mit mir in seine Scheune. Und dort fanden wir in einer Ecke im Heu die originalen Polster des fehlenden Schwiegermuttersitzes, die Steckfenster, einen Steckstab für die Fenster, die Andrehkurbel und das Reserverad. Herr Probst war mir, dem jungen Spund, gegenüber sehr skeptisch. Als ich aber ein Jahr später mit dem restaurierten Ford zu ihm fuhr, weinte er vor Freude, dass sein Auto "weiterlebte".

Ein junger Karosserie-Blechner baute mir nach dem Foto des Erstbesitzers das Heck wieder auf. Denn auf meine vorherigen Anfragen bei Ford in Köln hatte ich folgende Antwort bekommen: "Im Krieg alles verbrannt, wir wünschen Ihnen viel Glück!"

Und, oh Wunder, mein Vater zeigte Verständnis und half mir finanziell, vor allem bei der Beschaffung von vier teuren Dunlop-Reifen aus England. In einem leeren Gewächshaus lackierte ich den Ford neu.

Von 1961 bis 1965 fuhr ich meinen "Sir", wie ich den Ford damals taufte. Zum Skilaufen ging's im Winter auf den Feldberg. Ich hatte mir "Schneeketten" aus Kettenstücken mit Riemen gemacht, damit fuhr ich vor dem Schneepflug den Feldberg hinauf, während alle anderen Autos stecken blieben. Die Ski schnallte ich auf dem rechten Trittbrett und an der Scheinwerferhalterung fest. Mädchen lehnten es damals allerdings kategorisch ab, in so eine alte Karre zu steigen – im Gegensatz zur Zeit 20 Jahre später. Zum Rennen auf der Solitude bei Stuttgart im Jahr 1962 bekam ich eine Einladung, im Korso mitzufahren.

  • 1. Teil: Ein Auto wie ein ganzes Leben
  • 2. Teil


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Rainer Girbig 27.07.2006
1. 1998er Mondeo
Hurra, endlich ist mal mein Auto dran. Ich fahre einen 1998er Mondeo 1,6 CL. Kaufgrund war im Jahre 2000 die Sicherheit. Der Mondeo hatte hinten drei vollwertige Gurtsysteme und drei Kopfstützen. Ein vergleichbarer Passat hätte in der Mitte nur einen Bauchgurt geboten. Nach einem selbstverschuldeten Unfall mit dem Vorgängerfahrzeug (Passat GL) wurde wegen der Anhebung der Versicherungsprämie die kleinste Motorversion 1,6 Liter Zetec mit 98 PS gewählt. Der Motor hat schon Mühe mit dem Wagen, besonders bei laufender Klimaanlage. Platz hat der Kombi mehr als genug, die Verarbeitung ist Ford – typisch. Irgendwo musste der Preisunterschied ja herkommen. Das nehme ich ihm nicht übel. Ärgerlich ist die mangelnde Lebensdauer von Teilen. So war nach 75.000 km ein neuer Katalysator fällig, obwohl der Wagen bei mir nie minderwertiges Benzin (er braucht Super) bekommen hat. Auch gehen die Birnen der Scheinwerfer gerne im Winter kaputt, was eine komplette Demontage der Scheinwerfer nebst Kühlergrill erforderlich macht. Der spröde Kunststoff bricht dann gerne und so musste ein Scheinwerfer bereits komplett ersetzt werden, keine billige Angelegenheit. Grundsätzlich bin ich mit dem Auto zufrieden und würde ihn mir wieder kaufen. Dann aber in einer etwas stärkeren Version. Beim aktuellen Modell gibt es den 1,6 Liter nicht mehr, er wäre mit dem noch größeren und schwereren Wagen wohl auch überFORDert. Aber ein neuer Wagen liegt noch in weiterer Ferne. Eigentlich ist der Mondeo noch im besten Alter, zumal er gerade erst 85.000 km gefahren ist. Er wird mir sicher noch treue Dienste leisten.
FaripiY, 27.07.2006
2.
---Zitat von sysop--- Was sind Ihre Erfahrungen mit alten Ford-Modellen? ---Zitatende--- Found on (the) road dead.
picard95, 27.07.2006
3.
Ford Escort BJ 1994 (genau wie der vorgestellte Mondeo). 299.000 km gefahren; - 2. Kupplung, - 1. Getriebe (wird aber langsam Zeit für das zweite Getriebe) - 3. Auspuff - 2. Satz Zündkabel - 3. Querlenker (Schwachstelle beim Ford) - 1. Kühler - 2. Wasserpumpe - 1. Motor natürlich noch. - 3. Zahnriemen Bremsen + Scheiben, Reifen etc. weiss ich nicht mehr. Ich habe schon so viele Autos liegenbleiben sehen, die wesentlich neuer waren; ich bin zufrieden mit dem Ford. Hätte die Werkstatt die Kupplung nicht falsch eingebaut, wäre ich genau 0 mal liegengeblieben! Immerhin konnte ich mit dieser falsch eingebauten Kupplung 600km fahren. Nur die Ersatzteile könnten etwas günstiger sein.
GretaMolander, 27.07.2006
4. Für Ossis Reicht Das
Imo wäre es kein Schaden, wenn alle diese Pflaumen möglichst bald vom TÜV in die ewigen Jagdgründe verfügt werden. Grauenhafte Fuhrwerke.
Rainer Girbig 27.07.2006
5.
---Zitat von picard95--- Nur die Ersatzteile könnten etwas günstiger sein. ---Zitatende--- Das stimmt. Ebenso die Werkstattpreise. Vor einigen Jahren bin ich von Ford zu ATU gewechselt, die waren etwas günstiger, fanden aber bei den Inspektionen oft Gründe für teure Reparaturen. Die vor einem Jahre beanstandete weil angeblich undichte Pumpe für die Servolenkung tut noch heute ihren Dienst ohne dass der Pegelstand auch nur im Geringsten abgesunken wäre. Inzwischen wird der Wagen in einer kleinen aber engagierten "Klitsche" gewartet und das Preisniveau hat eine erträgliche Position eingenommen. Zudem wird nur noch das repariert was wirklich kaputt ist oder zu gehen droht.
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