Ford Mondeo Auf dem Weg zum Millionär

Der Ford Mondeo läuft: In Deutschland wurden bislang rund 940.000 Exemplare verkauft. Allerdings gilt der Opel Insignia als ernstzunehmender Wettbewerber und, demnächst wird ein komplett neuer VW Passat vorgestellt. Da passt es gut, dass der Mondeo nun überarbeitet wurde.

Ford

2009 war das Jahr des Opel Insignia - das Kraftfahrt-Bundesamt zählte mehr als 36.000 Neuzulassungen in Deutschland. Und in einigen Wochen wird auf dem Autosalon in Paris der neue VW Passat vorgestellt - ohnehin einer der Platzhirsche in der automobilen Mittelklasse hierzulande. Dennoch gibt sich Wolfgang Booms, Verkaufschef der Kölner Ford-Werke, ganz gelassen. "Als die Modellreihe Mondeo vor 17 Jahren auf den Markt kam, war sie ein Senkrechtstarter, und der Höhenflug hält weiter an", sagt er. In Deutschland wurden seither rund 940.000 Exemplare des Typs verkauft.

Jetzt peilt die Baureihe hierzulande die Millionen-Marke an - und wurde, unter anderem, um dieses Ziel möglichst rasch zu erreichen, jetzt überarbeitet. Optisch erkennt man das am modifizierten Kühlergrill, an den LED-Tagfahrleuchten sowie im Innenraum an der veränderten Mittelkonsole sowie den hübscheren Türverkleidungen und Sitzpolstern. Entscheidender aber ist die neue Technik. Die Liste der Extras ist nun länger denn je: Elektrische Assistenzsysteme für Spurwechsel und Spurführung stehen bereit, ein Alarmsignal bei Anzeichen von Müdigkeit beim Fahrer, automatisches Fernlicht, Abstandsregelung, elektronisches Tempolimit - mit derartigen, aufpreispflichtigen Details lässt sich der Mondeo ab sofort aufrüsten.

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Ford hat auch die Motoren überarbeitet: An der Spitze der künftig fünf Benziner-Varianten steht ein Vierzylinderaggregat aus der so genannten EcoBoost-Familie, der mit 240 PS doppelt so viel leistet wie das Basistriebwerk. Mit Direkteinspritzung, Turbolader und bis zu 360 Nm Drehmoment bringt er den Mondeo rasch in Fahrt. Bis Tempo 100 vergehen 7,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 246 km/h. Und als Getriebe ist eine feine Doppelkupplungsautomatik an Bord.

Auch die Dieselvarianten machen Dampf. Zu den bislang drei Zweiliter-Motoren mit Leistungen von 115 bis 163 PS, kommt nun noch ein 2,2-Liter-Selbstzünder mit 200 PS und 450 Nm. Der stärksten Selbstzünder aus Köln knurrt im unteren Drehzahlbereich zwar grimmig, geht dafür aber kraftvoll an die Arbeit. Ein Sprintwert von 8,1 Sekunden und ein Spitzentempo von 230 km/h geben, mit Verstand eingesetzt, ein hohes Maß an Gelassenheit hinterm Steuer.

Sparsamkeit ist offenbar kein vorherrschendes Thema

Was dabei zu kurz kommt, ist das Spritsparen. Eine Start-Stopp-Automatik wie bei BMW und Mercedes oder wie demnächst im VW Passat sucht man bei Ford derzeit noch vergebens. Und auch von einer Hybrid-Lösung bei Ford ist bislang nicht die Rede. Was es gibt, sind Schalthinweise im Cockpitinstrument und ein eher überflüssiges Öko-Spiel im Bordcomputer, bei dem sparsame Gemüter während der Fahrt Blumen-Punkte sammeln können. Aus technischer Sicht gibt es einen variablen Kühllufteinlass, der den cW-Wert minimiert, und eine Regelung, mit der die Lichtmaschine vor allem beim Verzögern aktiv ist und so eigentlich überschüssige Energie sinnvoll zurück gewinnt. Das Resultat dieser Maßnahmen: Der sparsamste Mondeo ist im Schnitt mit 5,3 Litern zufrieden, der stärkste Diesel mit 6,0 Liter, und der 240-PS-Benziner kommt im Normzyklus mit 7,7 Litern aus.

