Ford Mustang, Baujahr 1968 Kantiger Revolutionär

Regen, harzende Bäume und gesalzene Straßen mag er nicht – aber auf einer trockenen Straße beschert der Ford Mustang jedem Oldtimer-Fan Glücksgefühle. SPIEGEL-ONLINE-Leser Jan Riggert berichtet von seinem Paradepferd und verrät, wie man damit den Fitnessclub-Beitrag spart.


Das Durchschnittsalter der rund 46 Millionen Pkw in Deutschland liegt bei knapp acht Jahren, doch einige Autos sind noch sehr viel älter. SPIEGEL ONLINE testet mit Hilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal berichtet Jan Riggert aus Hamburg über seinen Ford Mustang aus dem Baujahr 1968.

Jan Riggert:
Im Herbst 2005, nach dem Studium, war es endlich soweit: mein erster, fester Job. Als Belohnung musste natürlich ein passender Wagen her. Doch was bedeutet passend? Hübsch anzusehen? Niedriger Verbrauch? Zuverlässig? Billig? Alles vorgeschoben! Ein Auto ist eine Bauchentscheidung. Es muss "funken". Und das tat es bei mir bei den aktuellen Modellen irgendwie nicht. Und wenn, dann lagen sie jenseits von 100.000 Euro.

Ich erinnerte mich an meine Jugend: Da gab es so ein Auto. Ein "MuscleCar", genauer gesagt ein "PonyCar". Ein Ford Mustang der ersten Generation. Ich freundete mich recht schnell mit dem Gedanken an: So einer sollte es sein. Jedoch kräuselte jeder, dem ich davon erzählte, die Stirn: Verbrauchen die nicht unheimlich viel? In welche Werkstatt willst du denn, wenn damit was ist? Damit findest du doch nie einen Parkplatz in Hamburg!

Der Import war billiger als ein Kauf in Deutschland

Unzählige Abende verbrachte ich vor dem Computer, surfte durchs Internet, bestellte Fachliteratur. Und je mehr ich dazulernte, desto klarer wurde mir: Das war eine verdammt gute Idee.

Ich fand den Kontakt zu anderen Mustang-Enthusiasten, die mir beim Kauf sehr halfen. Denn vorschnell in den Sand setzen wollte ich mein Geld nicht. Zwei Kenner reisten in die USA und fanden dort den passenden Mustang. In Florida - genau wo ich studiert hatte. Der Wagen war kurz zuvor renoviert worden und war in einem Top-Zustand. Volltreffer. Trotz Seefracht, Zoll, Mehrwertsteuer und kleineren Umbauten für die deutsche Straßenverkehrsordnung bot der Wagen immer noch ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als viele Autos, die man in Deutschland bekommt.

Denn Schnäppchen gibt es beim Mustang kaum mehr. Dafür tummeln sich zu viele Leute in der Szene. Für ein gutes Coupé legt man etwa 15.000 Euro hin, für Cabrios und "Fastbacks" etwa 25.000 Euro, nach oben ist die Grenze natürlich offen. Erst recht, wenn man die Rennversion, den "Shelby Mustang" oder sonstige seltene Baureihen haben möchte. Dafür kann man sich dann auch schon einen neuen Ferrari leisten. Aber wer will das schon? Wertstabil sind jedenfalls alle frühen Mustangs.

Die Ersatzteillage ist blendend

Einige Monate später war er dann endlich in seinem neuen Zuhause angekommen: mein Ford Mustang Coupé aus dem Jahre 1968 mit einem wohlig klingenden 5-Liter-V8-Motor unter der Haube. PS? Genug. Höchstgeschwindigkeit? Unwichtig. Verbrauch? Etwas eben. Aber mit 13 Litern auf der Autobahn bei durchschnittlich 120 km/h geringer als ich dachte.

Sowieso wurde ich nur positiv überrascht. Auf der Autobahn knipsen mich die Leute mit ihren Fotohandys, in der Stadt strecken Passanten den Daumen hoch. Das Fahren ist stressfrei, man "cruist". Nie fiel es mir leichter, mich an die Verkehrsregeln zu halten. An der Tankstelle werde ich mit Namen begrüßt, und neben einem schönen Auto bekommt man ein schönes Hobby gleich dazu. Denn es gibt immer etwas zu erledigen, und man findet schnell den Kontakt zur netten Mustang-Szene. Die Ersatzteillage ist blendend. Es gibt im Prinzip jedes Teil neuwertig zu humanen Preisen im Internet zu bestellen. Und die gängigsten Teile haben lokale Händler auf Lager. Steuern und Versicherung sind dank Oldtimer-Bonus günstiger als beim Smart fortwo. Und das, obwohl davon jeweils einer in den Motorraum und in den Kofferraum des Mustang passen würde.

Ein Auto ist kein Gebrauchsgegenstand

Natürlich gibt es auch Dinge, an die man sich gewöhnen muss: kein Dreipunkt-Gurt, sondern Schnallen wie im Flugzeug. Scheibenbremsen ohne Bremskraftverstärker. Oder auch die nicht vorhandene Servolenkung. Da merkt man plötzlich, wie massiv 1,5 Tonnen sind, und spart den Beitrag für den Fitnessclub.

