Ford Galaxy 2.2 TDCI Übersichtliche Wuchtbrumme

Ein neuer Selbstzünder soll das Dieselportfolio von Ford ergänzen. Der für Mondeo, S-Max und Galaxy erhältliche Motor bietet mehr Leistung bei nur gering gestiegenem Kraftstoffverbrauch. SPIEGEL ONLINE war im Galaxy unterwegs - und klemmte sich beinahe die Finger ein.


In der Marktwirtschaft gilt das Prinzip der Gewinnmaximierung – der Ertrag soll in jedem Jahr gesteigert werden. Ähnlich verhält es sich mit den Leistungsdaten bei Automodellen. Vor gar nicht allzu langer Zeit waren Autos mit einer Leistung von 100 PS noch eher selten, heute sind sie weit verbreitet. Und die Leistungsgrenze wird immer weiter nach oben verschoben – wie Ford mit einem neuen 2,2-Liter-Turbodiesel zeigt. Der neuentwickelte, 175 PS starke Motor kommt jetzt in den Modellen Mondeo, S-Max und dem Van Galaxy zum Einsatz und rundet die Dieselmotoren-Palette der Kölner nach oben ab. Sie sind serienmäßig mit einem wartungsfreien Rußpartikelfilter ausgestattet und zu Preisen ab 30.250 (Mondeo), 31.750 (S-Max) und 33.250 Euro (Galaxy) erhältlich.

Doch das Leistungswachstum hat auch Grenzen, denn das Plus an Power soll nicht mit einem zu hohen Kraftstoffverbrauch bezahlt werden. Die Entwickler haben deshalb ein durchaus sparsames Aggregat gebaut. "Der Verbrauch liegt beim Galaxy im Durchschnitt bei 6,7 Litern pro 100 Kilometer", sagt Ford-Sprecher Wolfgang Riecke. Bei der rund 60 Kilometer langen Testfahrt über die kurvigen Landstraßen der Eifel und einer Passage auf der Autobahn zeigte sich, dass dieser Wert durchaus realistisch ist – der Bordcomputer meldete bescheidene 6,4 Liter. Allerdings muss der Fahrer das Gaspedal sehr dezent bedienen, um solche Verbrauchswerte zu erreichen. Und das fällt manchmal schwer, denn mit dem kräftigen Dieselmotor bringt flotteres Fahren Spaß, auch ohne dass der Fahrzeuglenker gleich zum Raser mutiert.

Stärkere Motoren sind nicht immer sinnvoll

Theoretisch wäre sogar noch mehr Power möglich gewesen, etwa durch einen zweiten Turbolader. Aber die Verantwortlichen bei Ford sind sich offenbar bewusst, dass ein noch stärkerer Selbstzünder in den eher konservativen Modellreihen Mondeo, S-Max und Galaxy wenig Sinn macht. "Wir erwarten, dass sich in Zukunft zwischen 11 und 15 Prozent der deutschen Kunden dieser Baureihen für den neuen Motor entscheiden", sagt Riecke. In diesem Jahr sollen noch rund 7900 Maschinen gebaut werden. "Ein Plus an Leistung bedeutet auch einen höheren Kaufpreis. Deshalb müssen wir vor der Entwicklung abwägen, ob es sinnvoll ist, noch stärkere Motoren anzubieten", erklärt Rudolf Menne, Direktor des Ford-Forschungszentrums in Aachen.

Mit dem 2,2-TDCi-Motor haben die Ingenieure ein überzeugendes Aggregat gebaut. Zwar bietet auch Peugeot einen 170 PS starken 2,2-Liter-Dieselmotor mit einem maximalen Drehmoment von 370 Nm für den Van 807 an. Allerdings erzeugt der Ford-Diesel mit bis zu 420 Nm ein deutlich höheres Drehmoment, das gerade bei einem Selbstzünder für Fahrdynamik sorgt. Entscheidender ist allerdings, dass der Ford Galaxy auf 100 Kilometer 0,5 Liter weniger Kraftstoff verbraucht als der vergleichbare Peugeot. Dafür verantwortlich sind unter anderem ein neues Design des Zylinderkopfes und die sechsstufige Common-Rail-Einspritzung. Außerdem wurde die Form der Luftleitschaufeln des Turboladers so gestaltet, dass schon bei niedrigen Drehzahlen genug Leistung erzeugt wird.

Schöne Aussichten

Eine Fahrt im Galaxy ist entspannt. Durch die erhöhte Sitzposition haben die Insassen eine gute Sicht auf den Straßenverkehr. Auch die Rundumsicht ist passabel und wird nicht durch Streben oder Säulen behindert. So lässt sich der Van problemlos durch enge Straßen oder in Parklücken steuern. Bei der Testfahrt durch die Eifel machte sich allerdings das mit 1840 Kilogramm recht hohe Gewicht des wuchtigen Fahrzeugs bemerkbar. Der Motor hat damit keine Schwierigkeiten, vielmehr sorgt der hohe Schwerpunkt dafür, dass man sich in engen Kurven wie in einem Cocktail-Mixer fühlt. Damit in solchen Situationen keine Gegenstände, wie zum Beispiel Mobiltelefone, MP3-Player oder Sonnenbrillen durch den Fahrgastraum fliegen, sollte man diese Dinge in den zahlreichen Ablagemöglichkeiten verstauen. Besonders praktisch sind dafür die fünf Staufächer in der Dachkonsole.

Wer mit dem Galaxy als Siebensitzer unterwegs ist, hat wenig Platz im Kofferraum. Mit einem flexiblen Sitzsystem soll es schnell und unkompliziert möglich sein, die zweite und dritte Sitzreihe so umzulegen, dass ein ebener Laderaumboden und bis zu 2325 Liter Gepäckraumvolumen entstehen. Wer dieses Sitzklapp-System allerdings zum ersten Mal bedient, könnte Angst um seine Finger bekommen. Denn die Handhabung der Mechanik ist alles andere als intuitiv oder einfach und erfordert das Studium der Bedienungsanleitung.

Neue Ausstattungsvarianten

Nicht nur der Motor ist neu in Fords Großraumlimousine. Gleichzeitig wird für den Galaxy die Ausstattungsvariante Titanium eingeführt. Die bietet unter anderem Extras wie adaptives Kurvenlicht, ein Fahrerinformationssystem und Leder-Alcantara-Polsterung. Ebenfalls neu ist die Titanium-S-Ausstattung für den Mondeo und S-Max, die eine sportlich elegante Atmosphäre ausstrahlen soll. Sie verfügt etwa über Zierteile in Karbon-Optik und Sportsitze mit Leder-Alcantara-Bezügen. Das sieht zwar auf den ersten Blick schick aus, doch besonders auf den Zierteilen mit Klavierlack fällt jeder Fussel deutlich auf. Immerhin: Die Titanium-S-Ausstattung gibt es nicht in der Wuchtbrumme Galaxy. Das wäre dann doch eine Nummer zu dick aufgetragen.



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