Hyundai Genesis Wir können auch anders

Hyundai ist auf dem Weg nach oben. Schneller als geplant hat es die koreanische Marke unter die größten fünf der Auto-Weltrangliste gebracht. Nicht nur in der Statistik, auch auf der Straße holt Hyundai auf. Zum Beispiel mit der neuen Limousine Genesis.


Schon der ursprüngliche Plan war ambitioniert. Bis 2010, so verkündete die Konzernspitze jahrelang, wolle Hyundai zusammen mit der Schwestermarke Kia unter die Top-Fünf der automobilen Weltrangliste. Das kann bereits abgehakt werden. "Weil die Spitzengruppe zuletzt geschwächelt hat, haben wir das Ziel schon deutlich früher erreicht", sagt Hyundai-Sprecher Stefan Henrich. Knapp vier Millionen Fahrzeuge wurden im letzten Jahr zugelassen; und 2008 soll diese Größenordnung gehalten werden. Ein guter Teil des Erfolgs kommt aus Europa, wo die Marke mit einem Design- und Entwicklungszentrum ihre Position ausgebaut, den Absatz in zehn Jahren verdreifacht und sich mit Autos wie dem Kompaktwagen i30 vom Image des Preisbrechers emanzipiert hat.

Doch auch wenn der Hyundai i30 mittlerweile manchen Vergleichstest gegen europäische Konkurrenten gewinnt – das Image ist auf jeden Fall noch ausbaufähig. Denn noch immer mangelt es der Marke an Reputation. Um das zu ändern, wurde jetzt mit dem Modell Genesis erstmals eine repräsentative Oberklasselimousine entwickelt. Zwar wurde der ursprüngliche Plan einer eigene Premium-Marke im Stil des Toyota-Ablegers Lexus kurz vor dem Start gestrichen; doch auch als Hyundai ist das Auto ein stattliches Flaggschiff.

In den USA, dem wichtigstem Markt für Hyundai, wird die 4,98 Meter lange Limousine mit Autos wie dem VW Phaeton, dem Lexus GS oder der Mercedes E-Klasse verglichen. Was die Stückzahlen betrifft, fährt der Hyundai dem Mercedes noch weit hinterher. Doch mit bislang rund 5000 Zulassungen in diesem Jahr hat das Modell Genesis den Lexus GS in den USA bereits abgehängt. SPIEGEL ONLINE war jetzt mit dem Hyundai Genesis unterwegs, um sich ein eigenes Urteil zu bilden.

Große Limousinen von Hyundai sind nicht Neues, doch die wurden bislang ausschließlich in Korea angeboten und waren als Chauffeursautos konzipiert. "Diesmal stand aber zum ersten Mal der Fahrer im Mittelpunkt", sagt Henrich. Um den Wagen exporttauglich zu machen, wurde daher nicht nur das Design von barock auf modern gebürstet, sondern auch der Antrieb komplett umgekrempelt. Wie bei den Vorbildern aus Deutschland kommt die Kraft nun über die Hinterachse auf die Straße. Und vorn unter der Motorhaube stecken wahlweise zwei V6-Motoren mit 3,6 Litern Hubraum und 268 PS oder 3,8 Litern und 290 PS, sowie ein neues V8-Aggregat, das aus 4,6 Litern 375 PS schöpft und 451 Nm mobilisiert.

Das Auto packt die Insassen quasi in Watte

Motoren nach Gutsherrenart sozusagen. Der Fahrer wird quasi in Watte gepackt: Nur ganz leise hört man den Achtzylinder brummeln, kaum merklich wechselt die sechsstufige Automatik die Gänge, und selbst ohne die optionale Luftfederung schwebt der Genesis beinahe über die Autobahn. Es geht zur Sache: Immerhin rennt das wuchtige Auto in 5,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100; der Motor ist jedoch mit Rücksicht auf die Reifen und das US-Tempolimit auf 150 Meilen pro Stunde abregelt (also zirka 240 km/h). Die Verbrauchsangaben des Herstellers beziehen sich auf den US-Markt. Mit einer Gallone Sprit kommt man zwischen 17 und 25 Meilen weit - umgerechnet etwa 9,4 bis 13,8 Liter auf 100 Kilometer.

Aber es ist nicht nur das hohe Maß an Fahrkultur, das einen für den Genesis einnimmt. Auch die Ausstattung verdient Respekt. Immerhin hat Hyundai mehr als hundert Technik-Details von Xenonscheinwerfern mit Kurvenlicht über Tempomat mit Abstandsregelung, Kameras vorn und hinten, eine Haube aus Aluminium bis hin zur elektrischen Parkbremse und der automatisch öffnenden Heckklappe eingebaut. Das gab es noch bei keinem Hyundai-Modell zuvor. Und auch das Ambiente stimmt: Die Polster sind bequem, die Platzverhältnisse üppig, die Materialien gut. Der Drehknopf auf der Mittelkonsole wiederum steuert Navigationssystem, Klimaanlage und Mobiltelefonie fast so unkompliziert wie das MMI-System von Audi.

Günstiger US-Preis, kommt das Auto nach Deutschland?

Der Preis setzt dem Paket dann die Krone auf: In den USA kostet der billigste Genesis 32.250 Dollar, inklusive aller Extras werden 41.250 Dollar fällig. Selbst wenn man das nicht auf Deutschland übertragen kann, würden Lexus, Infiniti oder Volvo bei dieser Konkurrenz wohl alt aussehen; und sogar Jaguar, Mercedes, Audi oder BMW müssten vermutlich schlucken.

Doch zu diesem Wettbewerb wird es hierzulande kaum kommen. Denn Hyundai sieht kaum Chancen für den Genesis in Europa. Ob man die Investitionen für eine neue Fahrwerks- und Getriebeabstimmung sowie andere Crashvorschriften je wieder hereinspielen würde, ist fraglich. Das Marketing jedoch möchte das Auto unbedingt in der alten Welt anbieten, um Hyundai vom Image des gesichtslosen Billigautos zu befreien. Henrich: "So, wie das Sponsoring der Fußball-WM, wäre auch das eine Investition in die Marke."

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