Autogramm Hyundai ix35 Feintuning für einen Bestseller

Eigentlich kommt eine Modellpflege beim Hyundai ix35 zur falschen Zeit: Der Wagen verkauft sich derzeit nämlich noch ziemlich gut. Trotzdem haben die Verantwortlichen renoviert und optimiert - mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen.

Hyundai

Der erste Eindruck: Beim Start des Autos macht sich Raumschiff-Enterprise-Atmosphäre breit. Bevor der Motor des Hyundai ix35 anspringt, flimmert eine Animation über den Cockpit-Bildschirm, als würde das ganze Auto gescannt. Erst dann meldet die Elektronik "OK" und wirft den Diesel an. Das ist kein Hightech - aber eine nette Spielerei, um die Zeit des Vorglühens zu überbrücken. Und es sind solche Details, die einen für ein Auto gefangen nehmen.

Das sagt der Hersteller: "Dieses Auto war für unsere Marke ein Wendepunkt", sagt Allan Rushforth, der Europa-Chef von Hyundai, und seine Augen leuchten dabei. Rund 250.000 Exemplare des kompakten SUV-Modells wurden in den vergangenen vier Jahren hier verkauft; das Auto ist ein Bestseller im Modellprogramm des Herstellers und hatte kurz nach dem Debüt 2010 so lange Lieferfristen wie kein Hyundai-Modell davor oder danach. Was Rushforth besonders freut, sind die Kaufgründe. Nicht der Preis oder die Technik seien ausschlaggebend, sondern nach Angaben von Rushforth bestellt jeder zweite Kunde den ix35 wegen des sogenannten Fluidic-Sculpture-Designs.

Die Formensprache wurde mit dem Debüt des Wagens eingeführt und prägt mittlerweile die gesamte Modellpalette. Dies erklärt auch, weshalb jetzt beim Facelift optisch kaum etwas verändert wird. Den aufgefrischten ix35 erkennt man äußerlich lediglich an anderen Felgen und den LED-Leisten für Tagfahr- und Rücklichter.

Das ist uns aufgefallen: Man fühlt sich im ix35 auf Anhieb wohl. Die Sitzposition, die Übersicht, die Instrumente - alles passt wie angegossen und auf der Rückbank findet auch ein Erwachsener genügend Platz. Außerdem gibt es zahlreiche Ablagen und einen Kofferraum, der mit 465 Liter Fassungsvermögen nahezu jeder Aufgabe gewachsen ist.

Obwohl Hyundai die Bildschirme für Bordcomputer und Navigationssystem erneuert und die Sitze frisch aufgepolstert hat, kann der ix35 nicht ganz verleugnen, dass er schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Während der kompakte i30 sogar von VW-Chef Martin Winterkorn ("Da klappert nix!") bewundert wird und durchaus zu VW Golf und Co. aufschließt, findet man im ix35 zum Beispiel noch immer ein Armaturenbrett aus Hartplastik, das nur teilweise unterschäumt ist.

Dafür haben die Koreaner die Feile für den Feinschliff an anderer Stelle angesetzt. Die Ausstattung wurde erweitert, es gibt einige neue Komfortextras, und das Fahrwerk wurde optimiert. Dank einer neuen Vorderachse rollt der Wagen jetzt sanfter und leiser auch über schlechte Straßen. Die Lenkung lässt sich auf Knopfdruck aus der Standardeinstellung heraus spürbar komfortabler oder deutlich sportlicher einstellen. Das ändert tatsächlich das Fahrgefühl: Während man im Komfortmodus förmlich über die Landstraße gondelt, als wäre man in einem großen US-SUV unterwegs, wirkt der ix35 in der Sporteinstellung straff und scharf wie ein aufgebockter VW Golf GTI.

Das muss man wissen: Die überarbeitete Version des ix35 kommt im September in den Handel. Erst kurz vorher will Hyundai die Preise bekanntgeben, doch viel ändern soll sich sowieso nicht. Aktuell kostet der Wagen mit dem kleinsten Benzinmotor 20.840 Euro und mit dem schwächsten Diesel 24.040 Euro - beide Summen dürften ein ziemlich zuverlässiger Richtwert sein.

Es gibt den Wagen nach wie vor mit Front- oder Allradantrieb, Schalt- oder Automatikgetriebe sowie zwei Benzin- und drei Dieselmotorisierungen - allerdings zum Teil in neuen Kombinationen. Erstmals kann zum Beispiel ein Diesel mit Allrad und Automatik bestellt werden.

