KTM 125 Duke Ein Motorrad für die Generation Facebook

Die machen sich um den Nachwuchs verdient: Mit der 125 Duke hat KTM ein Leichtkraftrad in Umlauf gebracht, das den Vergleich mit den großen Brüdern nicht zu scheuen braucht - und das zu einem Kampfpreis. Besorgte Eltern könnten trotzdem ein wichtiges Argument gegen die Maschine vorbringen.

KTM

KTM hätte den einfachen Weg gehen können, um den jüngsten Spross in der Duke-Familie auf die Straße zu bringen. Einen Motor aus Fernost kaufen, ein vorhandenen Rahmen aus der heimischen Sportler-Schmiede zurecht biegen, möglichst kostengünstige Standardteile plus orange Verkleidung anbauen, und das Markenlogo fürs Zielgruppen-Marketing aufkleben.

Aber die Entwickler im Mattighofener Werk waren ehrgeizig. Und Billigware? Das wollte sich KTM nicht leisten, das sieht man auf den ersten Blick. Das Einsteigermodell steht so kompakt und bullig da wie die großen Dukes. Entsprechend hochwertig sind die Komponenten: ein edler Gitterrohrrahmen, eine Upsidedown-Gabel (die inneren Röhren liegen unten und tragen die Aufnahme für die Vorderachse) mit 43 Millimetern Tauchrohrdurchmesser wie beim hauseigenen Superbike RC 8, ein 150er Hinterradreifen in filigraner Gussschwinge. Alles perfekt abgestimmt.

Dass KTM es vermeiden wollte, seinen guten Ruf mit einem Discounter-Bike zu beschädigt, belegt auch der Motor der 125er. Ein seit 2008 geplantes und entwickeltes Triebwerk, ein wassergekühlter Einzylinder-Viertakter, der sich für die Leichtkraftrad-Klasse mit 15 PS begnügt, aber in der Technik den großen KTM-Maschinen in nichts nachsteht. Zwei oben liegende Nockenwellen betätigen die vier Ventile über Schlepphebel, fünfstellige Drehzahlen sind damit locker drin; die Einzylinder-typischen Vibrationen minimiert eine Ausgleichswelle. Im Betrieb bläst das kleine Kraftwerk in einen Kastenauspuff, der nicht übermäßig laut, aber kräftig wie eine offene Renntüte blubbert - in der Tat ist die Kombination für mehr Schmackes gemacht: In Zukunft soll eine 200 Kubik-Version für den asiatischen Markt und eine weiter aufgebohrte Euro-Variante für die 250er-Klasse folgen; das Fahrwerk verträgt sicher auch die Kraft eines 350-Kubik-Triebwerks.

Auch der Rest der Ausstattung ist der Achtelliter-Klasse schon längst entwachsen. Das Faust-große LCD-Display bietet Informationen, die man selbst bei größeren und weitaus teureren Motorrädern sucht: Ganganzeige, eine Tankuhr, kombiniert mit einem vollwertigen Bordcomputer, der Werte wie etwa die Fahrzeit und den Verbrauch - rund vier Liter auf Hundert Kilometer - anzeigt. Unterm Strich: Die 125er ist ein erwachsenes Motorrad für Heranwachsende.

Grinsen auf der Strecke

Zugegeben: Der Umstieg auf die kleine Duke mit ihren nur 15 PS ist für erfahrene Biker zu Beginn gewöhnungsbedürftig. Doch wenn die Kleine mit ihrem hervorragenden Fahrwerk erst mal ins Rollen kommt, macht sie richtig Spaß. Der Motor gerät bei niedriger Drehzahl oder bei der Gasannahme nicht ins Stottern, sonder entfaltet gleichmäßig seine Kraft. Die sechs Gänge lassen sich präzise durchschalten und die Maschine tourt spritzig bis über 11.000 Umdrehungen.

Auf dem abgesperrten Rund-Parcours des ADAC im niedersächsischen Lüneburg folgt die kleine Duke mit ihren 138 Kilogramm (vollgetankt) leicht und ohne das geringste Trudeln der Ideallinie: Sauberes Handling wie eine kleine Supermoto. Kurvenverhalten? Überragend, leider gibt es hier so wenige Schikanen. Auch die Bremsen sind mehr als ausreichend und lassen spektakuläre Stopps zu. Allerdings offenbart sich hier ein Manko, denn ABS gibt es nicht. Gerade das wäre bei einem so durchaus sportlichen Gerät für Jugendliche sicher auch ein gutes Argument für die Überzeugungsarbeit gegenüber den Eltern.

Auf der Landstraße ist man mit dem Leichtkraftrad als Anfänger ebenfalls gut bedient: genügend Reserven zum flüssigen Überholen, eine ergonomisch korrekte Sitzposition; auch ein Mitfahrer hat hinten genügend Platz.

Indische Verbindung

Das Kalkül, das hinter der Duke 125 steht: Ist der Fahrer erst mal angefixt, bleibt er später bei der Marke. Doch der Grund, warum KTM das Spaßgerät für den Nachwuchs zum Kampfpreis von 3995 Euro anbieten kann, lautet Rajiv Bajaj. Der indische Zweirad-Krösus, der mehr als ein Drittel der Anteile an der österreichischen KTM Power Sports AG hält, fertigt in seinem Motorradwerk Rahmen und Motor und baut die Maschinen in Indien zusammen. Die Qualität hat darunter nicht gelitten. Für KTM ist die kleinste Duke weit mehr als ein weiteres Fahrzeug in der Modellpalette - in Mattighofen spricht man angesichts der immensen Investitionen in die neue Klasse, in der man sich etablieren will, von einer "breiten Zukunftsplattform" und von einem "Jugendprojekt".

