Jeep Cherokee 2.8 CRD Wo geht es zur Prärie?

Unter den gestriegelten SUV-Modellen in der 4,50-Meter-Klasse ist der Jeep Cherokee so etwas wie der Typ im Holzfällerhemd. Jetzt bekommt das Auto einen neuen Dieselmotor, was auch ein Plus an Drehmoment, Anhängelast und Reichweite bedeutet.

Von Jürgen Pander


Jeep Cherokee: Im Bild die Version mit der "Abenteuer-Ausstattung" namens Renegade

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Gut drei Jahre läuft der aktuelle Jeep Cherokee jetzt von den Bändern, da ist es Zeit für eine erste Runderneuerung. Die zu Chrysler gehörende US-Geländewagen-Marke hat dem Auto deshalb eine leicht veränderte Optik verpasst und einen neuen Dieselmotor. Mit den Neuerungen am Produkt einher geht der Versuch, das Image der Marke etwas breiter aufzufächern. "Die Leute wissen, dass Jeep-Fahrzeuge im Gelände was können. Deshalb betonen wir nun besonders die Qualitäten unserer Autos im Design und im Fahrkomfort", sagt Chrysler-Jeep-Sprecher Markus Hauf.

Das Betonen der Alltagstalente der Offroader (Werbeslogan: Jeep - Das Original) hat natürlich damit zu tun, dass kaum ein Kunde die Geländefähigkeit der Autos tatsächlich nutzt. Das "So-weit-die-Räder-tragen"-Image der Marke Jeep reicht den meisten völlig. Wodurch sie sich wirklich überzeugen lassen, sind das Aussehen, die Verarbeitung, das Fahrgefühl und selbstverständlich die Kosten.

Jeep Cherokee: Keine weichen Linien, sondern ein knorriger Auftritt

Jeep Cherokee: Keine weichen Linien, sondern ein knorriger Auftritt

Optisch wurde der Cherokee nur dezent geliftet. Am ehesten erkennt man den neuen Modelljahrgang an der veränderten Frontpartie, die wuchtiger und präsenter wirkt. Das liegt am neuen, markant geformten Kühlergrill, der in der Ausstattungsvarianten "Limited" komplett verchromt ist. Ansonsten spielt das Design zwischen robuster Schlichtheit und verspieltem Retrolook. Jedenfalls setzt sich der Cherokee optisch klar von den meisten SUV-Modellen ab, die wie höher gelegte Sportkombis wirken.

Fahrzeugschein
Hersteller: Jeep
Typ: Cherokee 2.8 CRD
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Commonrail-Turbodiesel
Hubraum: 2.776 ccm
Leistung: 163 PS (120 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 12,8 s
Höchstgeschw.: 174 km/h
Verbrauch (ECE): 9,3 Liter
CO2-Ausstoß: 246 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 909 Liter
umgebaut: 1.951 Liter
Versicherung: 24 (HP) / 23 (TK) / 28 (VK)
Preis: 31.190 EUR
Zum kernigen Äußeren des Autos passt auch der neue Dieselmotor, der von der italienischen Firma Venturi Motori stammt, die wiederum zum Unternehmen Detroit Diesel gehört, einer 100-prozentigen Tochter von DaimlerChrysler. Das 2,8-Liter-Aggregat jedenfalls rasselt im Leerlauf deutlich hörbar und bringt den Wagen zwar zügig, aber doch mit ziemlich rauer Klangkulisse in Schwung. Bei Reisetempo auf der Autobahn allerdings wird es im Innenraum erfreulich ruhig. Dann schnurrt der Turbodiesel mit Commonrail-Direkteinspritzung und variabler Turbinengeometrie wohlerzogen dahin.

Unser Testwagen mit permanentem Allradantrieb kombinierte den neuen Dieselmotor mit einer Fünfgangautomatik, die leise und ruckfrei arbeitete. Noch ein Wort zum Schadstoffausstoß: Für das Auto gibt es keinen Rußpartikelfilter, es erfüllt aber die Euro-4-Abgasnorm, obwohl es auf Grund der Anhängelast von mehr als 2,5 Tonnen (2668 Kilogramm) auf Euro-3 zurückgestuft ist. Der CO2-Ausstoß liegt bei 246 Gramm je Kilometer. Das ist eine Menge, aber immer noch weniger als bei den beiden Cherokee-Versionen mit Benzinmotoren - einem 2,4-Liter-Vierzylinder und einem 3,7-Liter-V6.

Cherokee-Cockpit: Griffiges Lenkrad, neue Instrumente, viel Hartplastik

Cherokee-Cockpit: Griffiges Lenkrad, neue Instrumente, viel Hartplastik

Im Innenraum bietet der Cherokee nichts Außergewöhnliches. Man trifft auf jede Menge Hartplastik, ein großes, angenehm zu greifendes Lenkrad und neue Cockpitarmaturen mit weißen Ziffern auf grüngrauem Hintergrund. Wenn wir einen Wunsch frei hätten, so wäre das eine längere Sitzfläche. Die Sitze wurden zwar ebenfalls erneuert und wuchsen im Vergleich zu vorher um fünf Millimeter, doch sind sie damit immer noch zu kurz, um als wirklich bequem durchzugehen. Im Fond wiederum zwingt der geringe Abstand zwischen Fußraum und Sitzfläche zu einer wenig kommoden Hockposition. Diese Anordnung hat aber auch einen Vorteil: Bei umgeklappten Lehnen ist der Laderaum nun deutlich ebener als bislang.

Man merkt, dass die Jeep-Entwickler eine Menge versuchen, um den gewünschten Imagewandel zu unterfüttern. Ebenso aber wird bei einer Fahrt im neuen Cherokee - die auch über Stock und Stein, über Matschwege und Schlaglochpisten führt - deutlich, dass die Ingenieure eines ganz besonders beherrschen: robuste Offroader zu konstruieren.



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