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Hyundai Ioniq 6: E-Auto für die Langstrecke

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Hyundai

Autogramm Hyundai Ioniq 6 Der Flachblitz

An Hyundais Ioniq 6 zeigt sich, wie wichtig die äußere Form eines E-Autos ist: Die Limousine fährt hundert Kilometer weiter als das vergleichbare SUV der Koreaner – ohne größere Batterie. Es gibt nur einen kleinen Nachteil.

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Der erste Eindruck: Flach und flutschig – der neue Ioniq 6 wurde fast vollständig in einem einzigen Bogen gezeichnet. Das Auto duckt sich so sehr in den Wind, dass es auch dem Auge wenig Halt bietet. Kaum eine Kante, kaum eine Sicke. Nur hinten ringen gleich zwei Spoiler um Aufmerksamkeit – das erinnert etwas an Porsche.

Das sagt der Hersteller: »Wir wollten keine russischen Puppen, wo eine der anderen gleicht, sondern eigenständige Modelle mit unterschiedlichem Charakter.« So erklärt Designchef Simon Loasby, dass Ioniq 5 und Ioniq 6 auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben. Das Ziel der Koreaner sei nicht gewesen, ein erfolgreiches Modell einfach größer zu bauen, wie es zahlreiche Hersteller tun. Stattdessen soll das neue Modell andere Kunden ansprechen: Es zielt auf Vielfahrerinnen und Vielfahrer, die bislang in einer konventionellen Limousine unterwegs waren. Der Ioniq 5 als CrossOver sollte eher Familien erreichen.

Die neue Klientel will Hyundai vor allem mit der Reichweite ködern – bis zu 614 Kilometer sind drin. Dazu braucht es keine riesige Batterie, denn der Hersteller hat auf Aerodynamik gesetzt. »Der Luftwiderstand war unser Leitfaden«, sagt Loasby und erzählt von wochenlangen Messungen im Windkanal. Mit Erfolg: Loasbys Team hat den cW-Wert gegenüber dem Ioniq 5 von 0,29 auf 0,21 gesenkt. »Das sind mehr als 25 Prozent und der wichtigste Grund, weshalb der Sechser mit dem gleichen Antrieb über hundert Kilometer weiter fährt als der Fünfer«, sagt der Designer. Beim Rundgang zeigt er auf Details wie den voll verkleideten Unterboden über die Kühlklappen im Bug, die digitalen Außenspiegel und die Windläufe an den Radkästen entlang der Flanke und natürlich den doppelten Spoiler am Heck. »Ohne solche Finessen wäre das nicht zu schaffen gewesen.«

Ein paar Sachen hat der Sechser aber mit dem Fünfer gemein. Innen ist das die geräumige Kabine, ausstaffiert mit Konsolen aus alten PET-Flaschen und Teppichen aus Fischernetzen. Außen sind es die sogenannten Pixel-Lichter, die an Bug und Heck gleichermaßen aufflammen.

Das ist uns aufgefallen: Das Cockpit ist eigenwillig gestaltet. Das Armaturenbrett kommt eher einer Tragfläche gleich, in die Bildschirme für die digitalen Außenspiegel integriert sind. Darüber thronen die digitalen Instrumente und nebendran der große Touchscreen fürs Infotainment. Der wird noch von erfreulich vielen klassischen Tastern und Schaltern eingerahmt. Schade nur, dass die nachhaltigen Materialien eine triste, graue Plastiklandschaft entstehen lassen. Auch die aerodynamische Form des Ioniq 6 hat einen kleinen Nachteil: Die Köpfe der Passagiere auf der Rückbank stoßen mitunter gegen das niedrige Dach. Dagegen ist für die Beine reichlich Platz, dank fast drei Meter Radstand. Der Kofferraum ist nicht ganz so groß wie beim Ioniq 5 und hat leider nur eine kleine Klappe. Immerhin haben die Koreaner selbst unter den flachen Bug noch einen Frunk geschneidert. Dieser vordere Kofferraum reicht immerhin fürs Ladekabel und ein paar schmutzige Schuhe. Weder die MEB-Modelle des VW-Konzerns noch die elektrischen Mercedes haben vorne einen Stauraum zu bieten.

