Autogramm Kia Sorento Dieses SUV lässt sich fernsteuern

Fast so groß wie ein Audi Q7, ähnlich clever und komfortabel, aber längst nicht so teuer: Das ist der neue Kia Sorento. Ein SUV mit erstaunlich kleinen Motoren – und einem spektakulären Einparktrick.
Der neue Kia Sorento, gut 4,80 Meter lang, ist ein stattliches SUV.

Der neue Kia Sorento, gut 4,80 Meter lang, ist ein stattliches SUV.

Foto: F. Roschki / KIA

Der erste Eindruck: Wuchtbrumme. Die neue Frontpartie macht gar nicht erst den Versuch, die Größe des Wagens zu kaschieren.

Das sagt der Hersteller: »Wir müssen uns vor niemandem mehr verstecken.« Der europäische Kia-Designchef Gregory Guillaume strotzt angesichts des neuen Sorento vor Selbstbewusstsein. »In diesem Auto steckt alles, was unser Konzern zu bieten hat – und jede Menge Ambitionen«, schwärmt Guillaume weiter. Was er mit den Ambitionen meint: Kia will die bisherigen Konkurrenten aus Japan sowie VW oder Skoda hinter sich lassen und sich mit Audi & Co. messen.

Das ist ein ziemlich großer Schritt für eine Marke, die noch vor zehn Jahren als Schnäppchenanbieter galt und vor allem mit niedrigen Preisen und extrem langer Garantie punktete. Und er gelingt nicht ganz. Denn so üppig der Sorento ausgestattet ist: In dieser Liga entscheidet entweder der Fuhrparkmanager des Arbeitgebers oder das Image – und in beiden Fällen dürfte Kia im Vergleich mit etablierten Anbietern in diesem Segment noch den Kürzeren ziehen.

Fotostrecke

Das Schnäppchen-SUV

Foto: F. Roschki / KIA

Immerhin kontern die Koreaner einigermaßen geschickt die SUV-Kritik. Zwar gibt es wieder ein Dieselmodell, und zumindest in Deutschland rechnet Kia für den Selbstzünder mit mindestens 50 Prozent Verkaufsanteil. Doch schon zum Start gibt's den Benziner nur noch als Hybrid und wenig später folgt erstmals in dieser Baureihe eine Plug-in-Hybridvariante, die mehr als 50 Kilometer elektrische Reichweite bieten soll. 2021 will Kia dann mit einem eigenständigen Elektro-SUV auf einer speziellen Plattform mit Audi & Co. gleichziehen. 

Das ist uns aufgefallen: Einsteigen und wohlfühlen – was früher vor allem ein Erkennungsmerkmal der deutschen Nobelmarken war, gelingt nun auch Kia. Der Sorento ist innen vornehm ausgeschlagen und großzügig möbliert und wird so zum gemütlichen Rückzugsort. Dank neun Zentimeter mehr Radstand bei kaum veränderten Außenabmessungen sitzen auch die Hinterbänkler leidlich bequem. Zudem lässt sich die zweite Reihe weiter als bisher verschieben, sodass sich zumindest bis zur Pubertät der Nachwuchs auf der aufpreispflichtigen dritten Bank wohlfühlt. Wenn sie im Wagenboden verschwindet, hat der Sorento nun mit bis zu 910 Litern einen der größten Kofferräume dieser Klasse.

Während das Auto innen den Aufstieg in die Oberliga anstrebt, wirkt der Fahrerplatz etwas angestaubt. Zwar spannt sich hinter dem Lenkrad bis weit über die Mittelkonsole ein flacher Bildschirm. Doch drumherum gibt es noch viel mehr Tasten, Schalter und Knöpfe, als es in die Zeit passt. Vor allem das Lenkrad selbst wirkt reichlich überladen. Immerhin flimmert nach dem Einschalten der Zündung ein wahres Grafikfeuerwerk über die Bildschirme. 

