Jaguar XK Raubkatze für Einsteiger

Seit März 2006 gibt es den Jaguar XK mit 4,2-Liter-V8-Motor. Ab sofort soll eine Maschine mit 3,5 Litern Sportwagenfans einen günstigeren Einstieg ermöglichen. Beim Verbrauch kann davon leider keine Rede sein.


In der Arena der Sportwagen ist Jaguar mit dem neuen XK seit mehr als einem Jahr vertreten und hat bisher rund 1400 Modelle dieses Typs in Deutschland verkauft. Jetzt soll eine kleinere Motorisierung den Einstieg in diese Klasse erleichtern. Die Engländer bieten das Sportcoupé nun mit einem 3,5-Liter-V8-Motor an, der bereits in der Luxuslimousine XJ eingesetzt wird. Der "kleine" XK ist mit 77.900 Euro exakt 5700 Euro günstiger als das XK-Coupé mit 4,2-Liter-Aggregat und leistet 40 PS weniger.

Jaguar hat eine lange Tradition als Luxusmarke. Mit den Autos des Herstellers verbindet man kraftvolle Eleganz, hochwertige Materialien und eine gehörige Portion Exklusivität. Allerdings ließ die Qualität oft zu Wünschen übrig. Es wurden "zwei Jaguar benötigt, um einen zu bewegen", gibt Jaguar-Pressesprecherin Andrea Leitner offen zu. "Aber davon wollen wir weg", fügt sie an. Darum startete Jaguar 2004 eine Qualitätsoffensive. Auch aus dem Großkunden- und Flottengeschäft zog sich der Hersteller zurück, um die Positionierung als Luxusmarke nicht durch das Massengeschäft zu gefährden. Dass die Maßnahmen erfolgreich waren, belegt ein zweiter Platz in der J.D. Power Kundenzufriedenheitsstudie.

Vertrautes Design und limitiertes Angebot

Der bisherige XK betont diese Entwicklung. Immer noch wirkt der Jaguar, wie man sich die Raubkatze unter den Sportwagen vorstellt: bissig und kraftvoll. Der ovale Kühlergrill wird geziert von dem Logo mit dem fauchenden Jaguarkopf, das Design der Aluminium-Karosserie ist schwungvoll und gleichzeitig elegant. Auffällig sind die breiten hinteren Kotflügel, die besonders bei einem Blick vom Fahrersitz aus in die Außenspiegel zur Geltung kommen. Allerdings wirkt das Auto für einen Sportwagen recht wuchtig. Insgesamt erinnert der XK stark an den V8 Vantage von Aston Martin. Die Ähnlichkeit mag daran liegen, dass Jaguar-Chefdesigner Ian Callum zuvor bei Aston Martin tätig war.

Der "aus Kapazitätsgründen" für den deutschen Markt auf 200 Exemplare limitierte XK 3,5 wird ausschließlich als Coupé und nur in einer Ausstattungsvariante angeboten. Im Innenraum kann der Fahrer edle Materialien genießen. Sitze, Türen, Armaturentafel und Mittelkonsole sind mit hochwertig anmutendem Softgrain-Leder bezogen, die Paneele ist aus Walnusswurzelholz gefertigt. Die Plastikeinfassungen des Schalthebels und des Navigations- und Infotainmentsystems, das über einen sieben Zoll großen Touchscreen-Monitor verfügt, wirken allerdings etwas billig. Zahlreiche elektronische Helfer wie Einparkhilfe, 16-fach einstellbare Vordersitze oder eine Bluetooth-Schnittstelle unterstützen die Insassen bei der Fahrt. Aber man sollte nicht auf die Idee kommen, jemandem eine Spritztour auf der Rückbank des 2+2-Sitzers anzubieten. Denn selbst für Kinder reicht der Platz dort nicht aus, um auch nur annähernd gemütlich zu sitzen.

Sportlich und durstig

Nachdem der Fahrer den Start-Knopf auf der Mittelkonsole gedrückt hat, ist ein V8-typisches Grollen zu hören, aus dem ein Fauchen wird, sobald man am Gaspedal spielt. Im Leerlauf ist die Drehzahl auf 4500 Umdrehungen begrenzt und sorgt für ein kurzes Blubbern, führt aber auch zu einem Wackeln des ganzen Autos. Legt der Fahrer den Automatikwählhebel auf "D", sorgt das 258 PS starke Triebwerk für akzeptablen Vortrieb. Dennoch macht sich das hohe Leergewicht von mehr als 1,7 Tonnen bemerkbar, der Motor könnte für einen Wagen in diesem Segment agiler zur Sache gehen.

Das 6-Gang-Automatikgetriebe schaltet schnell und unterstreicht die sportlichen Ambitionen des XK. Über Schaltwippen am Lederlenkrad lasssen sich die Gänge auch sequentiell sortieren - und das macht Spaß. Weniger lustig ist der Kraftstoffverbrauch. Der durchschnittliche Bedarf wird offiziell mit 11,3 Liter angegeben und ist damit identisch mit dem des 4,2-Liter-V8-Motors - liegt aber beispielsweise deutlich über den 10,3 Litern eines Mercedes SL 350. Bei der Testfahrt im Jaguar jedoch zeigte der Bordcomputer stets mehr als 13 Liter an.

Immerhin, der Wagen liegt gut auf der Straße und macht auch mit dem kleineren Motor durchaus Freude. Doch die ist nicht ungetrübt. Denn die Emission von 269 Gramm CO2 pro Kilometer ist alles andere als zeitgemäß. Um sportliches Autofahren und Umweltverträglichkeit zu versöhnen, ist noch reichlich Entwicklungsarbeit nötig. Auch wenn solch ein grüner Sportwagen durch fortschrittliche Technik deutlich mehr kosten sollte, dürfte dies zumindest für Jaguar-Kunden kein Problem sein. Der Hersteller möchte sich schließlich vom Massenmarkt abgrenzen.



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