Unverändert bleiben der 135 PS starke 1,6-Liter-Basis-Benziner und der kleine Diesel mit 1,7 Litern und 116 PS. Die beiden 2,0-Liter-Diesel mit 136 oder 184 PS bekommen eine neue Abgasrückführung und arbeiten deshalb ein wenig sauberer. Und der 2,0-Liter-Benziner wird komplett ausgetauscht. Aus dem ehemaligen Sauger wird nun ein Direkteinspritzer, dessen Leistung von 163 auf 166 PS steigt. Der Vierzylinder kommt auf maximal 205 Nm, beschleunigt den Wagen in 10,4 Sekunden auf Tempo 100 und schafft 196 km/h. Außerdem sollte er etwas sparsamer sein, doch konkrete Verbrauchswerte gibt es derzeit noch nicht.

Das werden wir nicht vergessen: Wie geschickt die Hyundai-Entwickler mit ein paar Details die Wertigkeit des Geländewagens verbessert haben. Ein beheizbares Lenkrad oder blau beleuchtete Becherhalter braucht niemand wirklich dringend - aber wenn man sonst schon nicht viel ändern muss, kann man den Kunden mit solchen Kleinigkeiten sicher eine Freude machen - und etwas mehr Geld verdienen.



insgesamt 53 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fjr 13.06.2013
1. Vorglühen?
"Das ist kein Hightech - aber eine nette Spielerei, um die Zeit des Vorglühens zu überbrücken." Common-Rail-Diesel und Vorglühen? Irgendwas stimmt da doch nicht!
zensorsliebling 13.06.2013
2. Wem die Optik eines
Ford "Lokus" der 90er Jahre zusagt, wird den Wagen kaufen. Ansonsten bestätigt sich das übliche SUV Konzept "Stupid Useless Vehicle". 1500 € Strafsteuer fände ich für diese Art der Asphaltbeleidigung angemessen.
karlsiegfried 13.06.2013
3. Wahrscheinlich ein tolles Auto
Ich fahre einen Hyundai i10. Also den schnickschnackfreien Winzling von Hyundai. Hat mit Schafffellbezügen auf den Vordersitzen (besser als jede Sitzheizung), einem Lenkradbezug aus Leder für 12 Euro - der schützt vor kalten und heissen Händen, einer neuen Stahlfelge mit Reifen (100 Euro) als Ersatz für das elendigliche Notrad, einem Autoradio für 100 Euro mit Einbau und einem neuen Satz Sommer-Winterreifen rund 7.600 Euro gekostet. Er fährt, bremst, hat Platz, 4 Türen. Was braucht der Mensch mehr? Nur der Spritverbrauch mit rund 8 Litern in der Stadt ist unangemessen. Habe also rund 15.000 Euro oder 30.000 DM gespart. Kann ich denken, bin ich geizig, bin ich arm oder was?
thlogical 13.06.2013
4. Xenon
das war der Grund warum ich mich gegen den Wagen entschieden habe. Wurde hier nachgebessert oder nicht. Ist der Wagen endlich mit einer anständigen beleuchtung zu haben. davon leider kein Wort. Garantie und Qualität passen sonst super
zensorsliebling 13.06.2013
5. Vernunftsentscheidungen.....
Zitat von karlsiegfriedIch fahre einen Hyundai i10. Also den schnickschnackfreien Winzling von Hyundai. Hat mit Schafffellbezügen auf den Vordersitzen (besser als jede Sitzheizung), einem Lenkradbezug aus Leder für 12 Euro - der schützt vor kalten und heissen Händen, einer neuen Stahlfelge mit Reifen (100 Euro) als Ersatz für das elendigliche Notrad, einem Autoradio für 100 Euro mit Einbau und einem neuen Satz Sommer-Winterreifen rund 7.600 Euro gekostet. Er fährt, bremst, hat Platz, 4 Türen. Was braucht der Mensch mehr? Nur der Spritverbrauch mit rund 8 Litern in der Stadt ist unangemessen. Habe also rund 15.000 Euro oder 30.000 DM gespart. Kann ich denken, bin ich geizig, bin ich arm oder was?
wie diese würde ich nie in Frage stellen. Aber ein ix35 wird von Leuten gekauft die ein Problem mit ihrem Selbstbewußtsein haben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.