Jaguar XJ Flottes Fauchen

Jaguar hat ein neues Flaggschiff - auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht. Die siebte XJ-Generation geht ab 24. Mai mit klassischem Design, aber moderner Technik an den Start.

Von Frank Wald


Modernes Auto im Retro-Look: Der neue Jaguar XJ ist in alle Richtungen gewachsen

Modernes Auto im Retro-Look: Der neue Jaguar XJ ist in alle Richtungen gewachsen

Den Retro-Begriff hören Designer nicht gerne. Vermutlich weil dabei immer der Vorwurf mitschwingt, dass ihnen nichts Besseres als das Bewährte eingefallen sei. Auch Jaguars Chefdesigner Ian Callum reagiert da nicht anders, wenn er auf die kaum geänderte Erscheinung der neuen XJ-Oberklasselimousine angesprochen wird. Die "sichtbaren dynamischen Qualitäten" seien typisch für Jaguar, aber was "die Proportionen betrifft, ist der neue XJ ein modernes Auto".

Das ist er zweifellos. Denn die elegant gestreckte Karosserie mit den sanft gewölbten Höckern über den Doppelscheinwerfern und dem klassischem Chromgrill bietet nun auch im Innenraum den standesgemäßen Platz, den sich Oberklasse-Kunden wünschen. So wuchs der neue XJ im Vergleich zum Vorgänger mit 5,09 Meter in der Länge um sieben Zentimeter und in der Höhe sogar um elf Zentimeter auf 1,45 Meter. Damit erreicht er Mercedes-S-Klasse-Niveau, wobei sein Radstand von 303,4 Zentimeter sogar noch rund sieben Zentimeter länger ausfällt. Davon profitieren vor allem die Fondpassagiere, die ihre Beine jetzt 12,5 Zentimeter weiter ausstrecken können. Auch der Kofferraum fasst mit 475 Liter plus vollwertigem Reserverad nun rund 25 Prozent mehr Volumen als der alte XJ.

Club-Ambiente: Der Jaguar XJ glänzt in Klavierlack, Leder und Echtholz-Details

Club-Ambiente: Der Jaguar XJ glänzt in Klavierlack, Leder und Echtholz-Details

Déjà-vu-Erlebnisse auch beim Interieur. Klassische Zutaten wie Leder, Echtholz und Klavierlack schaffen Club-Ambiente. Auch das zweifarbig gehaltene, übersichtliche Cockpit mit den fein gezeichneten Rundinstrumenten vertraut auf traditionelle Bedienungsgewohnheiten und gibt keine Rätsel auf. Neu sind die elektrische Handbremse sowie als Weltpremiere die auf Knopfdruck einstellbare Pedalerie, die auch Menschen mit kurzen Beinen eine entspannte Haltung am Lenkrad ermöglicht. Mit der umfangreichen Aufpreisliste, auf der unter anderem Navigation mit Touchscreen-Bildschirm (2820 Euro), Sprachsteuerung (650 Euro), Vierzonen-Klimaanlage (1500 Euro) oder ein Multimedia-System mit DVD-Player und Fond-Monitoren (4390 Euro) lässt sich der Wohlfühlkomfort an Bord noch weiter steigern.

Fahrzeugschein
Hersteller: Jaguar
Typ: XJ6 3.0
Karosserie: Limousine
Motor: V6-Benziner
Hubraum: 2.967 ccm
Leistung: 238 PS (175 kW)
Drehmoment: 293 Nm
Von 0 auf 100: 8,1 s
Höchstgeschw.: 233 km/h
Verbrauch (ECE): 10,5 Liter
CO2-Ausstoß: 249 g/km
Kraftstoff: Super
Kofferraum: 470 Liter
Versicherung: 22 (HP) / 25 (TK) / 32 (VK)
Preis: 59.900 EUR
Doch das alles wiegt. Um den gewachsenen Proportionen und Ausstattung gerecht zu werden, mussten sich die Jaguar-Ingenieure was Neues einfallen lassen. Die Antwort hieß: Aluminiumbauweise. Anders als beim Audi A8 aber nicht als Rahmen-, sondern als Ganzkörper-Konstruktion (Monocoque) aus genieteten und geklebten Blechen. Diese aus der Luft- und Raumfahrt bekannte Technik wendet Jaguar erstmals in der Serienfertigung an. Sie sorgt für höhere Steifigkeit, längere Haltbarkeit und im Vergleich zum Vorgänger für 200 Kilogramm weniger Gewicht. "Dem Kunden ist es letztendlich egal, ob die Karosserie aus Aluminium oder Stahl besteht", sagt XJ-Entwicklungschef David Scholes. "Was unsere Kunden dafür sehr stark interessiert, sind Leistung, Dynamik, Wirtschaftlichkeit, Schadstoffwerte und Sicherheit."

In allen Punkten hat der neue Top-Jag deutlich zugelegt. Mit vier Motoren setzt die britische Großkatze zum Sprung auf den deutschen Markt an. Dank des nur 1,6 Tonnen leichten Gesamtgewichts erlebt auch der XJ6 als neues Einstiegsmodell seine Renaissance. Der aus dem S-Type bekannte Drei-Liter-Sechszylinder leistet reichliche 238 PS, hängt willig fauchend am Gas und sorgt für flotten Vortrieb. Mehr Motor bräuchte es eigentlich nicht. Doch wer in der Oberliga mitspielen will, braucht die Achtzylinder im Programm. Der XJ bietet gleich drei davon. Einen neuen Achtzylinder mit 3,5 Liter Hubraum und 258 PS sowie den überarbeiteten 4,2-Liter-V8 mit 298 PS. Letzterer wird mittels Kompressoraufladung in der sportlichen Topversion XJR oder als besonders komfortabler Super V8 auf 395 PS getrieben.

Ganzkörper-Karosse aus Aluminium: Der neue Jaguar XJ wiegt 200 Kilogramm weniger als sein Vorgänger

Ganzkörper-Karosse aus Aluminium: Der neue Jaguar XJ wiegt 200 Kilogramm weniger als sein Vorgänger

Alle Varianten werden von einem sechsstufigem ZF-Automatikgetriebe in Bewegung gesetzt, das traumhaft sanft die Gangwechsel vornimmt. Ein dickes Lob verdient auch die serienmäßige elektronische Luftfederung, die Kopfsteinpflaster, Bodenwellen und Querrinnen glattbügelt. Auch die Lenkung ist direkt und präzise, wenn auch insgesamt etwas zu leichtgängig. Mit der nahezu kompletten Sicherheitsausstattung, bestehend aus sechs Airbags, aktiven Rückenlehnen sowie ABS mit Bremsassistent und elektronischem Stabilitätssystem DSC, zieht der XJ mit seinen deutschen Konkurrenten aus dem automobilen Oberhaus gleich. Nur beim Preis fällt er zurück. Ab 59.900 Euro (XJ6 3.0) darf man weder im Audi A8, 7er BMW noch in der S-Klasse Platz nehmen.



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