Autogramm Jeep Grand Cherokee Leise knistert das Plastik

Er ist die letzte feste Größe im transatlantischen Kooperationskonstrukt von Chrysler und Fiat. Während die Marken Lancia und Alfa Romeo siechen, reckt der neue Luxus-SUV Jeep Grand Cherokee stolz die überarbeitete Kühlerfront in den Wind. Übrigens mit deutscher Hilfe.

Jeep

Der erste Eindruck: Dunkles, offenporiges Holz, weiches Leder mit groben Nähten, Sitze so bequem wie in einer texanischen Hotelbar - der erste Kontakt mit dem überarbeiteten Jeep Grand Cherokee fühlt sich an wie der Besuch einer Luxus-Lodge.

Das sagt der Hersteller: Dass bei einer uramerikanischen Marke wie Jeep jetzt ein italienisches Mutterhaus das Sagen hat, daran muss man sich erst gewöhnen. Doch die neuen Eigentümer wissen um das Pfund, das sie da erstanden haben und loben die Offroad-Marke als jene mit dem weltweit besten und bekanntesten Image im Konzern-Verbund. Entsprechend vollmundig wird das Flaggschiff von Jeep gelobt: Das erste Modell der Baureihe habe 1992 das Premium-SUV-Segment begründet, heißt es. Mehr als fünf Millionen Exemplare wurden seither verkauft. Die aktuelle, vierte Generation tritt jetzt rundum erneuert an, um sich der inzwischen zahlreichen und starken Konkurrenz zu stellen.

Das ist uns aufgefallen: Kein Rucken und kein Zucken - die neue Achtgang-Automatik des deutschen Zulieferers ZF aus Friedrichshafen macht ihren Job so unmerklich wie ein stufenloses Getriebe; mit dem Unterschied jedoch, dass sie sich das Drehzahlgejohle der CVT-Automaten verkneift. Das ist kein Vergleich mehr zum alten Fünfgang-Räderwerk, das Jeep jetzt ausgemustert hat.

Die Achtgang-Automatik passt besonders gut zum V6-Diesel, der für den deutschen Markt die wichtigste Motorisierung ist und der mit den zusätzlichen Schaltstufen spürbar sparsamer wird. Der Normwert von 7,5 Liter erwies sich bei unseren ersten Testfahrten zwar als unerreichbar, aber ein Durchschnittswert von 10,5 Litern nach mehr als 500 Kilometern mit viel Stadtverkehr und so manchem Sprint des 250-PS-Aggregats scheint realistisch. Das kennt man von US-Geländewagen auch anders.

Richtig schnell fahren möchte man mit dem Grand Cherokee allerdings nicht. Dafür klingt der Diesel irgendwann einfach zu angestrengt, und enge Landstraßen mit scharfen Kurven sind trotz der verstellbaren Dämpfer auch keine Stärke des 2,4 Tonnen schweren und 4,88 Meter langen Dickschiffs. Eine entspannte Autobahnfahrt dagegen kann gar nicht lang genug sein: Der Motor grummelt leise und vertrauensvoll aus den Tiefen der Karosserie, das maximale Drehmoment von 570 Nm ist eine stille Reserve für den perfekten Cruiser, und mit wohltemperiertem Sitz sowie beheiztem Lenkrad stellt sich eine vorweihnachtliche Behaglichkeit ein.

Was noch auffällt bei der ersten Ausfahrt mit dem neuen Modelljahrgang, ist das neue Cockpit mit einem großen Bildschirm an Stelle der bisherigen Tachoskala. Das passt nicht recht zur etwas grobschlächtigen Abenteuerattitüde, die manche Fans noch mit der Marke verbinden. Aber es ist modern, sieht gut aus und gehört heutzutage eigentlich zum Standard, wenn man sich mit dem Attribut "luxuriös" schmücken möchte. Neben dem Cockpit-Bildschirm, dessen Informationsangebot erfreulich übersichtlich gestaltet ist, gibt es in der Mittelkonsole einen zweiten Monitor für Navigationssystem und Co.

Das muss man wissen: Die überarbeitete Fassung des Grand Cherokee steht seit wenigen Wochen bei den Händlern und kostet mindestens 45.500 Euro. Neben dem hier vorgestellten V6-Diesel für mindestens 52.900 Euro gibt es noch eine zweite Version des Selbstzünders mit 190 PS, einen V6-Benziner mit 3,6 Litern Hubraum und 286 PS und einen 352 PS starken V8-Benziner mit 5,7 Litern Hubraum. Für Kunden, die es gerne brachial haben, hat Jeep die Sportvariante SRT-8 im Programm - da wird der Achtzylinder auf 6,4 Liter aufgebohrt und entwickelt 468 PS.