Mit den starken Motoren und den vielen elektrischen Assistenzsystemen positioniert Ford den Mondeo nicht nur gegen traditionelle Konkurrenten wie Opel Insignia und VW Passat, sondern kann auch manch noblerem Wettbewerber Paroli bieten. Und das nicht nur in der Theorie. Die so genannte Eroberungsrate des Autos - damit sind alle jene Mondeo-Käufer gemeint, die zuvor ein Fabrikat eines anderen Herstellers fuhren - liegt nach Ford-Angaben bei fast 50 Prozent. Verkaufschef Booms sagt, es seien auch zahlreiche Ex-Kunden der süddeutschen Premium-Hersteller darunter.

Ford drängt auch mit den Preisen in höhere Regionen

Die dürften sich nicht nur in punkto Ausstattung beim Ford Mondeo heimisch fühlen, sondern auch beim Preisniveau. Mit einem der stärkeren Motoren, der besten Ausstattung und allen Extras klettert der Mondeo-Preis nämlich nahe an 50.000 Euro. Volkstümlich ist das längst nicht mehr.

Offenbar ist das den Ford-Verantwortlichen bewusst, und deshalb gibt es auch neue Editionsmodelle, mit denen das Auto um rund 1200 Euro günstiger wird als bislang. Konkret heißt das: Die Fließheck-Variante ist ab 22.590 Euro im Angebot, der Kombi für 23.590 Euro. Die klassische Limousine dagegen sucht man in der neuen Preisliste vergebens. Schon bislang kaum mehr gefragt, wird sie mit der Überarbeitung jetzt aus dem deutschen Verkaufsprogramm gestrichen.

Mindestens genauso interessant wie der Vergleich der alten und neuen Preise ist der Blick in die Tabellen von VW: Gegenüber dem Passat ist ein vergleichbarer Mondeo nämlich um teilweise mehr als 3000 Euro billiger. Selbst wenn der neue VW Passat nicht teurer würde, geht dieser Vorteil also nach Köln.

