Kia Opirus Biblischer Barock

Kia greift nach dem Stern. Mit der neuen Oberklasselimousine Opirus wagen sich die Koreaner erstmals in die automobile Premiumklasse. Mit barocken Formen und biblischem Beistand.

Von Frank Wald


Bunter Stilmix: Der Kia Opirus zitiert Jaguar, Mercedes und Bentley

Bunter Stilmix: Der Kia Opirus zitiert Jaguar, Mercedes und Bentley

Um in den Auto-Olymp aufzufahren, haben die Koreaner reichlich investiert. Rund 167 Millionen Euro soll die Entwicklung des neuen Flaggschiffs, das auf der gleichen Plattform aufbaut wie der XG 350 der Schwestermarke Hyundai, verschlungen haben. Und die koreanischen Designer haben offenbar sehr genau hingesehen, was in der Oberliga ankommt. Denn der teuerste Kia-Pkw aller Zeiten ist ein bunter Stilmix aus bekannten automobilen Design-Ikonen. Der wuchtig-gewölbte Kühlergrill erinnert an den alten Buckel-Mercedes, die flankierenden Doppelscheinwerfer zitieren Jaguar oder die Mercedes E-Klasse, und die klassisch geschwungene Seitenlinie mit dem runden Heckdeckel wirkt sehr Bentley-like.

Klingt wie ein Achtzylinder: Der V6-Motor bewegt die Luxuslimousine ruhig und kraftvoll

Klingt wie ein Achtzylinder: Der V6-Motor bewegt die Luxuslimousine ruhig und kraftvoll

Auch im Innenraum erinnern Bedienung und Schalterlayout für die Sitzanlage in der Seitentür, Fußfeststellbremse sowie Holzeinlagen in Lenkrad, Armaturentafel und Mittelkonsole an Mercedes-Interieur. Weniger hingegen der nicht gerade edel anmutende graue Kunststoff drumherum. Die Ledersitze machen einen guten Eindruck, sind weich und bequem, wenn auch mit zu kurzer Beinauflage. Auf den hinteren Plätzen herrscht reichlich Platz. Ebenso wie im Kofferraum, der 580 Liter Volumen schluckt. Der Fahrersitz ist achtfach elektrisch verstellbar, für den Beifahrer geht's nur vor und zurück. In Länge und Höhe variieren lässt sich auch das Multifunktions-Lenkrad mit Bediensatelliten für die serienmäßige CD-Audioanlage, Tempomat, Navigationsystem sowie gegen Aufpreis auch Telefon.

Fahrzeugschein
Hersteller: Kia
Typ: Opirus 3.5 GL
Karosserie: Limousine
Motor: V6-Benziner
Hubraum: 3.497 ccm
Leistung: 203 PS (149 kW)
Drehmoment: 298 Nm
Von 0 auf 100: 9,2 s
Höchstgeschw.: 220 km/h
Verbrauch (ECE): 11,4 Liter
CO2-Ausstoß: 270 g/km
Kraftstoff: Normal
Kofferraum: 580 Liter
Preis: 36.600 EUR
Für Überraschung sorgt der Dreh am Zündschlüssel. Der 3,5-Liter-V6-Motor klingt wie ein Achtzylinder, ist kaum zu hören und setzt die 4,98 Meter lange Karosse ruhig und kraftvoll in Bewegung. Ebenso sanft beschleunigt die serienmäßige Fünfgang-Automatik den Wagen in knapp neun Sekunden auf 100 km/h. Erst bei höherem Tempo ab 150 km/h, möglich sind 220 km/h Höchstgeschwindigkeit, kommen Windgeräusche auf und auch der Motor verliert seine Souveränität bei Zwischenspurts und Steigungen.

Das weich ausgelegte Fahrwerk allerdings trifft nicht ganz europäischen Geschmack und Gegebenheiten. Vor allem auf kurvigen Landstraßen schaukelt sich die Karosserie bei Lastwechsel und höherem Tempo auf. Leichte Bodenwellen werden zwar glatt gebügelt, Querrillen gibt die Vorderachse jedoch deutlich spürbar an die Lenkung weiter. Bevor der Opirus in Deutschland auf den Markt kommt, soll hier noch einmal nachgebessert werden, verspricht Kia.

Konkurrenzloser Preis: Der Kia Opirus wird ab 36.600 Euro auf den Markt kommen

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Doch die bevorzugte Fortbewegung des Opirus ist ohnehin das ruhige Dahingleiten, geführt von Tempomat und Navigationssystem. Alles ebenso serienmäßig an Bord wie eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik mit Sensor für Luftqualität und –feuchtigkeit, Lederausstattung, Sitzheizung vorn und hinten, Xenon-Licht, Leichtmetallfelgen und diverse andere elektronische Helferchen wie Regen- und Dämmerungssensor oder elektrische Fensterheber mit Einklemmschutz und Tipp-Funktion vorn und hinten. Auf der kurzen Aufpreisliste stehen nur noch eine Metallic-Lackierung (400 Euro) und das Navigationssystem mit integriertem Telefon (600 Euro). Auch die Sicherheitsausstattung ist nahezu komplett. Acht Airbags, aktive Kopfstützen, ESP, Traktionskontrolle und ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung entsprechen dem europäischen Klassenstandard.

Viel serienmäßiger Luxus: Tempomat und Navigationssystem, Klimaanlage sind unter anderem auch in der Basisversion des Kia Opirus zu finden

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Bleibt am Ende die entscheidende Frage, die sich auch Kia-Deutschland-Geschäftsführer Matthias Heinz stellt: "Wer kauft eine Luxuslimousine von Kia?" Die Koreaner verlangen für den Opirus 36.600 Euro. Im Vergleich zur deutschen Premium-Phalanx ein konkurrenzloser Preis. Mercedes E-Klasse, Audi A6 oder 5er BMW mit Sechszylinder gibt's dafür nicht mal in der Basisversion. Doch die Konkurrenten, die Kia sich ausgesucht hat, heißen Lancia Thesis, Nissan Maxima, Citroën C5, Peugeot 607 oder Renault Vel Satis. Und die spielen in der gleichen Preisliga. Die Luft im automobilen Olymp ist nun mal dünn. Auch für einen koreanischen Aufsteiger mit europaweiten Absatzsteigerungen von über 50 Prozent. Dazu braucht es schon den biblischen Beistand der Namensgebung, der von der antiken Handelsmetropole Ophir abgeleitet ist und "Assoziationen wie Luxus und Stil" suggerieren soll.



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