Das löbliche Unterfangen für eine schwächelnde Branche, deren Kundschaft im Schnitt inzwischen auf die Altersteilzeit zusteuert, schlägt sich auch in der Vermarktung nieder: bunte Styling-Sets zur Individualisierung der Maschinen, ein kaum den Kinderschuhen entwachsener 125er-Stunt-Fahrer, ein quietsch-buntes Klamotten-Sortiment als Zubehör und eine Facebook-Seite, die mittlerweile über 50.000 Fans hat.



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
ekel-alfred 04.05.2011
1. (K)eine (T)ausend (M)eter
Zitat von sysopDie machen sich um den Nachwuchs verdient: Mit der 125 Duke hat KTM ein Leichtkraftrad in Umlauf gebracht, das den Vergleich mit den großen Brüdern nicht zu scheuen braucht - und das zu einem Kampfpreis. Besorgte Eltern könnten trotzdem ein wichtiges Argument gegen die Maschine vorbringen. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,760322,00.html
Schön und gut, aber rechnen wir mal grob zusammen: KTM Duke 3995 Euro Führerschein ca. 1500€ Ausrüstung (Helm, Bekleidung etc.) ca. 1200€ Macht zusammen 6695€ für zwei Jahre, denn dann wollen die Kids lieber Auto fahren.... Es ist doch kein Wunder, warum derzeit bei Jugendlichen die 50er Roller in Mode sind. Die kosten einen Bruchteil der Duke und einen teuren Führerschein brauche ich dafür auch nicht. Das Motorrad als Alternative zum Auto wird erst ab einem Benzinpreis von 2€ wahrgenommen.....wetten dass?
Sysiphos110 04.05.2011
2. (K)auf (T)euren (M)ist?
Also - wenn das Ding so schluckt wie meine 06-er Superduke (unter 7 l./100 km geht gar nix, im Stadtverkehr - übel verfahren - gingen auch schon 10 durch) - dann wäre das 'ne reichlich teure Alternative. Der Spritverbrauch ist aber nichts im Vergleich zu dem Spaß, den es macht, die 120 Pferde antraben zu lassen.... . Die Mattighofener wissen, wo die Glocken aufgehangen sind.
2cv 04.05.2011
3. KTM für Jugendliche.... bullshit.
Der Artikel suggeriert, man könne diese Maschine bereits als Jugendlicher fahren: "... Gerade das wäre bei einem so durchaus sportlichen Gerät für Jugendliche sicher auch ein gutes Argument für die Überzeugungsarbeit gegenüber den Eltern..." De facto sind 15 PS starke 125ccm Maschinen nicht unter 18 Jahren zu fahren. Punkt. Ab 18 wird sich der Nachwuchs aber eher um einen PKW bemühen, um zur Uni oder Arbeit zu kommen, und 4000,- Euro für ein Hobby bzw. Zweit-Fortbewegungsmittel wird schlichtweg zu teuer. Insofern sicher nicht "Generation Facebook" aber nett für diejenigen, die sich eben ein Zweitfahrzeug für die Garage anschaffen wollen, das Geld haben, seit Jahren im Beruf sind (Hautpkäufer werden wohl eher Mitte 20 bis Mitte 40 sein) und einfach nur mal am Wochenende eine Runde kreisen wollen, ohne die Praxis im Motorradfahren zu verlieren und für kleines Geld in Steuern und Versicherungen Spass zu haben...
flyhigh79 04.05.2011
4. Lange geschlafen?
Zitat von 2cvDer Artikel suggeriert, man könne diese Maschine bereits als Jugendlicher fahren: "... Gerade das wäre bei einem so durchaus sportlichen Gerät für Jugendliche sicher auch ein gutes Argument für die Überzeugungsarbeit gegenüber den Eltern..." De facto sind 15 PS starke 125ccm Maschinen nicht unter 18 Jahren zu fahren. Punkt. Ab 18 wird sich der Nachwuchs aber eher um einen PKW bemühen, um zur Uni oder Arbeit zu kommen, und 4000,- Euro für ein Hobby bzw. Zweit-Fortbewegungsmittel wird schlichtweg zu teuer. Insofern sicher nicht "Generation Facebook" aber nett für diejenigen, die sich eben ein Zweitfahrzeug für die Garage anschaffen wollen, das Geld haben, seit Jahren im Beruf sind (Hautpkäufer werden wohl eher Mitte 20 bis Mitte 40 sein) und einfach nur mal am Wochenende eine Runde kreisen wollen, ohne die Praxis im Motorradfahren zu verlieren und für kleines Geld in Steuern und Versicherungen Spass zu haben...
Schon vor vielen Jahren (ich meine Ende der 90er...) wurde die Grenze von 80ccm auf 125ccm angehoben, mit Beschränkung auf 80km/h für
MarkH, 04.05.2011
5. immernoch 3000€ teurer
Zitat von sysopDie machen sich um den Nachwuchs verdient: Mit der 125 Duke hat KTM ein Leichtkraftrad in Umlauf gebracht, das den Vergleich mit den großen Brüdern nicht zu scheuen braucht - und das zu einem Kampfpreis. Besorgte Eltern könnten trotzdem ein wichtiges Argument gegen die Maschine vorbringen. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,760322,00.html
als eine TVS Apache und Führerschein ist ein Klacks
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