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insgesamt 5 Beiträge
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Tuennemann, 01.09.2010
1. Ford
Auch wenn die Preise etwas angehoben wurden, hat Ford gegenüber den Mitbewerbern, immer noch ein besseres Preis - Leistungs Verhältnis und die Qualität stimmt auch.
musterelf 01.09.2010
2. Von Äpfeln und Birnen
Man sollte schon fair bleiben: Der im Artikel erwähnte Maximalpreis von 50.000 Euro für einen Mondeo gilt für die Topmotorisierung mit absoluter Vollausstattung. Sicher, das ist ein Haufen Geld. Aber der Vergleich mit der Premium-Konkurrenz hinkt doch gewaltig. Mal abgesehen von Prestige und Status und meinetwegen auch Material- und Verarbeitungsqualität: In Sachen Raumangebot, Ladevolumen und Fahrzeuggröße bewegt sich der Mondeo eher auf Augenhöhe mit BMW 5er, Mercedes E-Klasse oder Audi A6 - und nicht mit einem 3er, einer C-Klasse oder dem A4. Und bei der Premium-Oberklasse sind 50.000 Euro gerade mal etwas mehr als die Einstiegssumme...
rainer24 01.09.2010
3. Wie wird gerechnet?
Die Kosten eines Fahrzeuges rechnen sich nicht nur aus den Anschaffungskosten. Die Unterhaltskosten müssen ebenfalls Beachtung finden. Auch der Wiederverkaufswert nach x-Jahren spielt eine Rolle. Ob dann der Mondeo immer noch günstiger ist, als seine Mitbewerber, kann man noch nicht wissen. Zudem sind die Profile der Käufer unterschiedlich. Alle zwei Jahre was Neues oder doch länger oder bis zum Schluss fahren? Als Jahreswagen oder Leasingrückläufer kaufen, erst mit fünf oder gar zehn Jahren? Letztendlich muss jeder selbst wissen, was er möchte und was er sich leisten kann.
netzo, 02.09.2010
4. Nur der Sprit...
Fast 30 Jahre lang war ich sehr zufriedener Fahrer von Ford: Taunus Turnier, Sierra Turnier, Transit und Mondeo Turnier. Die Fahrzeuge waren immer komfortabel und vor allem geräumiger als die vergleichbaren Autos der Mitbewerber. Und das bei oft wesentlich günstigerem Preis, auch wenn's mal die gehobene Ausstattungsklasse wie im Sierra und Mondeo war. Nur eines hat mich immer masslos enttäuscht: Der Spritverbrauch der Fords lag trotz nicht scharfer Fahrweise meist wesentlich über den Herstellerangaben. Hier wurde schamlos gelogen (ich weß, das ist so üblich...). Dennoch war hier der Verbrauchsunterschied zur beworbenen Angabe meist deutlich über dem der Fahrzeuge anderer Hersteller. Und wenn ich meine Erfahrung und den Vergleich zu den damaligen Prospektangaben und deren hoffnungslos falschen und illusorischen Verbrauchswerten heranziehe, dann werden aus den im Artikel angegeben 5,3 Liter wohl eher 7,5 bis 8 Liter werden, auch bei sparsamer Fahrweise. Aber ich hoffe, die Kölner feiern bald die Million. Ich gönne es ihnen.
berlin_jens, 02.09.2010
5. Verbrauch
Zitat von netzoFast 30 Jahre lang war ich sehr zufriedener Fahrer von Ford: Taunus Turnier, Sierra Turnier, Transit und Mondeo Turnier. Die Fahrzeuge waren immer komfortabel und vor allem geräumiger als die vergleichbaren Autos der Mitbewerber. Und das bei oft wesentlich günstigerem Preis, auch wenn's mal die gehobene Ausstattungsklasse wie im Sierra und Mondeo war. Nur eines hat mich immer masslos enttäuscht: Der Spritverbrauch der Fords lag trotz nicht scharfer Fahrweise meist wesentlich über den Herstellerangaben. Hier wurde schamlos gelogen (ich weß, das ist so üblich...). Dennoch war hier der Verbrauchsunterschied zur beworbenen Angabe meist deutlich über dem der Fahrzeuge anderer Hersteller. Und wenn ich meine Erfahrung und den Vergleich zu den damaligen Prospektangaben und deren hoffnungslos falschen und illusorischen Verbrauchswerten heranziehe, dann werden aus den im Artikel angegeben 5,3 Liter wohl eher 7,5 bis 8 Liter werden, auch bei sparsamer Fahrweise. Aber ich hoffe, die Kölner feiern bald die Million. Ich gönne es ihnen.
Ich hatte mal nen Focus 1.6 Diesel - da waren die angegebenen Verbrauchswerte in etwa zu erreichen, allerdings schon mit sehr gemächlicher Fahrt - Außerorts war der Focus meiner Erinnerung nach mit 3,9 oder 4,0 Litern angegeben - 4,1 habe ich auch mal geschafft - mit 100,110 kmh über die Autobahn. Was mich allerdings dann zunehmend von Ford abgehalten hat, war die äußerst lausige Vorstellung Berliner Fordwerkstätten. Jetzt fahre ich einen KIA Ceed Kombi mit 7 Jahren Garantie und bin zufrieden (bis auf den Verbrauch, der liegt geringfügig über dem Focus).
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