Autogramm Honda Civic Du bist aber groß geworden!

Das Design der jüngsten Honda-Civic-Modelle war eher schrill. Jetzt fährt der neue Wagen vor, und Honda ändert den Kurs: Das Styling wird konservativer, dafür legt der Golf-Konkurrent beim Format kräftig zu.

Honda

Der erste Eindruck: Der neue Honda Civic ist braver gezeichnet und sieht trotzdem so aggressiv aus, als wolle er Golf & Co. zum Frühstück verputzen.

Das sagt der Hersteller: In bislang neun Generationen und vier Jahrzehnten reifte der Civic zu einem der wichtigsten Honda-Modelle. "In die Entwicklung der zehnten Generation sind so viele umfassende Innovationen und Änderungen eingeflossen wie bei keinem Honda-Modell zuvor", sagt Chefingenieur Mitsuru Kariya, der zeitweise ein Drittel der globalen Entwicklungsbelegschaft für das Projekt einsetzen durfte.

Das ist uns aufgefallen: Erst der Fahrer, dann die Familie - nach diesem Prinzip hat Honda den Civic neu möbliert und dabei die Position der Vordersitze um fast vier Zentimeter abgesenkt. Das ist beim Ein- und Aussteigen zwar nicht mehr ganz so bequem. Aber dafür rückt man dem Asphalt näher, das Gefühl für Fahrzeug und Fahrbahn wächst - und damit auch der Fahrspaß.

Projektleiter Kariya ließ die Karosseriesteifigkeit durch mehr Schweißnähte und stabilere Bleche um mehr als 50 Prozent erhöhen, neue Achsen konstruieren und eine weiterentwickelte Lenkung mit variabler Übersetzung einbauen.

Mehr Details zum Honda Civic im Video:

Honda

Von der Fokussierung auf den Fahrer zeugt auch das Cockpit. Es ist jetzt war komplett digital und bunt animiert, wirkt aber dennoch klassischer als beim bisherigen Modell, denn es fokussiert den Blick, anstatt ihn abzulenken. Nur die wechselnde Beleuchtung - grün bei sparsamer, weiß bei wenig effizienter Fahrweise - wirkt ein bisschen fehl am Platz.

Honda weiß natürlich, dass es in der Kompaktklasse nicht nur ums Vergnügen geht. Beim neuen Civic lauten die Vernunft-Argumente folgendermaßen: Große Beinfreiheit im Fond sowie ein mit 478 Liter Fassungsvermögen vergleichsweise riesiger Kofferraum. Bei einem Auto, das zum Beispiel den VW Golf um 26 Zentimeter in der Länge überragt, ist das freilich kein Kunststück. Die clever gemachte Mittelkonsole ist so vielseitig wie ein Schweizer Messer. Man kann den Deckel schieben oder klappen, und in dem tiefen Schacht darunter gibt es verschiebbare Getränkehalter, Zwischenblenden und Raumteiler, mit denen man Krimskrams so sauber sortieren kann wie in einem Einbauschrank.

Ähnlich pfiffig sind die beiden Ablagefächer unter dem Cockpit. Das tiefer gelegene ist zwar umständlich zu erreichen. Um dort ein Kabel in die USB-Buchse zu stöpseln, muss man sich fast schon neben das Auto knien. Doch wenn es erst einmal steckt, gibt es spezielle Kabelschächte zur Ablage, in der man Smartphone oder iPod elegant laden kann. Der Clou jedoch ist die neue Kofferraumabdeckung: Während bei anderen Kompaktwagen eine sperrige Kunststoffplatte zum Einsatz kommt, hat der Civic ein Rollo wie im Kombi; das allerdings ist an der Seite angeschlagen und beansprucht so noch weniger Platz.

