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Ford Focus Turnier: Der Quotenbringer

Ford Focus Turnier Schicker Kombi mit Schwächen im Detail

So schnell geht es selten: Der neue Ford Focus ist kaum auf dem Markt, da folgt auch schon die Kombiversion. Das Modell Turnier ist nicht nur praktischer als der Fünftürer, sondern sieht auch besser aus. Und: Das Auto soll mehr als die Hälfte der Zulassungen ausmachen.

Manche Automarken drängen ständig ins Rampenlicht - Ford dagegen hält sich eher im Hintergrund. Fast könnte man sagen, der US-Autohersteller genießt das Schattendasein. Aber dort lebt es sich offensichtlich gut: Weltweit fuhr der Konzern 2010 einen Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar ein, in Europa verbesserte sich das Ergebnis im ersten Quartal 2011 von 186 auf 293 Millionen Dollar, die Neuzulassungen in Deutschland sind um 20 Prozent gestiegen. Das liegt auch am neuen Kompaktwagen Ford Focus.

Das neue Weltauto, das unter Federführung der deutschen Zentrale in Köln entwickelt wurde und rund um den Globus reüssieren soll, trifft offenbar den Geschmack der Kunden. "Der neue Focus ist ein Senkrechtstarter", sagt Wolfgang Booms, Vertriebschef der deutschen Ford-Werke. Binnen weniger Wochen registrierten die Händler 10.000 Bestellungen. Dabei ist die wichtigste Modellvariante noch gar nicht am Start. Der Kombi nämlich, der bei Ford Turnier heißt. Das Auto mit dem Ladeheck, das hierzulande traditionell mehr als die Hälfte der Zulassungen ausmacht, kommt erst jetzt zu den Händlern. 31.000 der für dieses Jahr geplanten 57.000 Focus-Typen sollen auf diese Karosserievariante entfallen.

Der Wagen kostet in der billigsten Variante 18.600 Euro und ist damit lediglich 750 Euro teurer als der Fünftürer. Dafür gibt es gut 20 Zentimeter mehr Auto, denn mit 4,56 Metern ist der Kombi bei unverändertem Radstand deutlich länger als der normale Focus. Das schafft Platz für Kisten oder Koffer: 476 Liter fasst das Gepäckabteil, über dem das Rollo nun per Fingertipp zurückschnurrt. Legt man die Rücksitzbank um und stapelt das Ladegut bis unters Dach, schluckt der Kombi bis zu 1515 Liter. Und wem auch das noch nicht genügt, kann bis zu 1500 Kilogramm in einem Anhänger an dem Haken mitnehmen.

Auf den ersten Blick ist der Focus damit das perfekte Gefährt für Familien und Handlungsreisende. Der Wagen ist geräumig, die Ladekante angenehm niedrig, der Boden des Kofferraums eben sowie mit Zurrösen bestückt, und die Seitenwände sind sauber geglättet. Obendrein sieht das Kombiheck mit der relativ steil stehenden Klappe und den waagerechten Rückleuchten auch noch besser aus als die Kehrseite des Fünftürers.

Einige Nachlässigkeiten findet man dann doch

Doch wer genauer hinschaut, entdeckt schnell die Stellen, an denen sich der Kostendruck bemerkbar macht: Dass die Dachreling beim Basismodell 200 Euro Aufpreis kostet, kann man verschmerzen. Dass man aber nur mühsam ins Souterrain des Kofferraums vordringt, die Rückbank nicht drei-, sondern nur zweigeteilt ist und dass Details wie Taschenhaken oder variable Raumteiler im Fond fehlen, hätte man bei einem ansonsten so gelungenen Auto nicht erwartet.

Denn beim Blick auf den Rest der Ausstattungsliste kommt man aus dem Staunen kaum heraus. Wie bis vor kurzem nur Autos der gehobenen Mittelklasse, bietet der Focus eine Fülle an Assistenzsystemen, die den Fahrer unterstützen sollen. Verfügbar ist beispielsweise eine Videokamera für die Verkehrszeichenerkennung, ein Spurführungsassistent, eine Überwachung des toten Winkels, ein automatisches Abstandhaltesystem und eine Automatik, die ein Bremsmanöver einleitet, bevor es im Stadtverkehr zum Auffahrunfall kommt. Um all das und dazu noch Klima-, Musik- und Navigationsanlage zu bedienen, gibt es zahlreiche Knöpfe und Schalter. So wirkt der Platz rund um den Fahrer ziemlich überfrachtet und das Lenkrad so überladen, dass man ohne das Handbuch kaum durchblickt.

Was die Motoren betrifft, unterscheidet sich der Kombi nicht von seinen Focus-Brüdern. Es gibt vier Dieselaggregate von 95 bis 163 PS und vier Benzinmaschinen von 105 bis 182 PS. Eine spezielle Spritsparversion mit einem neu entwickelten und auf 3,5 Liter Durchschnittsverbrauch pro 100 Kilometer gedrosselten Selbstzünder wird erst nächstes Jahr nachgereicht. Vorerst lautet die Devise Sportlichkeit. Das Top-Triebwerk ist der neue 1,6-Liter-Ecoboost-Benziner mit Direkteinspritzung und Turbolader, das 182 PS und maximal 240 Nm entwickelt.

Die 1,6-Liter-Motoren erhalten durchweg eine Start-Stopp-Automatik

Knackig und dennoch ausreichend komfortabel abgestimmt, mit einer direkten, vielleicht etwas zu leichtgängigen Lenkung, und von einem angenehmen Klangbild begleitet, beschleunigt der Kombi in 8,1 Sekunden auf Tempo 100 und wird mit maximal 222 km/h zum Eiltransporter. Dass der Motor zumindest auf dem Prüfstand mit 6,0 Litern Durchschnittsverbrauch zufrieden ist, verdankt er neben dem Downsizing-Prinzip unter anderem einer Start-Stopp-Automatik, die nun endlich auch bei Ford im großen Stil Einzug hält. Alle Varianten mit 1,6-Liter-Motor nutzen diese Technik.

Der Focus ist ein rundherum modernes Auto geworden, und bei den Assistenzsystemen der Konkurrenz sogar ein Stück voraus. Und er verzichtet auf neuzeitliche Marketingsperenzchen. Während Opel den Kombi-Beinamen Caravan über Bord warf und die Autos mit dem langen Heck nun Sportstourer nennt, bleiben die Kölner bei der gewohnten Nomenklatur. Vertriebschef Booms: "Kombis heißen bei uns konsequent Turnier."

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