Obwohl ich in diesem Sommer nicht eine einzige Panne hatte und Tanken eine Frage der Einstellung ist, ist so ein Auto etwas anderes als ein Alltagswagen. Nur ungern würde ich nachts in St. Pauli draußen oder unter harzenden Bäumen parken. Auch nicht auf gesalzenen Straßen im Winter fahren. Und damit die nächste Restauration noch 20 Jahre Zeit hat, vermeidet man Regen, wann immer möglich.

Ein Auto ist eben kein Gebrauchsgegenstand. So revolutionär und befreiend der Mustang im Jahr 1964 für das amerikanische Volk war, so revolutionär und befreiend ist für mich das Gefühl, wenn ich mich reinsetze und den Motor starte. Jedes Mal aufs Neue.



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Rainer Girbig 27.07.2006
1. 1998er Mondeo
Hurra, endlich ist mal mein Auto dran. Ich fahre einen 1998er Mondeo 1,6 CL. Kaufgrund war im Jahre 2000 die Sicherheit. Der Mondeo hatte hinten drei vollwertige Gurtsysteme und drei Kopfstützen. Ein vergleichbarer Passat hätte in der Mitte nur einen Bauchgurt geboten. Nach einem selbstverschuldeten Unfall mit dem Vorgängerfahrzeug (Passat GL) wurde wegen der Anhebung der Versicherungsprämie die kleinste Motorversion 1,6 Liter Zetec mit 98 PS gewählt. Der Motor hat schon Mühe mit dem Wagen, besonders bei laufender Klimaanlage. Platz hat der Kombi mehr als genug, die Verarbeitung ist Ford – typisch. Irgendwo musste der Preisunterschied ja herkommen. Das nehme ich ihm nicht übel. Ärgerlich ist die mangelnde Lebensdauer von Teilen. So war nach 75.000 km ein neuer Katalysator fällig, obwohl der Wagen bei mir nie minderwertiges Benzin (er braucht Super) bekommen hat. Auch gehen die Birnen der Scheinwerfer gerne im Winter kaputt, was eine komplette Demontage der Scheinwerfer nebst Kühlergrill erforderlich macht. Der spröde Kunststoff bricht dann gerne und so musste ein Scheinwerfer bereits komplett ersetzt werden, keine billige Angelegenheit. Grundsätzlich bin ich mit dem Auto zufrieden und würde ihn mir wieder kaufen. Dann aber in einer etwas stärkeren Version. Beim aktuellen Modell gibt es den 1,6 Liter nicht mehr, er wäre mit dem noch größeren und schwereren Wagen wohl auch überFORDert. Aber ein neuer Wagen liegt noch in weiterer Ferne. Eigentlich ist der Mondeo noch im besten Alter, zumal er gerade erst 85.000 km gefahren ist. Er wird mir sicher noch treue Dienste leisten.
FaripiY, 27.07.2006
2.
---Zitat von sysop--- Was sind Ihre Erfahrungen mit alten Ford-Modellen? ---Zitatende--- Found on (the) road dead.
picard95, 27.07.2006
3.
Ford Escort BJ 1994 (genau wie der vorgestellte Mondeo). 299.000 km gefahren; - 2. Kupplung, - 1. Getriebe (wird aber langsam Zeit für das zweite Getriebe) - 3. Auspuff - 2. Satz Zündkabel - 3. Querlenker (Schwachstelle beim Ford) - 1. Kühler - 2. Wasserpumpe - 1. Motor natürlich noch. - 3. Zahnriemen Bremsen + Scheiben, Reifen etc. weiss ich nicht mehr. Ich habe schon so viele Autos liegenbleiben sehen, die wesentlich neuer waren; ich bin zufrieden mit dem Ford. Hätte die Werkstatt die Kupplung nicht falsch eingebaut, wäre ich genau 0 mal liegengeblieben! Immerhin konnte ich mit dieser falsch eingebauten Kupplung 600km fahren. Nur die Ersatzteile könnten etwas günstiger sein.
GretaMolander, 27.07.2006
4. Für Ossis Reicht Das
Imo wäre es kein Schaden, wenn alle diese Pflaumen möglichst bald vom TÜV in die ewigen Jagdgründe verfügt werden. Grauenhafte Fuhrwerke.
Rainer Girbig 27.07.2006
5.
---Zitat von picard95--- Nur die Ersatzteile könnten etwas günstiger sein. ---Zitatende--- Das stimmt. Ebenso die Werkstattpreise. Vor einigen Jahren bin ich von Ford zu ATU gewechselt, die waren etwas günstiger, fanden aber bei den Inspektionen oft Gründe für teure Reparaturen. Die vor einem Jahre beanstandete weil angeblich undichte Pumpe für die Servolenkung tut noch heute ihren Dienst ohne dass der Pegelstand auch nur im Geringsten abgesunken wäre. Inzwischen wird der Wagen in einer kleinen aber engagierten "Klitsche" gewartet und das Preisniveau hat eine erträgliche Position eingenommen. Zudem wird nur noch das repariert was wirklich kaputt ist oder zu gehen droht.
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