In manchen Details ist der Sorento der Konkurrenz voraus, zum Beispiel bei der Smartphone-Integration. Die Telefone verbinden sich nicht nur kabellos und übertragen ihre Inhalte auf den Touchscreen, die Konnektivität funktioniert auch in die Gegenrichtung: Kurz vor dem Aussteigen überträgt der Sorento die Navigationshinweise für die letzte Meile ans Handy und führt den Fahrer so auch als Fußgänger ans Ziel. Auch bei der Sicherheit will Kia neue Standards setzen und baut als einer der ersten Hersteller auch zwischen Fahrer und Beifahrer einen Airbag ein. Danach sucht man bei Audi Q7, BMW X5 oder Mercedes GLE (noch) vergebens. 

Auch beim autonomen Fahren hat Kia Vorsprung: Auf Landstraße und Autobahn funktionieren Abstandsregelung und Lenkeingriff zwar auch nicht besser als bei der Konkurrenz. Und die Spurwechselwarnung ist – wie so oft bei koreanischen Modellen – extrem empfindlich. Jedoch: Auf dem Parkplatz fährt der Sorento auch ohne Fahrer – mit dem Schlüssel als Fernbedienung. Das klingt spektakulär und ist vor dem Supermarkt eine Schau, hilft Rangier-Muffeln aber nur bedingt. Denn der Parkpilot hat keinen Lenkeingriff und fährt nur vorwärts oder rückwärts, aber nicht um eine Kurve. Doch zumindest muss sich in engen Lücken niemand mehr durch einen Türspalt quetschen, sondern kann das Auto von außen erst mal aus der Parklücke fahren lassen. 

Das muss man wissen: Den größten Unterschied zur noblen Konkurrenz gibt es beim Antrieb. Kia bietet keine Sechszylinder und erst recht keine V8-Motoren an. Und selbst die Vierzylinder, die Kia wahlweise mit Front- oder Allradantrieb und immer mit einem Automatikgetriebe kombiniert, wirken eher bescheiden. So hat der Hybrid-Benziner 1,6 Liter Hubraum, kommt aber im Zusammenspiel mit dem E-Motor auf eine Systemleistung von immerhin 230 PS. Manch einer mag das angesichts der Leistungsschau der Konkurrenten als Nachteil empfinden – in Wahrheit ist Kia mit dieser Schubumkehr auch hier vorgeprescht.

Die Motoren reichen allemal für ein souveränes Fortkommen mit bis zu 202 km/h, wobei der Sorento zu einem gemütlichen Fahrstil erzieht, weil er für engagierte Landpartien mit engen Kehren viel zu sanft und komfortabel abgestimmt ist. Zum Pulsbeschleuniger taugt er jedenfalls nicht und auch nicht zum Aggressor auf der linken Spur – da lassen die Koreaner den Schwaben und Bayern gern den Vortritt.

Die alten Tugenden von Kia sind bei all den Ambitionen nicht vergessen: Der Grundpreis von 41.481 Euro liegt ein Drittel unter dem eines Audi Q7 und selbst die vorerst teuerste Modellvariante für 54.871 Euro lässt sich auch mit allen Extras nicht auf jene gut 65.000 Euro treiben, mit denen es bei Audi erst losgeht. 

Das werden wir nicht vergessen: Den neuen Spurwechselassistenten, der beim Setzen des Blinkers den Toten Winkel mit dem Bild einer nach hinten gerichteten Kamera ausleuchtet, das im Cockpit eingeblendet wird. Das schützt nicht nur vor gefährlichen Kollisionen beim Ausscheren, sondern passt auch gut zum Sorento: Wer so weit vorausfährt, dem kann Rücksicht nicht schaden.

Hersteller:

Kia

Typ:

Sorento

Karosserie:

SUV

Motor:

Vierzylinder-Turbodiesel-Direkteinspritzer

Hubraum:

2151 ccm

Leistung:

202 PS/ 148 kW

Drehmoment:

440 Nm

Getriebe:

Achtgang-Doppelkupplung

Antrieb:

Allrad

Von 0 auf 100:

9,2 Sek.

Höchstgeschwindigkeit:

202 km/h

Verbrauch:

5,7 l/100 km

CO2-Ausstoß:

150 g/km

Länge/ Breite/ Höhe:

4810/ 1900/ 1700

Kofferraumvolumen:

910 Liter

umgebaut:

2100 Liter

Preis:

46.098 Euro

Mehr lesen über Verwandte Artikel