Autogramm Ford Ecosport Außer groß nix los

Die Leute wollen Mini-SUVs und Ford gibt ihnen den als "Weltauto" konzipierten Ecosport. Entwickelt in Brasilien und gebaut in Indien, soll er jetzt auch in Deutschland Kleinwagenkäufer mit Offroad-Attitüde locken. Die sollten vor allem anspruchslos sein, denn Überraschendes bietet der Wagen nicht.

Ford

Der erste Eindruck: Ich glaub, ich steh' im Wald! Während Mini-SUVs wie Opel Mokka, Peugeot 2008 oder Renault Capture auf Lifestyle machen und sich mit bunter Schminke schmücken, ist der neue Ford Ecosport optisch auf Abenteuer getrimmt. Auffälligstes Detail ist das außen an der Hecktür befestigte Ersatzrad.

Das sagt der Hersteller: "One Ford" - so heißt die Strategie des US-Herstellers, nach der die Ford-Welt jetzt rund um den Globus zusammenwächst. Anders gesagt: Überall auf der Welt gibt es den in Köln entwickelten Focus, den in Detroit konstruierten Mustang oder den neuen Mini-SUV Ecosport aus Camacari. Camacari? Das liegt in Brasilien, wo schon die erste Generation des Modells entwickelt wurde. Und weil die in Südamerika mit mehr als 700.000 verkauften Autos seit 2003 ziemlich erfolgreich war, wurde die zweite Auflage nun gleich als Weltauto geplant. Die Ecosport-Modelle jedoch, die in Europa angeboten werden, sind zwar in Brasilien entwickelt, werden aber in Indien gebaut.

Das Auto sei ein "kompakter, stilvoller Lifestyle-SUV", der gedacht ist für "junge, berufstätige Personen" und alle, "die das Leben voll auskosten möchten", dichtet das Marketing in Köln. Das Gattungskürzel SUV deuten die Kölner übrigens nicht als Sport Utility Vehicle, sondern sie sprechen von einem "Smart Utility Vehicle". Was das bedeuten soll, bleibt unklar, Hauptsache, es klingt ein bisschen nach Smartphone.

Das ist uns aufgefallen: Freiheit und Abenteuer? Wenn man das alltägliche Hin und Her zwischen Supermarkt, Kinderkrippe, Gartenmarkt und Großraumbüro so nennen will, dann passt das tatsächlich gut zum Ecosport. Auch ohne, dass man zwei Tonnen Blech mit sich herumschleppt und nach einem XXL-Parkplatz spähen muss, fühlt man sich in diesem Schrumpf-SUV etwas erhabener und beschützter als in einem konventionellen Kleinwagen. Man steigt bequemer ein, sieht besser hinaus und behält leichter den Überblick. Außerdem ist der Ecosport schön handlich, knackig abgestimmt und mit einer sehr direkten Lenkung ausgerüstet.

Die Parkplatzsuche für das 4,27 Meter lange Auto ist vergleichsweise einfach, und dank Einparkhilfe steht der Wagen auch zügig in der Lücke. Das Problem ist ein anderes: Ist der Ecosport schließlich auf einen engen Stellplatz bugsiert, kommt man kaum mehr an den Kofferraum. Denn statt einer nach oben öffnenden Klappe gibt es - wegen des außen angeschlagenen Ersatzrads - eine seitlich angeschlagene Tür. Will man die öffnen, braucht man entsprechend viel Platz.

Der Illusion, es hier mit einem kleinen Offroader zu tun zu haben, fällt man besser nicht anheim. Denn außer einer etwas größeren Bodenfreiheit als etwa der Kleinwagen Fiesta hat der Ecosport keine besonderen Geländefähigkeiten zu bieten. Allradantrieb oder wenigstens eine speziell programmierte Traktionskontrolle sind nicht verfügbar. Im Grunde jedoch ist das kein Schaden, weil die meisten Kunden ihr Abenteuer ohnehin nur auf asphaltierten Strecken suchen werden.

Das muss man wissen: Zu den deutschen Ford-Händlern kommt der Ecosport vermutlich im Mai - und kostet dann mindestens 19.200 Euro. Das sind 210 Euro mehr als der billigste Opel Mokka, 3800 Euro mehr als der billigste Renault Capture und 4500 Euro mehr als der billigste Peugeot 2008.