Das muss man wissen: Der neue Civic ist als Weltauto konzipiert und geht zunächst in die USA. Doch gebaut wird der Fünftürer wie eh und je in England. Dort läuft die Produktion gerade hoch, am 18. März begann in Deutschland der Verkauf. Die Preise starten bei 19.990 Euro und liegen damit zum Teil deutlich über denen der Konkurrenz. Das hat mit der Größe des Autos zu tun, und mit den starken Motoren sowie der üppigen Ausstattung. Schon das schwächste Civic-Triebwerk leistet 129 PS. Dazu gibt es gleich ein ganzes Paket an Assistenzsystemen serienmäßig - darunter automatischer Abstandsregelung, eine Spurführungshilfe mit Lenkeingriff und eine Kamera, die Verkehrszeichen oder Fußgänger erkennt.

Fotostrecke

11  Bilder
Autogramm Honda Civic: Downsizing? Nix da!

Unter der Haube bieten die Japaner zunächst nur zwei Motoren: Einen 1,0-Liter-Dreizylinder mit Turbo (129 PS), oder einen Vierzylinder mit 1,5 Litern Hubraum und einer Leistung von 182 PS. Gekoppelt mit einem knackigen Sechsgang-Getriebe oder einer stufenlosen Automatik kommt der Civic so auf passable Fahrwerte. Weil schwächere Motoren und vor allem Dieselantriebe fehlen, schneidet der Civic insgesamt in der CO2-Bilanz allerdings nur mäßig ab.

Honda hat mit dem Civic noch viel vor. Im Herbst fährt der Spitzensportler Type R mit deutlich mehr als 300 PS vor, und Anfang 2018 dann auch die Modelle mit neuen Dieselmotoren. Weitere Karosserievarianten hingegen wird es in Europa nicht geben, der erst vor drei Jahren vorgestellte Kombi bleibt ohne Nachfolger, läuft jedoch noch eine Weile in alter Form von Band.

Das werden wir nicht vergessen: Das Knattern und Schnattern des ansonsten tadellosen Dreizylinders. Bei der Geräuschkulisse könnte man glatt vergessen, dass es bislang keinen Diesel gibt.

Fahrzeugschein
Hersteller: Honda
Typ: Civic (2017)
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Dreizylinder-Turbobenziner
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 988 ccm
Leistung: 129 PS (95 kW)
Drehmoment: 180 Nm
Von 0 auf 100: 10,6 s
Höchstgeschw.: 200 km/h
Verbrauch (ECE): 4,7 Liter
CO2-Ausstoß: 106 g/km
Kofferraum: 478 Liter
umgebaut: 1.267 Liter
Gewicht: 1.284 kg
Maße: 4518 / 1799 / 1434
Preis: 21.290 EUR
Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


insgesamt 53 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mazzmazz 24.03.2017
1. Subaru?
Das Ding sieht irgendwie aus wie ein getunter Subaru. Keine Ahnung, weshalb man Civic und nicht Focus kaufen sollte. Wegen des Designs sicher nicht den Civic.
Premiumbernd 24.03.2017
2. Ehrlich?
Es wird in dem Artikel das Fehlen eines Diesel moniert?
saarpirat 24.03.2017
3.
Eigentlich ein schönes Auto. Aber in England gebaut? Das ist nicht unbedingt ein Vorteil. Und wo die ihn wohl nach dem Brexit bauen werden?
krypton8310 24.03.2017
4. Gruselig
Traurig, in welch kurzer Zeit es Honda geschafft hat vom m.E. coolsten Kompaktwagen-Design am Markt (8. Generation) zum hässlichsten überzugehen. Das einzig positive daran ist, dass es überhaupt noch Marken gibt, die sich was trauen. Beim Civic sieht man was passiert, wenn es dann nicht klappt. Honda hatte mit dem Accord auch über lange Zeit den schönsten Wagen der unteren Mittelklasse. Mittlerweile muss man sich fast freuen, dass der in Europa eingestellt wurde, bevor er verhunzt wurde.
neurobi 24.03.2017
5. Kompaktwagen?
Sieht besser aus als sein Vorgänger und bietet eine Menge fürs Geld. Nur, ein Kompaktwagen ist es nicht mehr. Der Civic ist in die Mittelklasse gewachsen, innen und außen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.