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16. Januar 2002, 15:01 Uhr

GM-Studie AUTOnomy

Auf dem Skateboard der Zukunft

Auf der Autobahn eine komfortable Limousine, in der Stadt ein zweisitziger Sportwagen und für den Wochenendausflug ein geräumiger Van. Alles mit ein und demselben Fahrzeug?

Auf der Detroit Auto Show präsentierte General Motors eine Studie mit Brennstoffzellenantrieb, mit der in Zukunft alles möglich sein soll. AUTOnomy heißt das Konzeptfahrzeug, das die konventionelle Auto-Architektur revolutionieren soll.

Bäumchen-Wechsle-Dich: Ein Untersatz, mehrere Karosserien

Bäumchen-Wechsle-Dich: Ein Untersatz, mehrere Karosserien

Konstruktives Herzstück des AUTOnomy ist eine Art "Skateboard"-Chassis, in dem sich alle wesentlichen Elemente wie Batterien oder Heizungsanlage sowie Brennstoffzelleneinheit und Wasserstofftanks befinden. Eine Schlüsselfunktion im Elektriksystem des AUTOnomy übernimmt eine Art Andock-Station in der Mitte des "Skateboard"-Chassis. Dieser so genannte "Docking Port" stellt eine Verbindung aller Fahrzeugsysteme für Steuerung, Antrieb und Klimaanlage mit dem Fahrgestell her und ermöglicht so einen wesentlich leichteren und unkomplizierteren Karosserieaufbau. So soll das Skateboard-Fahrgestell in sehr kurzer Zeit eine breit gefächerte Modellpalette ermöglichen.

Auch das komplette Auspuffsystem ist in das nur rund 15 Zentimeter starke Chassis integriert. Für Designer ergeben sich damit völlig neue Möglichkeiten der Karosseriegestaltung, weil sie keine Rücksicht auf platzraubende Abgas-, Steuerungs- und Bremssysteme nehmen müssen. So ist beispielsweise auch die traditionelle Fahrersitzposition auf der linken (oder rechten) Seite kein Muss mehr. Der Sitz kann stattdessen auch in der Fahrzeugmitte platziert werden, weiter nach vorne oder nach hinten rücken. Unabhängig von der traditionellen Automobil-Architektur können so künftig individuell angepasste Karosserien entstehen.

In der Mitte des "Skateboard"-Chassis befindet sich die Andock-Station für die Elektronik

In der Mitte des "Skateboard"-Chassis befindet sich die Andock-Station für die Elektronik

Im Leasing-Verfahren angeboten, hätten Kunden dann sogar ihre Wunsch-Karosserie wählen und könnten diese entsprechend ihrer jeweiligen Bedürfnisse gegeneinander austauschen. "Dies ist der Beginn einer völlig neuen Art der Auto-Konstruktion, wie wir sie heute kennen", sagt GM-Designchef Wayne Cherry. Anders als bisherige Studien entstand die AUTOnomy-Studie nicht auf Basis eines Serienmodells, sondern wurde sozusagen um den Wasserstoffantrieb herum neu konstruiert.

Wesentliches Element dieser Konstruktions-Philosophie ist dabei die Kombination des Brennstoffzellensystems mit der so genannten "Drive-by-Wire"-Technik, die statt einer mechanischen eine elektronische Steuerung von Lenkung, Bremsen und anderen Fahrzeugfunktionen ermöglicht. Dabei wird jedes Rad von einem 40 PS starken Elektromotor angetrieben. Zwar rechnen die Amerikaner nicht vor dem Jahr 2020 mit einer Serienreife, doch GM-Entwicklungschef Larry Burns verspricht: "Das ist keine reine Designstudie. Innerhalb eines Jahres werden wir ein fahrbereites Konzeptfahrzeug präsentieren."

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