Als Motor ist unter anderem ein 1,5-Liter-Benziner mit 112 PS verfügbar, den hierzulande allerdings kaum jemand kaufen wird. Und auch der 90-PS-Diesel (ab 21.200 Euro) dürfte keine große Rolle spielen. Die wichtigste Motorisierung ist der viel gelobte Eco-Boost-Dreizylinder-Benziner, der auch im Ecosport einen guten Job macht. Er rattert zwar ein bisschen rau wie jeder Dreizylinder, doch der Turbo macht ordentlich Dampf, so dass man im Alltagsverkehr flott dabei ist. 125 PS Leistung, 170 Nm Drehmoment und maximal 180 km/h Höchstgeschwindigkeit - das geht in Ordnung. Und auch der Verbrauch von 5,3 Litern ist tadellos, wenngleich es schon merkwürdig ist, dass ausgerechnet bei einem Auto mit dem Vornamen "Eco" sowohl Start-Stopp-Automatik als auch ein sechster Gang fehlen.

Der Ecosport basiert auf der gleichen Plattform wie die Modelle Fiesta und B-Max, von denen er einerseits die City-Notbremsfunktion, leider aber auch das überladene Cockpit übernimmt. Auch die Platzverhältnisse sind vergleichbar. Vorn sitzt man bequem, hinten noch ganz ordentlich und der Kofferraum fasst 333 Liter. Falls der Platz ausreicht, um die Hecktür ganz zu öffnen, ist der Ecosport durchaus praktisch, denn die Ladekante ist etwas niedriger als bei der Konkurrenz.

Das werden wir nicht vergessen: Mini-SUVs sind gerade groß in Mode, doch den Ecosport wird man weder als modernes noch als modisches Auto in Erinnerung behalten. Vom feinen Motor einmal abgesehen, fehlt es an allen Ecken an etwas Pep. Die Grafiken des Infotainment-Systems ahmen den Arcade-Style der frühen Neunziger nach, das Interieur besteht weitgehend aus tristen Plastikwüsten, dazu gibt's dünne Sitze und ein graues Einerlei. Ein Lifestyle-Flitzer? Thema verfehlt.

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insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
jules16v 14.12.2013
1.
Zitat von sysopFordDie Leute wollen Mini-SUVs und Ford gibt ihnen den als "Weltauto" konzipierten Ecosport. Entwickelt in Brasilien und gebaut in Indien, soll er jetzt auch in Deutschland Kleinwagenkäufer mit Offroad-Attitüde locken. Die sollten vor allem anspruchslos sein, denn Überraschendes bietet der Wagen nicht. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/ford-ecosport-auch-ford-mischt-nun-im-segment-der-mini-suvs-mit-a-938039.html
Das klingt nach Erfolgsrezept! Da werden Erinnerungen an den Lada Riva wach: 60er Jahre FIAT-Technik, die von den Russen "verbessert" wurde und jetzt von Ägyptern zusammengeschustert wird. Lecker...
kraftmeier2000 14.12.2013
2. igitt
wie häßlich! Mehr gibt es da nicht zu sagen.
alexanderkoenig1960 14.12.2013
3. Perfekt....
...für die anspruchslosen Märkte in Indien, Pakistan und USA.
EvaBaum 14.12.2013
4. Mehr Schein als der erste sein.
Zitat von jules16vDas klingt nach Erfolgsrezept! Da werden Erinnerungen an den Lada Riva wach: 60er Jahre FIAT-Technik, die von den Russen "verbessert" wurde und jetzt von Ägyptern zusammengeschustert wird. Lecker...
Blödsinn, der Lada NIVA hat immerhin einen perekten Allradantrieb, ist für 11000€ zu haben und als Jägerauto sehr beliebt. Der Ford dagegen ist ein aufgemotzter und überteuerter Kleinwagen, mehr Schein als sein!
fessi1 14.12.2013
5. kann nicht sein was nicht sein darf
besser als mokka? darf nicht sein, weil nicht aus D. so jedenfalls klingt der text. 4,27m und man bekommt die Hecktür nicht auf? wie kurz sind denn die redaktionsparkplätze? ach so, den wagen gar nicht getestet, nur abgeschrieben. die bilder sind zumindest aus der werbebroschüre. ps. warum steht im text 19200€ und im Steckbrief 20.200€?
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