Erkennbar ist der überarbeitete Grand Cherokee - abgesehen vom serienmäßigen Einsatz der Achtgang-Automatik und dem Monitor im Cockpit - äußerlich an folgenden Designänderungen: Der Kühlergrill wurde etwas flacher, die Scheinwerfer wurden schmaler und erhielten ein markantes Tagfahrlicht in LED-Technik, und die Nebelscheinwerfer sitzen jetzt etwas höher als zuletzt.

Das werden wir nicht vergessen: Das Knistern, das von tief unten aus dem Instrumententräger hervordringt. Im mollig warmen Auto auf einer entspannten Fahrt klingt das fast so heimelig wie ein sanft züngelndes Kaminfeuer und passt perfekt zur gemütlichen Atmosphäre im Auto. Allerdings kam das Geräusch nicht vom Band, sondern leider aus dem offenbar nicht ganz sauber verarbeiteten Plastikgebälk.

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insgesamt 157 Beiträge
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Seite 1
Antalyaner 12.12.2013
1. Elchtest
Wer das Abschneiden des Grand Cherokee beim sogenannten "Elchtest" gesehen hat, sollte sich zweimal überlegen, ob er sich solch einen Wagen anschaffen möchte: http://www.youtube.com/watch?v=zaYFLb8WMGM
gorkamorka 12.12.2013
2.
Zitat von sysopJeep Er ist die letzte feste Größe im transatlantischen Kooperations-Konstrukt von Chrysler und Fiat. Während die Marken Lancia und Alfa Romeo siechen, reckt der neue Luxus-SUV Jeep Grand Cherokee stolz die überarbeitete Kühlerfront in den Wind. Übrigens mit deutscher Hilfe. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/jeep-grand-cherokee-frisch-renoviertes-topmodell-der-offroad-marke-a-938401.html
Bei Amerikanischen Autos frage ich mich das auch immer. Wo zum Teufel kaufen die dieses extremst billige Plastik ein? Corvette, Ford Mustang, Chrysler 300,... Wer stellt heute noch so ein Bilig Plastik für den Automobilbau her?
glacierfan 12.12.2013
3. Ich mag meinen Cherokee
Nach einem längerem USA Aufenthalt bei dem mein Unternehmen mir einen 2011 Grand Cherokee mit dem 3,6 l Benziner zur Verfügung stellte. Haben wir uns für das gleiche Fahrzeug ein 2011 Modell auch in Deutschland entschieden. Das Fahrzeug hat absolute Oberklassequalitäten und nach rund 40.000 Kilometern fährt der Wagen wie am ersten Tag. Für den Anschaffungspreis unseres Vorführwagens hätten wir ansonsten nur einen Familienkombi ohne den Fahrkomforts unseres Jeeps bekommen. In den USA bin ich beruflichbedingt viel mit dem Fahrzeug im leichten Gelände und auf Feldern unterwegsgewesen. Der Jeep war komfortable und sicher in jeder Lebenslage. Ich gab das Fahrzeug nach einem Jahr mit fast 30.000 Meilen auf dem Zähler zurück. Der Verbauch lag in den USA auf den Weiten der Prärie unter 10 Liter. In Deutschland fahren wir unseren mit Flüssiggas auch zum guten Kurs. Sicherlich ist der Jeep nicht gesellschaftsfähig aber er bietet viel Auto fürs Geld. Und man merkt unter dem Blech die Technik aus der Ehe mit Daimler Benz.
zensorsliebling 12.12.2013
4. Die Amerikaner können ....
Zitat von gorkamorkaBei Amerikanischen Autos frage ich mich das auch immer. Wo zum Teufel kaufen die dieses extremst billige Plastik ein? Corvette, Ford Mustang, Chrysler 300,... Wer stellt heute noch so ein Bilig Plastik für den Automobilbau her?
sich nicht in europäische Anforderungen hineindenken. Die allermeisten sind in einer Vollplastik Wegwerfkultur aufgewachsen und kennen nichts anderes weil sie ihr Land noch NIE verlassen haben. Vor diesem Hintergrund muss man auch die Autos verstehen.
dorpf 12.12.2013
5.
Zitat von AntalyanerWer das Abschneiden des Grand Cherokee beim sogenannten "Elchtest" gesehen hat, sollte sich zweimal überlegen, ob er sich solch einen Wagen anschaffen möchte: http://www.youtube.com/watch?v=zaYFLb8WMGM
Ihr Beitrag macht keinen Sinn. Im Video handelt es sich um das Vorgängermodell.
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