Ford Maverick Ein Typ für die Südstaaten

Gebaut wird das Auto in Kansas City, im Mittleren Westen der USA. Gefahren wird der neue Ford Maverick in Deutschland wohl vor allem in den Südstaaten. Denn was die Zulassungen geländegängiger Autos betrifft, herrscht zwischen Flensburg und Füssen ein deutliches Gefälle.

Von Jürgen Pander


Gezeigt wurde der neue Maverick jetzt in Köln. Auf kurvigen Eifelstraßen im Südwesten der Stadt und im gigantischen Braunkohle-Tagebaurevier Hambach, dem größten Loch der Erde, stellte Ford seinen Neuzugang im Segment der kompakten Offroader vor. Die Kombination der Schauplätze war mit Bedacht gewählt. "Der Wagen bietet hundert Prozent onroad Fahrspaß und hundert Prozent offroad Tauglichkeit", erklärte Bernhard Mattes, stellvertretender Vorstandschef der Ford Werke AG.

Ford Maverick Limited V6: Optik ist nicht das Problem des Maverick, schon eher das Motorenangebot

Ford Maverick Limited V6: Optik ist nicht das Problem des Maverick, schon eher das Motorenangebot

Bullig und robust steht der in den USA (dort heißt der Wagen Escape) und Japan (bei der Konzern-Tochter Mazda) entwickelte Maverick auf den Rädern. Die Stoßfänger aus mattem Kunststoff signalisieren Einsatzwillen, die leicht ausgestellten Radhäuser vermitteln den Eindruck eines kräftigen Automobils. Ansonsten hebt sich der neue Ford aus dem inzwischen breiten Angebot an Kompakt-SUV-Modellen (Sport Utility Vehicles) nicht großartig heraus. Irgendwie sehen diese Autos ein bisschen bullig und bodenständig aus.

Doch die Optik ist nicht das Problem des Maverick, schon eher das Motorenangebot. Es gibt den Wagen ab dem Verkaufsstart am 27. Juli lediglich mit zwei Benzinern: Einem 2-Liter-Vierzylinder (124 PS/91 kW) und einem V6-Aggregat (197 PS/145 kW). Die Frage nach einem Dieselmotor quittieren die Verantwortlichen bei Ford mit verständnisvollem Schulterzucken. Wohl erst 2003, heißt es, werde ein Common-Rail-Selbstzünder im Maverick erhältlich sein.

Außerdem soll der Wagen dann auch als Hybrid-Fahrzeug mit einer Kombination aus Benzin- und Elektromotor angeboten werden. Um erste Fahreindrücke zu sammeln, waren wir mit dem Topmodell V6 Limited unterwegs. Diese Maschine ist ausschließlich in Verbindung mit einem Viergang-Automatik-Getriebe erhältlich, während der Vierzylinder stets mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe kombiniert wird.

Die Automatik, die per Lenkstockhebel bedient wird, hinterließ einen etwas faden Eindruck. Denn die Dynamik, die in dem knapp 200 PS starken V6-Triebwerk steckt, kam ein wenig gedämpft bei den Antriebsrädern an. Kein Zweifel: Der 1,6-Tonner zieht hurtig los, wenn man aufs Gas tritt; besonders elastisch aber reagiert er beim normalen "mitschwimmen" auf der Autobahn nicht.

Tadellos ist die Straßenlage des Autos. Der Maverick fährt sich wie ein Pkw - und das ist wohl ein dickes Kompliment für einen Geländewagen, der ja auch für den Einsatz auf unbefestigtem Untergrund konzipiert wurde.

Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: Maverick Limited V6
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V6-Benziner
Hubraum: 2.967 ccm
Leistung: 197 PS (145 kW)
Drehmoment: 265 Nm
Von 0 auf 100: 10,5 s
Höchstgeschw.: 181 km/h
Verbrauch (ECE): 12,8 Liter
CO2-Ausstoß: 303 g/km
Kofferraum: 490 Liter
umgebaut: 1.830 Liter
Versicherung: 23 (HP) / 34 (TK) / 21 (VK)
Preis: 29.375 EUR
Ford setzt beim Fahrwerk auf Einzelradaufhängung, eine servounterstützte Lenkung, vorne Scheiben- und hinten Trommelbremsen mit ABS und EBD (elektronischer Bremskraftverteilung) sowie 235er Reifen auf 16-Zoll-Leichtmetallfelgen. Die Pneus am Topmodell stammen übrigens - dies ist nach den jüngsten Reifen-Querelen des Konzerns sicher erwähnenswert - von Continental.

An den Vierzylinder-Varianten sind Goodyear-Gummis aufgezogen. Der Allradantrieb gehorcht den in dieser Klasse üblichen Spielregeln. Das bedeutet, dass normalerweise nur die vorderen Räder angetrieben werden. Verlieren diese an Grip, so wird automatisch und stufenlos die zusätzliche Kraftverteilung an die Hinterräder eingeleitet - bis zu einer maximalen Verteilung des Drehmoments von 50:50.

Innenansicht: Die Ausstattung des Maverick-Topmodells kann sich sehen lassen

Innenansicht: Die Ausstattung des Maverick-Topmodells kann sich sehen lassen

In diesem Verhältnis arbeitet auch der permanente Allradantrieb, der per Drehknopf im Cockpit eingeschaltet werden kann. Die Ausstattung des Maverick-Topmodells kann sich sehen lassen. Front- und Seitenairbags, Klimaanlage, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, Diebstahl-Alarmanlage, elektrische Fensterheber rundum, Radio, elektrisch verstellbarer Fahrersitz, Tempomat, Lederlenkrad und Lederpolsterung sowie ein Schiebe- und Hubdach aus Glas sind ab Werk eingebaut. Außerdem kann die Rückscheibe separat geöffnet werden, was immer dann sinnvoll ist, wenn nur Kleinigkeiten ein- oder ausgeladen werden sollen.

Während beim Topmodell nur noch Metallic-Lack (Aufpreis 753 Mark) und diverse Styling-Pakete in der Liste mit den Extras stehen, kann der Maverick auch etwas weniger gut bestückt geordert werden. In der Grundversion mit Vierzylindermotor kostet der Wagen 45.962 Mark. In diesem Jahr möchte Ford noch 2500, im kommenden vollen Jahr dann rund 4000 Exemplare in Deutschland verkaufen. Wie es aussieht, vor allem in den Südstaaten.



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