Das Fahren erinnert an den Ioniq 5, der aus dem gleichen Baukasten konstruiert und mit den identischen Antrieben bestückt ist. Beim Kick-down drückt es den Fahrer spürbar in den Sitz. Zum Bremsen reicht in der stärksten Rekuperationsstufe auch beim Ioniq 6 meist das Lupfen des rechten Fußes. Und weil vorne kein großer Verbrenner im Weg ist, schlagen die Räder so weit ein, dass der immerhin knapp fünf Meter lange Wagen im Verkehrsgewimmel von Seoul auch ohne Hinterachslenkung so handlich wie ein Kompaktwagen wirkt.

Auf der Autobahn spielt der Wagen andere Qualitäten aus. Bei zunehmender Geschwindigkeit herrscht eine ungewohnte, fast gespenstische Stille, das hat viel mit der windschlüpfigen Form des Ioniq 6 zu tun. Die Elektronik regelt ihn erst bei 185 km/h ab.

Auffällig sind viele pfiffige Details. Die ausgeschälten Türen mit Wellenmuster lassen den Innenraum luftig wirken. Zudem bieten sie einen spektakulären Lichteffekt, wenn die Ambientebeleuchtung aufflammt. Da sind die kurzen Armauflagen in den Fondtüren, vor denen zwei Handyschalen prangen. Und transparente Türtaschen, in denen sich Kleinkram viel besser finden lässt.

Hyundai Ioniq6

Hersteller:

Hyundai

Typ:

Ioniq6

Karosserie:

Limousine

Antrieb:

2 E-Motoren

Leistung:

239 kW/325 PS

Drehmoment:

605 Nm

Getriebe:

1-Gang-Automatik

Antrieb:

Allradantrieb

Von 0 auf 100:

5,1 s

Höchstgeschw.:

185 km/h

Verbrauch:

< 14,0 kW/100 km

Batteriekapazität:

77,4 kWh

CO2-Ausstoß:

0/km

Länge/Breite/Höhe in mm:

4850/1880/1495

Gewicht:

k.A.

Kofferraum:

k.A.

Grundpreis:

ca. 45.000 Euro

Das muss man wissen: Der Ioniq 6 nutzt genau wie Ioniq 5, Kia EV6 und Genesis GV60 die sogenannte E-GMP-Plattform der Koreaner und kommt in vertrauten Konfigurationen. Es gibt einen Akku mit 58 kWh und einem Heckmotor von 170 PS oder den Akku mit 77,4 kWh und immer zwei Motoren mit wahlweise 229 oder 325 PS. Alle Ioniq haben eine Betriebsspannung von 800 Volt und laden mit bis zu 350 kW, sodass bestenfalls binnen 18 Minuten ein Füllstand von 80 Prozent erreicht ist. Für die effizienteste Kombination aus kleinem Motor und großer Batterie kommen die Koreaner auf einen Verbrauch von weniger als 14 kWh auf 100 Kilometern.

Nach Deutschland kommt das Auto erst im nächsten Frühjahr, folglich nennt Hyundai noch keine Preise. Doch soll der Sechser, soviel haben die Koreaner schon verraten, eine echte Alternative zum Ioniq 5 sein und daher ähnlich viel kosten. Demzufolge müsste es schon deutlich unter 45.000 Euro losgehen.

Das werden wir nicht vergessen: Die vier LED-Pixel im Lenkrad. Die ungewöhnlichen, leuchtenden Quadrate wechseln mit dem Fahrprofil die Farbe – und zeigen den Akkustand an.

Thomas Geiger ist freier Autor und wurde bei seiner Recherche von Hyundai unterstützt. Die Berichterstattung erfolgt davon unabhängig.

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