Ford Fiesta Aufgebrezelter Kleinwagen mit großem Durst

Sechs Generationen lang war der Ford Fiesta ein braver Kleinwagen. Unscheinbar, aber in allen wichtigen Belangen auf der Höhe der Zeit. Die neue, siebte Generation bricht mit dieser Gewohnheit: Optisch wurde das Auto ordentlich aufgebrezelt - und zwar außen wie innen.

Martin Smith, der Designchef von Ford in Europa, kann sehr engagiert über Kinetic-Design sprechen - schließlich hat er diese Formensprache für die Marke erfunden. Es gehe um "Bewegung schon im Stand" und um "ausdrucksstarke Dynamik", erläutert Smith. Und auch wenn man manche dieser Erklärungen für übertrieben hält, so muss man doch konstatieren: Ford-Modelle sehen seit einer Weile wieder richtig knackig und modern aus. Das war über Jahre nicht so, als die Optik der Autos eher rundlich, füllig und oft beliebig war. Jetzt dagegen geht es zackig zur Sache - wie man schon beim ersten Blick auf den neuen Fiesta erkennt.

Ob man nun die stark in die Länge gezogenen Scheinwerfer, den großen, trapezförmigen Kühllufteinlass oder die Blechfurche in der Flanke mag oder nicht - dieser Fiesta ist der wohl auffälligste Typ im Kleinwagenumfeld seit es die Baureihe gibt, also seit 1976. Den Kunden sagt die aufgebrezelte Karosserie offenbar auch zu. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres lag der Wagen laut Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamts in Flensburg mit 11.634 Exemplaren auf Platz drei der Kleinwagenklasse; hinter dem VW Polo und nur hauchdünn hinter dem Skoda Fabia. Die Gefahr einer solchen extrovertierten Optik ist jedoch der rasche Abnutzungseffekt. Möglicherweise sieht das Auto viel eher alt aus, als ein Modell, das von vornherein dezenter gestaltet ist.

Nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Kreativen bei Ford nicht nur die Außenhaut des Fiesta fesch frisiert, sondern auch im Innenraum neue Formen durchgesetzt haben. Die Mittelkonsole ragt wie ein kleiner Pfeil hervor, und die beiden Rundinstrumente des Cockpits erhielten jeweils eigene Einfassungen. Die kleine Anzeige dazwischen ist zwar nicht besonders hübsch, aber wenigstens besser ablesbar als bei früheren Fiesta-Typen, deren miniaturisierte Cockpit-Anzeigen mitunter Rätsel aufgaben.

Was aber vor allem auffällt, wenn man sich eine Weile im Fiesta aufhält und dies und das ausprobiert und drückt und verstellt ist dies: Das ganze Auto wirkt ordentlich verarbeitet, weil sich bei der Bedienung eben auch die kleinen Schalter und Drehknöpfe grundsolide anfühlen. Und das Ensemble aus drei Rundschaltern für Gebläse und Klimaanlage beweist, dass sich auch schon tausendfach modellierte Tastenkombinationen immer noch ein bisschen smarter und hübscher gestalten lassen.

So hübsch das Ambiente, so eng wirkt der Innenraum

3,95 Meter ist der Fiesta lang, und das ist ein ganz ordentliches Format für einen Kleinwagen. Leider, und hier kommt das erste Manko des Autos, spürt man im Innenraum nichts davon. Es geht ziemlich eng zu, vor allem auf den Rücksitzen. Dass das nichts mit den Außenmaßen zu tun hat, beweisen andere Autos dieses Formats, die ein großzügigeres Raumgefühl vermitteln und insgesamt luftiger sind. Möglicherweise tragen zur beengten Atmosphäre im Fiesta auch die kleinen hinteren Scheiben und die ebenfalls arg klein geratene Heckscheibe bei.

Das macht den Fond nicht nur düster, sondern bedeutet auch eine mangelhafte Rundumsicht. Die aufpreispflichtige Einparkhilfe (355 Euro hinten, 455 Euro vorne und hinten) dürfte sich verkaufen wie geschnitten Brot. Und weil wir gerade bei den kostenpflichtigen Extras sind: Wer den Fiesta nicht gerade in Weiß oder Dunkelblau fahren möchte, muss ebenfalls extra zahlen, denn der Lackton Colorado-Rot (140 Euro), sämtliche Metallic-Farben (420 Euro) sowie die Himbeerbonbonfärbung namens Hot Magenta (630 Euro) werden gesondert berechnet.

Wesentlicher für die Kalkulation dürfte jedoch die Wahl des Motors werden. Hier spannt Ford den Bogen über vier Benzin-Aggregate und zwei Diesel-Triebwerke die ein Leistungsspektrum von 60 bis 120 PS abdecken. Wir fuhren das dreitürige Modell mit dem 1,25-Liter-Vierzylinder-Motor in der Version mit 82 PS und Fünfgang-Schaltgetriebe. Die Maschine gefiel uns ausgesprochen gut, denn sie arbeitet leise, unaufgeregt und zielstrebig. Als Durchschnittsverbrauch gibt Ford respektable 5,7 Liter je 100 Kilometer an. Im Stadtverkehr, wo das Testauto vornehmlich bewegt wurde, scheint der Durst des Aggregats jedoch sprunghaft anzusteigen. Am Ende ergab die Verbrauchsberechnung einen Durchschnittswert von 7,8 Liter - was eindeutig zu happig ist.

Neue Sparversion Fiesta Econetic mit 3,7 Liter Verbrauch

Immerhin hat Ford jetzt auch eine Sparversion des Fiesta ins Programm aufgenommen, nämlich das Modell Fiesta Econetic mit 90-PS-Dieselmotor. Dieses Modell soll, so verlautbart es aus Köln, im Durchschnitt mit 3,7 Liter Sprit je 100 Kilometer klarkommen und so den CO2-Ausstoß auf 98 Gramm je Kilometer drücken; derzeit fährt kein anderes Ford-Modell so umweltschonend.

Den Verbrauch des ansonsten empfehlenswerten Benziners mal ausgeblendet, ist der Fiesta ein prima Begleiter im Straßenverkehr. Die elektrische Servolenkung ist exzellent abgestimmt und vermittelt jederzeit ein präzises Lenkgefühl. Ebenso gut lässt sich das Fünfgang-Getriebe handhaben, was das Handling des Autos insgesamt zu einer sehr angenehmen Beschäftigung werden lässt. So gesehen ist das Design durchaus passend gewählt, denn das stumme Blech scheint aus jeder Perspektive dazu aufzufordern: Fahr mich doch.

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