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Ford Transit Nugget: Die Schlafwagen-Alternative

Foto: Jürgen Pander

Ford Transit Nugget Fahren Sie fort!

Der VW California gilt hierzulande als Synonym für "kompakter Campingbus". Doch andere Hersteller haben auch schöne Camper - zum Beispiel Ford den Transit Nugget.

Im Prospekt hört sich alles ganz einfach an. "Die Sitzgruppe ist mit wenigen Handgriffen zu einem großen Bett umgebaut", steht da, und dass sich über die "Zentralelektronik alle wichtigen Funktionen steuern lassen". Dann steht man im Auto, sucht nach Entriegelungen, fingert nach Klappen, ruckelt, zerrt, drückt und dann bleibt auch noch das Display der Zentralelektronik dunkel. Der Gedanke, aus der geplanten Campingfahrt könnte ein Fiasko werden, keimt auf.

Zum Glück gibt es für solche Situationen Handbücher, dicke Wälzer, in die man normalerweise nie guckt. Jetzt schon, und prompt wird das Leben wieder schön. Denn natürlich muss die Bordelektronik mit dem rotem Spezialschlüssel aus dem Handschuhfach erst einmal angeschaltet werden. Und wenn man weiß, wo man drücken und ziehen muss (steht alles im Handbuch), ist das untere Bett in zwei Minuten schlummerbereit. Kein Zweifel mehr: es IST alles ganz einfach.

Und der Camping-Kurzurlaub mit dem Ford Transit Nugget bleibt auch unkompliziert. Was einerseits am patenten Fahrzeug liegt, das sich trotz des Gewichts von zweieinhalb Tonnen und einer Höhe von 2,80 Metern völlig problemlos und sogar ziemlich flott bewegen lässt. Logisch, denn im Motorraum steckt die 155-PS-Variante des 2,2-Liter-Dieselmotors, den Ford für den Nugget auch noch in einer 125-PS-Version anbietet. Spätestens an knackig-kurvigen Steigungen, wir waren mit dem Auto in den Ardennen unterwegs, spielt das stärkere Triebwerk seine Vorteile aus. Der Spritdurst bleibt dabei moderat. Am Ende der Reise von mehr als tausend Kilometern waren es glatt neun Liter Durchschnittsverbrauch - ein ordentlicher Wert für einen kompakten Camper.

Ein Wohnmobil, übersichtlich wie ein Pkw

Dass es Spaß macht, mit dem Nugget unterwegs zu sein, liegt auch an Kleinigkeiten, die kaum auffallen, weil man sie rasch für selbstverständlich hält. Der Knauf des Schaltgetriebes beispielsweise ragt kaum zwei Handbreit vom Lenkrad entfernt aus dem Armaturenbrett, die Außenspiegel sind extra groß und haben einen Weitwinkeleinsatz, die Sitzposition ist ohnehin hoch und weil zudem die Windschutzscheibe des neuen Transit größer wurde, ist die Aussicht exzellent. Kurzum: Der Wagen macht es einem leicht, mit ihm klarzukommen.

Dreht man die vorderen Sitze nach hinten, zum Beispiel bei einer Fahrtpause oder am Abend auf dem Campingplatz, blickt man in den Teil des Transit Nugget, für den die Firma Westfalia aus Rheda-Wiedenbrück verantwortlich ist. Seit 29 Jahren pflanzt Westfalia dem Ford Transit das Nugget-Wohnabteil auf den Rahmen - die aktuelle Version ist gewiss die bislang ausgereifteste.

Der Grundriss beschert dem Nugget eine Ausnahmestellung

Außerdem unterscheidet sie sich deutlich von den beiden Konkurrenzmodellen VW California und Mercedes Marco Polo, die mit nahezu identischen Grundrissen antreten. Der Nugget hingegen bietet ein sogenanntes Zwei-Raum-Konzept. Damit ist gemeint, dass hinter der Dreiersitzbank im Fond ein L-förmiger Küchenblock ins Auto ragt, der den Aufbau in einen Sitz-/Schlafbereich sowie einen Küchen-/Abstellbereich gliedert. Das hat den Vorteil, dass Kocher, Spüle oder Kühlschrank auch dann problemlos zugänglich sind, wenn beide Betten ausgeklappt sind - zumal durch die geöffnete Heckklappe ein direkter Zugang in die Küche und zu den Einbauschränken möglich ist. Und: In diesem Winkel des Autos kann man jederzeit aufrecht stehen, was beispielsweise das Umkleiden erheblich erleichtert.

Was dem Nugget dadurch abgeht - und was sowohl California als auch Marco Polo unter dem fest stehenden hinteren Polsterteil bieten - ist ein separater Gepäckraum. Größere Gepäckstücke wie etwa ein zusätzliches Zelt, ein Grill, Campingstühle oder eine Liege müssen im Nugget entweder in die Einbauschränke gezirkelt werden oder, wenn das nicht funktioniert, sonstwo im Auto klapper- und rutschfrei verstaut werden. Größere Staufächer unter der aufklappbaren Rücksitzbank gibt es natürlich in allen drei Campingmobilen, doch die sind üblicherweise schon von Dingen wie Außenstromkabel, Handfeger oder Wasserkanister belegt.

Dafür bietet vor allem das Bett im Obergeschoss mit Kaltschaummatratze und "punktelastischem Federsystem" erstklassigen Liegekomfort. Um leichter nach oben zu kommen, gibt es eine kleine Leiter, die bei Nichtgebrauch an der Innenseite des Kleiderschranks eingeklinkt wird. Serienmäßig ist zudem die Dreiersitzbank im Fond. Und damit der Umbau zur Schlafstätte möglichst rasch gelingt, sind die Kopfstützen nicht mit der Lehne der Sitzbank verbunden, sondern an der Rückseite einer praktischen Ablageleiste oberhalb des Küchenblocks befestigt.

Zwei Steckdosen und viele praktische Kleinigkeiten

Auf solche Ideen - und von denen gibt es zahlreiche im Wohnabteil des Nugget - kommt man wohl nur, wenn man sich seit Jahrzehnten mit dem Ausbau von Autos zu Miniferienwohnungen beschäftigt, wie Westfalia das tut. Man merkt das an der widerstandsfähigen Oberflächen des Küchenblocks, den massiven Scharnieren der Schranktüren inklusive deren abgerundeter Ecken, an den rundum mit Druckknöpfen versehenen Vorhängen zum Verdunkeln und an gleich zwei serienmäßig installierten 230-Volt-Steckdosen im Innenraum, denn zum Stromzapfen kann es in Zeiten von Camping 2.0 gar nicht genug Gelegenheiten geben.

Die Grundidee des Ford Transit Nugget eines alltagstauglichen Autos mit der Option zum jederzeitigen Aufbruch in einen Kurz- oder auch Langurlaub ist nach wie vor bestechend. In dieser Hinsicht stehen die Wettbewerber von VW und Mercedes dem Ford jedoch in nichts nach. Es sind die Details, die den manchmal entscheidenden Unterschied ausmachen.

Und natürlich der Preis. Hier punktet der Nugget. 55.097 Euro kostet die hier vorgestellte, üppig ausgestattete und mit 155-PS-Dieselmotor bestückte Hochdachvariante. Die Konkurrenz mit Aufstelldächern ist teurer. Ab 56.281 Euro gibt es den VW California Comfortline (140 PS), ab 56.798 Euro den Mercedes Marco Polo (163 PS). Einfach mal ein paar Tage fortfahren geht natürlich mit allen dreien.

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